Im Namen der Hose Warum Lennart Thy vier Tore schoss

Der Ex-Werderaner Lennart Thy hat für den FC St. Pauli vier Tore in einem Spiel geschossen - am Montagabend gegen Düsseldorf. Sein Erfolgsrezept war dabei offenbar die Hose.
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Von Hendrik Buchheister

Lennart Thy stand schon eine Weile in der Interview-Zone, den Spielball unter dem Arm, ein Siegerlächeln im Gesicht. Der einstige Werder-Profi hatte die vier Tore nacherzählt, mit denen er den FC St. Pauli im Alleingang zum 4:0 gegen Fortuna Düsseldorf geschossen hatte, er hatte sich erinnert, dass ihm so viele Treffer in einem Spiel zuletzt in der Jugend gelungen seien und angekündigt, den Ball als Erinnerung mit nach Hause zu nehmen. Thy hatte alles gesagt, was man eben sagt als Vierfach-Torschütze, doch das kurioseste Detail hatte er bis zum Ende seiner Ausführungen aufgespart: die Sache mit der Hose.

Seinen Angaben zufolge hatte ihm St. Paulis Fitnesstrainer vor dem Spiel einen Hinweis gegeben, wie er mit einer kleinen Maßnahme große Wirkung erzielen könne: „Ich hatte meine Hose immer so tief hängen. Er hat gesagt, dass ich sie ein bisschen höher ziehen sollte“, berichtete Thy. Die modische Korrektur machte er dafür verantwortlich, dass seine Laufstil gegen Düsseldorf flüssiger gewirkt hatte. Dass es aussah, als fliege Thy über den Rasen. Ob der Trick tatsächlich Einfluss auf seine Leistung hatte, wird nicht zweifelsfrei zu ermitteln sein. Fakt ist allerdings: beim FC St. Pauli gelingen im Moment die großen Dinge genauso wie die kleinen.

Nach dem klaren Sieg gegen schwache Düsseldorfer ist der Klub Tabellenzweiter, punktgleich mit Spitzenreiter Freiburg. Trainer Ewald Lienen hat aus dem Abstiegskandidaten der Vorsaison ein Team geformt, das sich als Anwärter auf den Bundesliga-Aufstieg in Stellung bringt, auch wenn die Verantwortlichen diese Deutung nicht zulassen. Der Tabellenplatz interessiere ihn nicht, behauptete Lienen: „Dafür können wir uns nichts kaufen.“ Auch Thy hielt sich an die Sprachregelung: „Wir denken von Spiel zu Spiel, damit sind wir bisher gut gefahren.“ Es gab schon überschwänglichere Vierfach-Torschützen.

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Doch wie der FC St. Pauli übt sich auch Thy zu Recht in Bescheidenheit. Seine Saison-Bilanz war bis zum Spiel gegen Düsseldorf durchwachsen, er hatte erst ein Tor geschossen. Die Verpflichtung eines zusätzlichen Stürmers in der Winterpause steht zur Debatte. Mit seinen Toren machte Thy Werbung in eigener Sache: „Ich habe immer an mich geglaubt. Heute war ein perfektes Spiel“, sagte er – wohl wissend, dass das Spiel noch perfekter hätte sein können.

Nach seinen ersten beiden Treffern in der zwölften und 22. Minute hätte Thy den dritten Treffer noch vor der Pause folgen lassen und damit einen Hattrick im klassischen Sinne schaffen können. Nach einer halben Stunde scheiterte er im Eins-gegen-eins an Fortunas Torwart Michael Rensing.

Weil Thy in der zweiten Halbzeit allerdings nachlegte mit seinen Toren in der 69. und 85. Minute, wurde er von den Fans in den Heldenstatus gehoben. „Ti amo“ sang das Publikum nach Schlusspfiff. Beziehungsweise: Thy amo. „So etwas ehrt einen natürlich“, sagte der Besungene, der erst 23 Jahre jung ist aber schon einige Wendungen erlebt hat in seiner Karriere.

Ende 2010 debütierte er bei Werders Profis, doch den Nachweis der Bundesliga-Tauglichkeit blieb er schuldig. Weil er an Claudio Pizarro, Markus Rosenberg und Marko Arnautovic nicht vorbeikam, wechselte er 2012 zum FC St. Pauli. Wenn dieser so weitermacht wie zuletzt, erhält Thy möglicherweise in der kommenden Saison eine neue Chance. In der Bundesliga.

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