Ahlen - Werder Van Lent: "Das ist schon ein sensationelles Spiel"

Bremen. Im DFB-Pokal ist Werder Bremen am Sonnabend bei Rot Weiss Ahlen zu Gast. Für Ahlens Trainer Arie van Lent ist das Spiel gegen seinen Ex-Verein ein Highlight. "Für unsere schwierige Saison in der Liga ist das schon ein sensationelles Spiel", so van Lent.
12.08.2010, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Van Lent:
Von Olaf Dorow

Bremen. Am Sonnabend geht die Saison für Werder richtig los. Das Pokalspiel beim Drittligisten Rot Weiss Ahlen ist für die Bremer das erste Pflichtspiel. Der Ahlener Trainer ist jemand, den man gut kennt in Bremen. Arie van Lent hat in den 1990-er Jahren als Stürmer für Werder gespielt, ehe er nach Mönchengladbach und Frankfurt weiterzog. Es gab also keine Themenarmut für Olaf Dorow, als er mit dem heute 39-jährigen Deutsch-Holländer telefonierte.

Was haben Sie eigentlich als erstes gedacht, als die Pokalrunde ausgelost wurde?

Arie van Lent: Also, ich habe mich sehr gefreut. Ich hab? gedacht: Wow, da freu? ich mich jetzt einfach mal, dass die Bremer kommen. Für mich war das ein sehr schönes Los.

Weil Sie mit Bremen immer noch viel verbinden? Mehr als mit anderen Vereinen?

Ich muss ganz ehrlich sagen: ja. Ich bin doch so lange in Bremen gewesen und jetzt kommt dieses eine Los dazu, das ist sensationell. Die Gedanken nach Bremen sind so, dass ich sage: Ja, das war für mich richtig. Meine Frau habe ich geheiratet in Bremen, meine Schwiegereltern wohnen noch da.

Und was ist rein fußballerisch haften geblieben?

Einige Trainer. Otto Rehhagel, logisch. Und überhaupt das Ganze. Bremen war für mich die erste große Station. Ich war neun Jahre da, ich hab? auch schwere Verletzungen gehabt mit meiner Bandscheibe und so weiter. Aber das ganze Paket Bremen, auch wenn ich in der Bundesliga nicht hundertprozentig zum Einsatz kam, ist für mich wirklich eine sehr schöne Erinnerung.

Sie verschweigen den 9. Mai 1997.

Gehört mit dazu klar. Sie meinen die drei Tore gegen Köln plus noch ein Eigentor von mir (Werder siegte durch van Lents Tore schließlich noch mit 3:2, d. R.)?

Ja, gilt auch heute noch als unerreicht.

War was Einmaliges in der Bundesliga. Klar, bin auch ein bisschen stolz drauf. Und da kann man sich dann auch nachträglich mal über ein Eigentor freuen.

Ihr Kontakt nach Bremen ist nie abgerissen?

Manchmal bin ich noch da, allein schon wegen der Familie. Und manchmal fahr? ich einfach übers Werder-Gelände und gucke, ob ich noch jemand kenne. Ich bin gerne da.

Klaus Allofs könnten Sie noch kennen. Immerhin wurden Sie 1992 mal für ihn eingewechselt.

Also es war mir eine Ehre, mit Klaus Allofs in einer Mannschaft zu stehen. Muss ich ganz ehrlich mal so sagen. Er ist in hohem Fußballalter noch mal nach Bremen gekommen, hat mit uns Pokal, Europapokal und Meisterschaft geholt. Schön, dass ich dabei sein konnte.

Torsten Frings müssen Sie auch noch von damals kennen.

Ja klar, als er zu Werder kam, haben wir beide zusammen bei den Amateuren gespielt. Als Stürmer.

Wer war der bessere Stürmer?

Eindeutig ich (lacht). Aber dann haben sie für Torsten ja doch eine bessere Position gefunden.

Sie hatten dann noch erfolgreiche Jahre in Gladbach oder Frankfurt. War es dann ein nahtloser Übergang ins Trainergeschäft?

Ja, es war das, was ich mir immer gewünscht habe. Ich wollte im Fußball bleiben. Es ging im Grunde direkt weiter, erst in Kleve, jetzt in Ahlen.

Ist es schwerer, einen Trainerjob zu bekommen, als einen guten Profivertrag?

Das weiß ich nicht. Ich sehe das so, dass man als Trainer am besten auch unten anfängt. Das habe ich gemacht mit Kleve. Ich habe eine gewisse Erfahrung gesammelt, und ich versuche das bei Rot-Weiß Ahlen jetzt weiterzuentwickeln. Durch Fleiß und auch durch das nötige Glück. Das braucht man auch da, um vielleicht noch ein bisschen weiterzukommen.

Wird heute in der Branche der Trainerberuf eher als früher als etwas angesehen, das man von der Pike auf lernen muss? Dass es nicht reicht, nur ein guter Spieler gewesen zu sein?

Wenn alle guten Spieler auch gute Trainer wären, dann wäre es einfach. Das ist gut, dass das nicht so ist. Dass es auch Leute gibt, die nicht Nationalspieler waren und trotzdem sehr gute Trainer sind. Aber es ist nicht einfach, da reinzukommen, das stimmt.

Sie haben keinen Masterplan und träumen von erster oder zweiter Liga?

Nein. Die Hoffnung habe ich schon. Aber ich plane das nicht. Ich habe hier meine Aufgabe, darauf konzentriere ich mich, und wenn ich die gut mache, dann geht es vielleicht auch höher.

Welchen Stellenwert hat das Spiel am Sonnabend? Zugabe zur schweren Drittliga-Saison oder Spiel des Jahres?

Na gut, das Spiel des Jahres würde dann die zweite Runde sein. Aber natürlich ist ein Spiel gegen Werder Bremen ein absolutes Highlight. Für unsere schwierige Saison in der Liga - das muss auf jeden Fall so sagen - ist das schon ein sensationelles Spiel.

Können Sie Werder ein bisschen Angst machen? Was wird Werder erwarten?

Wir haben letztens gegen Werder II 1:1 gespielt. Thomas Wolter (Werder-II-Trainer, d. R.) wird da genug Informationen rübergegeben haben. Die werden schon wach sein, aber unsere Leute werden zehn bis zwanzig Prozent drauflegen, wenn Werder Bremen kommt. Für eine Bundesliga-Mannschaft ist es nie einfach gegen einen Drittligisten. Die müssen schon ?was tun, um hier als Sieger vom Platz zu gehen.

Was wird atmosphärisch zu erwarten sein. Ein Hexenkessel?

Dass es hier alles ein bisschen ruhiger zugeht in Ahlen, das weiß man. Aber es werden so 8000 bis 10000 Leute da sein, und ich hoffe, dass jeder von ihnen erstmal auf eine Überraschung hofft.

Gibt es etwas, worauf Sie Ihre Spieler ganz besonders hinweisen.

Nein, jeder kennt die aus dem Fernsehen oder von der WM. Jeder weiß Bescheid, dass das eine Riesenqualität ist, da braucht man gar nicht so viel zu sagen. Dieser kleine Plan, den wir haben, den versuchen wir gut umzusetzen.

Was ist der Plan?

Das Unmögliche möglich zu machen.

Wäre der Plan auch gut umgesetzt, wenn Sie mit, sagen wir mal: nur zwei Toren Differenz verlieren?

Wenn ich sehe, dass meine Mannschaft alles getan hat, dann kann ich damit leben. Gegen Werder Bremen zu verlieren ist keine Schande. Andersherum wäre das wohl eher so.

In einem Pokal-Interview muss man immer noch fragen: Trainieren Sie Elfmeterschießen?

Trainieren wir nicht. So weit wird es nicht kommen.

Weil Sie das schon vorher klarmachen, ja?

Wir müssen es doch vorher klarmachen. Wenn die Bremer es nicht machen, dann müssen wir es eben machen.

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