Thomas Horsch: Werders U 23-Co-Trainer Der Talentsichter

„Vor fünf Wochen hätte ich mich noch gewundert”, sagt Thomas Horsch. Im September dachte er nicht daran, einmal als Co-Trainer auf der Bank von Werders U 23 zu sitzen.
05.11.2016, 00:00
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Von Stefan Freye

„Vor fünf Wochen hätte ich mich noch gewundert”, sagt Thomas Horsch. Im September dachte er nicht daran, einmal als Co-Trainer auf der Bank von Werders U 23 zu sitzen.

Damals war Horsch der DFB-Stützpunktkoordinator in Bremen. Er beschäftigte sich mit der Aus- und Fortbildung von Trainern, kümmerte sich um die Auswahlmannschaften des Bremer Fußball-Verbandes und war auch an der Eliteschule des Fußballs in Obervieland tätig. Dann wurde er Anfang Oktober von Werders Nachwuchsdirektor Björn Schierenbeck kontaktiert – und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Am Sonnabend (14 Uhr), beim Heimspiel der U 23 gegen den SSV Jahn Regenburg auf Platz 11, feiert Thomas Horsch seinen Einstand. Der 48-Jährige sagt: „Das ist eine tolle Herausforderung.” Das glaubt man sofort. Zwar hat der Neue im Trainerteam der Grün-Weißen bereits einige Erfahrungen als Trainer einer Vereinsmannschaft gesammelt. Etwa als er zwischen 2003 und 2009 die 1. Herren des VfL 07 in die Bremen-Liga geführt hatte oder in den 14 Jahren, die er nun als Jugendcoach der Findorffer aktiv ist. Aber überwiegend konzentrierte sich die Arbeit von Thomas Horsch in den vergangenen Jahren doch auf den Verband.

Weibliche U 17-Nationalelf zum EM-Titel geführt

Dabei war er als Stützpunktkoordinator nicht nur für die regionalen Talente zuständig. Als DFB-Mitarbeiter war der Bremer auch zwei Jahre Torwarttrainer der U 20-Nationalmannschaft (2013/2014), reiste zur Trainerausbildung nach Katar (2014), analysierte die Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada (2015) und begleitete die weibliche U 17-Nationalelf zu internationalen Turnieren. Im Frühjahr gewann die Auswahl mit Thomas Horsch als Torwarttrainer sogar den EM-Titel in Weißrussland. Die Weltmeisterschaft vor einigen Wochen verlief dagegen weniger gut, im Viertelfinale war gegen Spanien Endstadion.

Dafür erreichte Horsch in Jordanien der Anruf von Björn Schierenbeck – und mit ihm verbindet er eine ganz neue Perspektive: „Ich habe so viele Facetten des Fußballs gesehen und nun die Möglichkeit bekommen, in einem Topverein die Talente unterhalb des Bundesliga-Teams auszubilden.” Das war es ihm wert, seine Tätigkeit beim DFB zum 31. Dezember endgültig aufzugeben. Auch wenn es ihm schwerfiel. „Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge”, sagt Thomas Horsch. Sein Vertrag mit Werder läuft bis 2020.

Aber natürlich weiß der Trainer, dass mit der neuen Aufgabe auch eine gewisse Ungewissheit verbunden ist. Der spannende Job bei Werder bietet längst nicht die Sicherheit einer Anstellung als Stützpunktkoordinator. „Ich habe zwar keine Rückfahrkarte“, sagt Horsch, „aber ich könnte theoretisch zurückkehren.” Er sieht nun allerdings erst einmal überhaupt keinen Grund, sich mit derartigen Szenarien zu beschäftigen. Das Risiko sei überschaubar, eine Vertrauensbasis mit den Verantwortlichen vorhanden, sagt Horsch. Zudem hat er ja noch nicht einmal sein Debüt als Werder-Trainer hinter sich gebracht.

Den Nachwuchs ständig im Blick

Erst seit Freitag ist endgültig sicher, dass Thomas Horsch seinen Einstand auf Platz 11 feiern wird. Denn mittlerweile wurde das Dach der Tribüne mit zusätzlichen Stützen versehen, und so konnte der überdachte Sitzplatzbereich wieder freigegeben werden. Thomas Horsch findet das gut. Das Weserstadion, in das die U 23 zuletzt ausgewichen war, würde zwar einen gewissen Reiz ausüben. Doch letztlich seien dort angesichts der überschaubaren Zuschauerkulisse eher Geisterspiele über die Bühne gegangen. „Das ist auch nicht so schön für die Spieler”, sagt Thomas Horsch.

Er hat die Ausbildung des Fußball-Nachwuchses eben ständig im Blick. Seit mittlerweile drei Tagen geht es dabei auch um die Werder-Talente der U 23. „Ich habe viele Bekannte aus den früheren Jugendauswahlmannschaften wiedergesehen”, sagt Thomas Horsch. Da er diverse Spieler bereits trainiert hat, muss sich der Neue keine Gedanken um einen Draht zu den Spielern machen. Man kennt sich. Zu anderen, wie etwa Werder-Profi Fallou Diagne, der gegen Jahn Regensburg ebenfalls vor seinem Einstand steht, wird sich schon bald ein Verhältnis ergeben.

Denn Thomas Horsch setzt auf Kommunikation. Das verbindet ihn mit U 23-Trainer Florian Kohfeldt, der vor einigen Jahren seine B-Lizenz noch unter dem Ausbilder Thomas Horsch erworben hatte. „Florian ist ebenfalls ein Teamplayer, wir ergänzen uns gut”, sagt Horsch. Dass sein neuer Chef 14 Jahre jünger ist, sei deshalb auch kein Problem. Und zur Not könnten sie ja einfach mal drüber reden.

Testspiele in der Länderspielpause Nach dem Heimspiel gegen Jahn Regensburg am Sonnabend geht auch die U 23 in eine Länderspielpause. Untätig wird das Team von Florian Kohfeldt aber nicht sein. Im Gegenteil. Die Grün-Weißen tragen in der kommenden Woche gleich zwei Testspiele gegen Teams aus der Bremen-Liga aus. Am Dienstag (15 Uhr) geht es zum TuS Schwachhausen, und am Donnerstag (19 Uhr) ist die U 23 beim FC Oberneuland zu Gast.
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