U23-Kapitän Karbstein über die Zwangspause

Laufen, zocken und sich langweilen

Was macht ein Fußballer eigentlich momentan so ganz ohne Mannschaftstraining und Spiele? Werders U23-Kapitän Malte Karbstein erzählt, wie er sich die Zeit vertreibt.
20.03.2020, 18:02
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
Laufen, zocken und sich langweilen

Malte Karbstein spielt seit Sommer 2018 für Werders U23 und trainierte auch schon bei den Profis mit.

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Er sitzt in Neuruppin und langweilt sich: Wie die meisten anderen Kicker von Werders U 23 hat auch Malte Karbstein einstweilen den Weg in die Heimat angetreten. Die Regionalliga Nord wurde angesichts der Corona-Krise bis zum 19. April ausgesetzt, und derzeit geht eigentlich niemand davon aus, dass es danach gleich wieder weitergeht. „Es ist eine harte Zeit“, sagt Karbstein. Diese Zeit verbringt er bei seinen Eltern im kleinen Städtchen, nordwestlich von Berlin. Den Kontakt zu den Teamkollegen hat der Kapitän dabei aber nicht verloren, man tauscht sich aus über die sozialen Medien. „Wir hätten auch Lust, mal wieder Fußball zu spielen“, sagt Malte Karbstein. Aber das geht nun einmal nicht.

Der 22-Jährige betont: „Es ist wichtig, dass auch wir Fußballer zeigen, dass es ernst ist“. Bei ihm ist längst angekommen, worum es dieser Tage geht: „Man könnte sich infiziert haben, ohne es mitzubekommen, also meidet man den Kontakt.“ Seine Oma würde er jedenfalls nicht besuchen – obwohl ein solcher Trip eine schöne Abwechslung wäre. Denn so richtig weiß Malte Karbstein eben nicht, wie er seine Tage in Neuruppin derzeit verbringen soll. Die Treffen mit der Freundin gibt es zwar, und so manche Stunde hat er auch schon an der Spielkonsole gezockt. Aber sonst läuft nicht viel.

90 Minuten Training pro Tag

Da ist Malte Karbstein fast schon dankbar dafür, dass er aus Bremen einen Trainingsplan mitgebracht hat. Rund 90 Minuten verbringt er täglich mit Laufeinheiten und individuellem Training. „Ohne die Einheiten mit der Mannschaft macht man eben ein bisschen mehr für sich.“ Zu verdanken hat er die ungewohnten Aktivitäten seinem Trainer. Bevor Konrad Fünfstück die Spieler vor einigen Tagen in den Zwangsurlaub entließ, hatte er für die entsprechenden Begleitmaßnahmen gesorgt. „Wir müssen unseren Beruf so professionell wie möglich ausüben und für den Tag X gewappnet sein“, sagt der Werder-Coach. Wann dieser Tag X sein wird, ist natürlich auch Konrad Fünfstück völlig unklar. Dabei ist mit der Zwangspause bereits der Ausfall der Partien gegen den Hamburger SV II, den TSV Havelse, Eintracht Norderstedt und den VfB Lübeck verbunden. Dass nach dem 19. April wieder gespielt werden kann, wird momentan jeden Tag ein bisschen unwahrscheinlicher. Zum Stichtag sagt Konrad Fünfstück deshalb nur: „Wir würden uns natürlich freuen, wenn es dann weitergeht.“

Während seine überwiegend jungen Spieler in ihre Heimatorte zurückgekehrt sind, hielt es den Trainer in Bremen. Nach einem Engagement beim FC Wil besitzt er zwar nach wie vor ein Haus in der Schweiz. Aber eine zeitweilige Rückkehr ins Nachbarland kam für Fünfstück nicht infrage: „Ich möchte in der Nähe meines Arbeitgebers sein und bereitstehen, wenn man etwas tun kann.“

Intensive Videoanalyse

Noch wurde er nicht gerufen, liegen die Aktivitäten des Vereins doch nahezu komplett lahm. Dafür beschäftigt sich der Trainer derzeit intensiv mit den Auftritten seiner Mannschaft in den vergangenen Monaten. Werders U 23 belegt in der Regionalliga Nord aktuell den fünften Platz, und Konrad Fünfstück nimmt die Leistungen seines Teams nun noch einmal ganz genau unter die Lupe. „Bei der Videoanalyse lässt sich unsere Entwicklung sehr genau verfolgen, und wir können dabei auch neue Spielziele entwickeln“, erläutert er. Vielleicht ließe sich in einigen Wochen auch noch eine weitere Leistungsdiagnostik mit den Spielern organisieren, um die aktuellen Pläne zu überprüfen.

Bis dahin regiert das Prinzip Hoffnung in einer für Fünfstück „beklemmenden Situation“. Angesichts seiner Arbeit im Homeoffice hat er sich längst zurückgezogen aus dem öffentlichen Leben. Das verbindet ihn mit Malte Karbstein in Neuruppin. Dem Kicker fällt es zwar auch schwer, auf so vieles zu verzichten. Er kann den rigiden Umgang mit dem Coronavirus aber gut nachvollziehen und sagt: „Wenn die Leute nicht darauf hören und die Regeln nicht befolgen, müssen sie irgendwann durchgesetzt werden.“

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