Werders U 23 unterliegt HSV II Kleines Derby - große Aufregung

An Spektakel gab es zuletzt keinen Mangel, wenn die Fußballer von Werders U 23 in der Regionalliga Nord antraten. Zweimal siegten die Bremer in Unterzahl – doch das Nachholspiel beim Hamburger SV II setzte den turbulenten Wochen die Krone auf.
07.05.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

An Spektakel gab es zuletzt keinen Mangel, wenn die Fußballer von Werders U 23 in der Regionalliga Nord antraten. Zweimal siegten die Bremer in Unterzahl – doch das Nachholspiel beim Hamburger SV II setzte den turbulenten Wochen die Krone auf. Diesmal kassierten die Bremer gleich zwei Platzverweise, zudem verhängte der Unparteiische zwei Strafstöße gegen den Gast und einen für die Grün-Weißen. Weil Marcel Hilßner die Chance zum Bigpoint in der Nachspielzeit aber vergab, endete das Spiel mit einer 0:1 (0:0)-Niederlage beim Verfolger aus Hamburg, der nun auf zwei Punkte an den Spitzenreiter herangerückt ist.

Ausgerechnet Hilßner. Es passte irgendwie zur aufregenden Schlussphase dieser Saison, dass der Matchwinner der vergangenen Wochen in Hamburg zur tragischen Figur wurde. Hilßner schoss, und HSV-Keeper Kevin Otremba, im vergangenen Jahr noch im Werder-Trikot, parierte. „Ich mache Marcel aber überhaupt keinen Vorwurf“, kommentierte Alexander Nouri eine der letzten Szenen dieser Partie. Werders Trainer war weit davon entfernt, die Derbyniederlage am Fehlschuss seines Stürmers festzumachen. Für Nouri bestand vielmehr Anlass, über einen ziemlich merkwürdigen Spielverlauf zu sinnieren.

Vor dem Anpfiff hatte er von seiner Mannschaft viel Aktivität und ein intensives Pressing gefordert. „Aber das haben wir nicht mit der nötigen Konsequenz betrieben“, urteilte Nouri. Das Team stellte seine Qualitäten erneut erst unter Beweis, als es in Unterzahl geriet. „Ein Phänomen“, findet der Trainer. Zweimal war es zuletzt gut gegangen, dezimiert hatten die Bremer sowohl gegen Weiche Flensburg (2:0) als auch beim VfL Wolfsburg II (2:1) gewonnen. An diesem Mittwoch ging es schief, und dafür gab es einige Gründe.

Der wichtigste: Ein vermeintliches Handspiel von Marnon Busch war nicht nur mit einer Gelb-Roten Karte für den Verteidiger verbunden – es gab auch einen Handelfmeter für die HSV-Reserve, den Ahmet Arslan zum Tor des Tages nutzte (63.). Dabei war man sich auf Werders Seite wirklich nicht sicher, ob Busch einen Kopfball der Hamburger tatsächlich mit der Hand abgewehrt hatte. Der Spieler selbst berichtete nach der Partie, er habe die Arme extra hinter dem Rücken verschränkt und den Ball mit der Hüfte abgelenkt.

Nach rund einer Stunde hatten die Bremer so die erste Gelegenheit, sich kritisch mit der Leistung von Schiedsrichter Tim Skorczyk auseinanderzusetzen. „Ich beschäftige mich aber nur mit Dingen, die ich beeinflussen kann, deshalb möchte ich das gar nicht kommentieren“, so Nouri. Einen gewissen Raum hätte ein diesbezügliches Statement auch eingenommen. Schließlich sollten auf den Handelfmeter weitere diskussionswürdige Aktionen folgen. Etwa die Rote Karte gegen Florian Grillitsch nach einer Grätsche im Mittelfeld (67.) oder der zweite Strafstoß im Anschluss an ein Tackling von Maximilian Eggestein, den Werder-Schlussmann Michael Zetterer parierte (86.). Selbst der Bremer Elfmeter, nach einem Foul an Lukas Fröde (90.), schien nicht unbedingt zwingend erforderlich, sondern hatte den Anschein einer Konzessionsentscheidung.

Aber vielleicht verzichtete Alexander Nouri auch auf einen Kommentar zum Schiedsrichter, weil der nur abgelenkt hätte von der wesentlichen Erkenntnis der Partie. Sie lautete: Die Bremer fanden viel zu lang nicht zu ihrem Spiel und zur nötigen Entschlossenheit in diesem Derby. Es ging deshalb auch folgerichtig an einen Gegner, der über weite Strecken mehr investiert hatte.

Die Kritikpunkte wird der Trainer ansprechen, aber „dann geht es darum, die Enttäuschung möglichst schnell aus den Köpfen herauszukriegen“, so Nouri. Immerhin gab es ja auch eine gute Erkenntnis, trotz der Niederlage. „Es hat sich nichts geändert: Wir müssen nach wie vor die letzten drei Spiele gewinnen“, unterstrich der Trainer.

Hamburger SV II: Otremba - Adomah, Kim, Götz, Arslan (90.+3 Carolus), Charrier, Mende, Jung, Derflinger (82. Masek), Kwatu (90. Jordan), Steinmann

Werder Bremen II: Zetterer - Busch, Dudda, Bruns, Grillitsch, Lukowicz (56. Eggestein), Fröde, Mainka, Argyris, Wegner, Hilßner

Tor: 1:0 Arslan (64./Handelfmeter)

Schiedsrichter: Skorczyk (Salzgitter)

Zuschauer: 750

Gelbe Karten: Jung, Arslan, Charrier / Fröde, Dudda, Argyris

Gelb-Rote Karte: - / Busch (63./Handspiel)

Rote Karte: - / Grillitsch (67./grobes Foulspiel)

Besondere Vorkommnisse: Zetterer (Werder) hält Foulelfmeter von Arslan (86.), Hilßner (Werder) scheitert mit Foulelfmeter an Otremba (90.+1)

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