Werders U23-Trainer im Interview Florian Kohfeldt: „Ich habe jetzt eine tolle Aufgabe“

Florian Kohfeldt ist jetzt Cheftrainer der U23 von Werder Bremen. Wir haben mit dem Coach über die Beurlaubung in der Bundesliga, Alexander Nouri und seinen neuen Job gesprochen.
11.10.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Stefan Freye

Florian Kohfeldt ist jetzt Cheftrainer der U23 von Werder Bremen. Wir haben mit dem Coach über die Beurlaubung in der Bundesliga, Alexander Nouri und seinen neuen Job gesprochen.

Wer eine Fußballmannschaft im Herbst auf dem 17. Tabellenplatz übernimmt, hat eigentlich die Aufgabe eines Retters. Wie würden Sie Ihre Position beschreiben?

Florian Kohfeldt: Ich bin Ausbilder, definitiv. Das wichtigste Ziel ist, die Jungs zu entwickeln, unabhängig vom Tabellenstand. Wir sind aber der Meinung, dass die 3. Liga schon die richtige Spielklasse ist und wollen die Klasse natürlich halten.

Hatten Sie bei der Beurlaubung vor drei Wochen damit gerechnet, bereits jetzt wieder einen Job bei Werder zu übernehmen?

Nein, in dieser schnellen zeitlichen Abfolge nicht. Es war zwar relativ schnell von Frank Baumann kommuniziert worden, dass der Verein gern mit mir weiterarbeiten würde. Aber so früh hatte ich das nicht erwartet.

Sie gelten als großes Trainertalent und genießen viel Vertrauen im Verein. Hätten sie sich die Aufgabe als Cheftrainer der Bundesligamannschaft nicht auch zugetraut?

Das ist eine schwere Frage. Ich bin einfach froh mit der Aufgabe, die ich jetzt habe.

Bis vor drei Wochen verlief Ihre Karriere relativ steil nach oben. Wie sind Sie damals mit der Beurlaubung umgegangen?

Im ersten Moment war das eine große Enttäuschung, aber gar nicht, dass und wie es passiert ist. Ich muss auch klar sagen: Unsere Beurlaubung ist von höchstmöglichem Respekt geprägt gewesen, in einer für den Verein sehr schweren Situation. Aber ich hatte eben damit zu kämpfen, dass auch ich zwei Jahre lang alles getan habe, damit die Mannschaft Erfolg hat. Das waren keine einfachen Tage. Dann kam aber relativ schnell die Perspektive, die sich nun aufgetan hat. Und zur steilen Karriere: Ich durfte mit Anfang 30 in der Bundesliga arbeiten und habe viele Erfahrungen mitgenommen. Ich habe aber auch lange dafür gearbeitet und die Basis gelegt. Jetzt arbeite ich wieder im Leistungszentrum mit Personen zusammen, die ich schon sehr lange kenne, und das ist toll.

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Dann empfanden Sie damals also nicht auch eine gewisse Erleichterung?

Nein, das wäre definitiv das falsche Wort. Ich habe den Job unheimlich gern gemacht und bin noch nicht so abgebrüht, dass ich sage: Es ist halt so. Danach habe ich auch jedes Spiel der Jungs gesehen, und ich wünsche ihnen nach wie vor alles erdenklich Gute.

Stehen Sie eigentlich noch in Kontakt zu Viktor Skripnik und Torsten Frings?

Regelmäßig, und die beiden haben mir aufrichtig zu meiner neuen Aufgabe gratuliert. Wir hatten ja immer ein gutes Verhältnis und haben uns als Team verstanden.

Nun wird nach einem weiteren Co-Trainer für Alexander Nouri gesucht. Wäre das nicht auch eine Aufgabe für Sie gewesen?

Die Frage hat sich nicht gestellt, und deshalb muss ich darüber auch gar nicht nachdenken.

Als Alexander Nouri noch U23-Trainer und Sie Co-Trainer des Bundesliga-Teams waren, wurde bereits viel zwischen Ihnen kommuniziert. Nun haben Sie die Rollen getauscht. Eine komische Situation?

Wir befinden uns bereits in einem regen Austausch, die Inhalte bleiben aber die gleichen. Wir versuchen immer, die beste Lösung für die Spiele zu finden. Ich bin insofern entspannt, da ich Alex sehr gut kenne. Das ist persönlich und inhaltlich ein sehr guter Austausch.

Nun werden manche wieder sagen: Werder schmort nach wie vor im eigenen Saft.

Dazu hat Marco Bode eine gute Aussage getroffen: Es darf kein Kriterium gegen jemanden sein, wenn er schon lange im Verein arbeitet. Viele identifizieren sich mit Werder, und so etwas ist heutzutage eher selten. Daran kann ich nichts Negatives finden.

Fällt Ihnen die Aufgabe als U23-Trainer womöglich leichter, weil sie auch die andere Seite, die Arbeit des Bundesligateams, kennen?

Da habe ich sicher ein großes Verständnis. Manche Dinge kann man nur kurzfristig entscheiden, das lässt sich bei aller Planung nicht verhindern. Und die Bundesliga genießt nun mal immer Vorrang.

Welcher Trainertyp erwartet die U23 nun?

Auf jeden Fall einer, der die Jungs mitnehmen will, auf Teamarbeit setzt und ihre Eigenverantwortung fördert. Ich lege außerdem viel Wert auf den persönlichen Kontakt, und die Spieler sollen sich mit der Mannschaft sowie ihrer Entwicklung auseinandersetzen. Ich denke, da setze ich fort, was Alex bereits gemacht hat. Fußballerisch erwartet die Mannschaft einen Trainer, der gerne auf Ballbesitz spielt. Aber auch in dieser Hinsicht kann ich auf vieles aufbauen, denn da hat Alex hervorragende Grundlagen gelegt.

Ein großes Thema der U23 sind die wenig konstanten Leistungen. Gehören diese Schwankungen dazu?

Die Schwankungen gehören in diesem Entwicklungsstadium dazu. Wir haben ein paar gestandene Spieler, da weiß man, was man bekommt. Bei den anderen Jungs ist es normal, dass sie nicht konstant antreten.

Vor der Saison hatte der Verein angekündigt, künftig mit mehr Kontinuität zu arbeiten und die Spieler den Aufgeboten von U23 und Profimannschaft fester zuzuordnen. Das hat aus verschiedenen Gründen noch nicht so gut geklappt. Sehen Sie eine Chance?

Ich denke schon, dass alle das Ziel haben, mehr Kontinuität in diesem Bereich zu haben. Aber wir haben auch bereits über die Zwänge geredet. Bei vielen Verletzten im Bundesliga-Kader musst du einfach auffüllen, ohne das despektierlich zu meinen. Es geht immer darum, im Einzelfall zu entscheiden, was sinnvoll für den Spieler ist. Ich bin kein Freund von Pauschalierungen, es gibt da keine Schablonen.

Alexander Nouri kommt sehr emotional rüber, betont auch immer wieder, wie wichtig dieser Aspekt für ihn ist. Setzt er damit Maßstäbe, an denen Sie sich orientieren?

Jeder hat seinen eigenen Weg in der Vermittlung. Es gibt sicher auch Situation, in denen ich laut werde oder Emotionen zeige, mehr als man mir vielleicht zutraut. Aber am Ende geht es immer darum, seinen eigenen Weg zu finden, authentisch zu sein. Für mich ist immer wichtig, dass mein Verhalten zielführend ist. Darauf kommt es an.

Sie leben nun mit deutlich weniger Öffentlichkeit. Ist das ein Problem?

Das ist es nicht. Ich hatte auch in der Bundesliga nicht so diese Öffentlichkeit, ich war ja Co-Trainer. Ich finde es grundsätzlich aber auch nicht so schlecht, einmal aus dieser Mühle raus zu sein. Gestört hat sie mich nicht, aber ohne ist auch mal ganz gut.

Wie gehen Sie damit um, dass bereits über Sie als Nouri-Nachfolger spekuliert wird?

Ich habe jetzt eine tolle Aufgabe, und keiner weiß, was in der Zukunft ist. Derzeit habe ich aber sicher keine Ambitionen. Deshalb kann ich diese Spekulation auch nicht verstehen.

Das Gespräch führte Stefan Freye.

Zur Person

Florian Kohfeldt ist seit der vergangenen Woche Cheftrainer von Werders U 23-Team. Zuvor arbeitete Kohfeldt als Assistent von Viktor Skripnik – zunächst auch in Werders U 23, ab Oktober 2014 dann in der Bundesliga. Im September 2016 wurde Kohfeldt gemeinsam mit Skripnik und dem zweiten Co-Trainer Torsten Frings beurlaubt. Als Spieler stand Kohfeldt einst in der Verbandsliga bei Werder III im Tor.

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