Werder Bremen II Lehrstunde für Nordkoreas Kicker

Bremen. Werder Bremen II hat ein Testspiel gegen die U23-Mannschaft des Sobaeksu FC aus Nordkorea mit 4:0 (2:0) gewonnen.
22.01.2014, 17:44
Lesedauer: 2 Min
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Von Stefan Freye

Bremen. Eigentlich wäre Kang Su-Yun genau der richtige Mann gewesen. Er spielt nämlich nicht nur für den Sobaeksu FC, sondern spricht auch ein bisschen deutsch.

Deshalb war der kleine Fußballer am Mittwochnachmittag ein gefragter Gesprächspartner. Schließlich wollten doch alle wissen, wie es der nordkoreanischen Reisegruppe so gefallen hat in Bremen. Doch Kang Su-Yun hatte keine Lust mehr zu sprechen. Nachdem seine Mannschaft das Testspiel gegen Werder Bremen II mit 0:4 (0:2) verloren hatte, machte der Stürmer klar, dass es von ihm keine weiteren Stimmen geben würde.

Das war am Vormittag noch anders gewesen. Der Informationsgehalt seiner Aussagen blieb zwar überschaubar, was bei jungen Kickern bisweilen vorkommt. Kang Su-Yun berichtete den Reportern von Radio Bremen, wie gut es ihm in Bremen gefalle und dass seine Mannschaft in erster Linie zum Lernen seit zehn Tagen in Deutschland sei. Normalerweise trainiert sie in Heusenstamm bei Frankfurt, wo sich Ex-Bundesligacoach Klaus Schlappner und Peter Ueberjahn die Einheiten der Fußballer begleiten.

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„Sie wollen die deutschen Methoden kennenlernen“, sagt Ueberjahn, der die Asiaten auch auf den Trip nach Bremen begleitete. Der 65-jährige Fußballlehrer – einst in Niger und Namibia tätig – ist ein wesentlicher Teil des Austauschprogramms vom Deutschen Olympischen Sport-Bund und dem Deutschen Fußball-Bund. Er weiß deshalb auch, dass die Nordkoreaner viel mehr an Fußball denken und das Kennenlernen der europäischen Kultur – eigentlich der zweite Grund ihres Aufenthaltes – etwas in den Hintergrund gerückt ist.

In Bremen haben die Kicker des Sobaeksu FC aber immerhin das Weserstadion besichtigt, das hat letztlich auch etwas mit Kultur zu tun. Lieber holen sie allerdings auf, was ihnen deutsche Fußballer noch voraus haben. „Sie haben Probleme mit Zweikämpfen“, sagt Peter Ueberjahn. In spielerischer Hinsicht war Sobaeksu, immerhin Tabellensechster der 1. Liga in Nordkorea, ein nahezu gleichwertiger Gegner für Werder II. Doch in den direkten Duellen zogen die Gäste regelmäßig den kürzeren.

Deshalb spielte sich das Geschehen auf Platz 11 auch überwiegend in ihrer Hälfte ab. „Sie haben uns das Leben schon schwer gemacht, aber wir sind in taktischer Hinsicht besser geschult“, fand Lukas Fröde. Auch für Werders Mittelfeldspieler war das Spiel natürlich eine spannende Sache, bislang war er ja auch noch nie gegen ein Team aus Nordkorea angetreten. Angesichts der Sprachbarrieren kam allerdings kein persönlicher Kontakt zustande, und auch das gemeinsame Mittagessen gestaltete sich nicht gerade völkerverbindend: Hier saß Werder II, dort der Sobaeksu FC.

Alles konnte Kang Su-Yun eben auch nicht erledigen. „Er soll nun alles übersetzen, aber eigentlich ist er ja zum Fußballspielen hier“, zeigte Peter Ueberjahn Verständnis für den sprachbegabten Kicker. Am Montag war die Reisegruppe durch einen englisch sprechenden Funktionär verstärkt worden, nun hat Ueberjahn einen zweiten Ansprachpartner. Bis zum 29. Januar wird er die Nordkoreaner noch betreuen, und er findet, es habe sich mittlerweile ein „aufgeschlossenes, lockeres Verhältnis“ entwickelt. Ein Thema klammert er aber aus: Politik. „Da würde man auch keine Antwort bekommen“, sagt er.

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Werder Bremen II: Strebinger (60. Duffner) - Obst, Hüsing (60. Pavlovic), Schoppenhauer (76. Dudda), Sternberg - Fröde, A. Stevanovic, P. Stevanovic (60. O. Yildirim), Schwede - Selke, Grillitsch (60. Albadawi/Testspieler)

Sobaeksu FC: Ri Kwang-Il, Kim Hyon, Pong Chol (38. Kang Su-Yun), Kim Kuk-Chol, Nam Chol-Hyon, Ri Il-Jin, Myon Cha-Hyon, Kim Chol-Bom, Ri Su-Hyok (59. Kang Chol-Hyon), Jong Il-Ju, Kim Jong-Han

Tore: 1:0 Grillitsch (32.), 2:0 Selke (45.+1), 3:0 Selke (52.), 4:0 Yildirim (73.). Zuschauer: 50

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