Gästeblock im Weserstadion Umbau aus Angst vor Randale

Gewaltbereite Fans von Gastmannschaften haben im Weserstadion mehrfach die eigenen Fans gefährdet. damit das in Zukunft nicht mehr passiert, wird der Gästeblock derzeit umgebaut.
18.06.2015, 00:00
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Umbau aus Angst vor Randale
Von Michael Kerzel

Sie drängen sich an Ordnern vorbei, laufen an den Zaun, klettern hinauf und hantieren mit Pyrotechnik. Dabei stürmen sie den Sitzplatzbereich im Gästeblock: Gewaltbereite Fans von Gastmannschaften haben im Weserstadion mehrfach die eigenen Fans gefährdet.

Von fünf solcher Fälle berichtet die Innenbehörde. Besonders ekelig: Die „Fans“ haben die unter ihnen sitzenden Werderanhänger mit Urin gefüllten Bierbechern beworfen. In der nächsten Spielzeit ist damit Schluss. Der Gästeblock wird so umgebaut, dass Steh- und Sitzplätze dort getrennt sind. Ein neues Konzept hatten Polizei und Innenbehörde gefordert, die Bremer Weser-Stadion GmbH setzt es um. Kosten: 275.000 Euro.

Kern des Umbaus ist die strikte Trennung von Steh- und Sitzplatzbereich im Auswärtsblock. Dieser könne zukünftig in vier Sektoren – alle nebeneinander im Oberrang der Westkurve – aufgeteilt werden, erklärt Rehling. Je nachdem, wie viele Auswärtsfans anreisen, werden beispielsweise drei Stehplatzblöcke und ein Sitzplatzblock oder eben nur ein Sektor eingerichtet. In den vergangenen Spielzeiten saßen in den ersten sechs Reihen im Oberrang Auswärtsfans, dahinter standen mitgereiste Fans.

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„Man ging davon aus, dass die sitzenden Auswärtsfans friedlicher sind“, sagt Wilfried Rehling, der den Umbau leitet. Sie sollten einen Puffer zwischen den Stehplätzen und den Heimfans im Unterrang bilden. Das habe in der Praxis jedoch nicht funktioniert. Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin des Senators für Inneres und Sport, zählt vier Vorfälle aus der Saison 2013/14 sowie einen Vorfall aus der vergangenen Saison auf, bei denen Fans von Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund, Hannover 96, Hertha BSC Berlin und dem 1. FC Köln den Auswärtssitzplatzblock stürmten oder bei dem Versuch von Ordnern aufgehalten wurden.

Nylonnetz soll den Unterrang schützen

Um die Sicherheit der Zuschauer zu steigern, gibt es ab der kommenden Saison unterschiedliche Aufgänge für Sitzplatz- und Stehplatzbesucher:. „Bisher gingen alle Karteninhaber des Auswärtsteams durch das gleiche Mundloch – das ist der Aufgang. Dadurch gab es Probleme, da die Fans mit Stehplatzkarten sich regelmäßig im Gedrängel an den Ordner vorbeidrückten, um so näher am Spielfeld zu sein“, berichtet Rehling. Die Sicherheitsleute hätten kaum eine Chance, eine Gruppe gewaltbereiter Stehplatzfans auf dem Weg in den Sitzplatzblock aufzuhalten.

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Durch die neue, vertikale Trennung der Blöcke werden Fans zukünftig durch verschiedene Aufgänge in den Steh- und den Sitzplatzbereich gelangen. Dadurch werden beispielsweise der Großvater mit seinem Enkel nicht durch den gleichen Tribüneneingang wie Mitglieder von Ultra-Fangruppierungen geschleust. Völlig auszuschließen sei jedoch nicht, dass Zuschauer mit Stehplatzkarten in die Sitzplatzkartenränge stürmen, sagt Rehling. Doch zum einen drängelten sich die Fans nicht alle auf einer Plattform hinter dem Aufgang, wo es nach unten zu den Sitzplätzen und nach oben zu den Stehplätzen gehe. Zum Anderen seien die Stehplätze nun genauso nah am Spielfeld wie die Sitzplätze, wodurch der Anreiz des Blocksturms gemindert werde.

Damit Besucher des Gästeblocks keine Gegenstände Richtung Heimfans oder Spielfeld werfen können, werde dauerhaft ein Nylonnetz vom Stadiondach heruntergehängt. Das hält auch Pyrotechnik auf, sagt Rehling. Am unteren Ende des Netzes wird eine Rinne installiert, die feuerbeständig ist. Gästefans dürfen auch keine Getränke mit auf die Tribüne nehmen. In der Vergangenheit hätten einige Besucher ihre Bierbecher ausgetrunken, sie mit Urin gefüllt und dann auf die Heimfans geworfen, sagt Rehling.

Neue Sitze für die Gäste

Auch die seitlich neben dem Gästeblock sitzenden Zuschauer werden geschützt: „In den einzelnen Sektoren sind die äußeren beiden Reihen separat auszubauen“, berichtet Rehling. Das sei notwendig, da auf der Auswärtsseite verhindert werden soll, dass die Fans über den Zaun klettern. Auf der Heimseite steht die Polizei in den beiden Reihen neben dem Zaun. Maximal 3808 Plätze bietet der Auswärtsblock. Die vertikale Trennung, erklärt Gerdts-Schiffler, vermindere das Risiko von schweren Verletzungen und entspanne die Gastfanszene.

Die einzelnen Sektoren innerhalb des Gästeblocks können durch 2.50 Meter hohe Zäune seitlich voneinander getrennt werden. Ebenso wird ein solcher Zaun am Fuß des Auswärtsblocks aufgestellt. „Vor den Stehplätzen wird der Zaun auf jeden Fall aufgebaut, vor den Sitzplatzblöcken ist er optional“, erklärt Rehling. Ob dieser aufgebaut werde, ergebe sich durch die Besprechung mit den Sicherheitskräften im Vorfeld des jeweiligen Spiels.

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Der Gästebereich wird in der aktuellen Sommerpause umgestaltet. Die klassischen Schalensitze im ehemaligen Sitzbereich haben Bauarbeiter bereits abmontiert, voraussichtlich am 24. Juni werden neue Sitze aus Tschechien geliefert. Diese Klappsitze können hochgestellt und verriegelt werden – so wie in der Ostkurve auch. „Jeder einzelne Auswärtsblock wird mit Steh-Sitzplatz-Kombinationen ausgestattet. Es ist also jeweils möglich, den Block entsprechend umzurüsten“, erklärt Rehling. Der Umbau sei erforderlich da die Fans in den vergangenen Jahren immer mehr Gewaltbereitschaft zeigten.

Das Sicherheitskonzept rund um das Stadion werde nicht verändert. Heim- und Auswärtsfans werden möglichst strikt voneinander getrennt, sagt Gerdts-Schiffler. Völlig werde das nicht gelingen, meint Rehling. Es sei nicht zu verhindern, dass sich die Fans im Vorfeld träfen. „Wir können nur versuchen, mit vielen Einsatzkräften, die Begegnungen in unmittelbarer Stadionnähe einzuschränken“, sagt er.

Der Umbau ist voraussichtlich am 10. Juli beendet. Das erste Spiel mit neuen Gästeblock wird die Partie gegen den FC Sevilla am Tag der Fans, 25. Juli, sein.

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