Eingefrorene Gehälter bei Werder Wenig reden, nichts sagen

Bremen. Bei Werder Bremen wollen die Verantwortlichen zu den Nachrichten über zum Teil eingefrorene Zahlungen nicht mehr reden. Trainer Thomas Schaaf machte unterdessen noch einmal seinem Unmut über die Länderspielpause Luft. "Unterbrechungen stören immer", so Schaaf.
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Wenig reden, nichts sagen
Von Oliver Matiszick

Bremen. Der Anlass war erfreulich - und doch haftete ihm etwas äußerst Skurriles an. Schuld daran waren die Ereignisse dieser Woche, in der bekannt geworden war, dass Werder aufgrund schlechter Ergebnisse einem Großteil der Spieler nicht das volle Grundgehalt für den September gezahlt, sondern vorerst einbehalten hat (wir berichteten).

Nun wollte es eine lange zuvor getroffene Terminabsprache, dass Per Mertesacker gestern vom Magazin "kicker" als fairster Spieler der vergangenen Saison ausgezeichnet wurde. Dazu gehörten auch 1000 Euro Prämie - die Mertesacker in Form eines überdimensionierten Schecks überreicht wurden. Natürlich war es nur ein Zufall - aber einer, dem an diesem Tag sehr viel Symbolkraft anhaftete.

Gegenreaktion ist theoretisch möglich

Denn die Nachrichten über die in Bremen zum Teil eingefrorenen Zahlungen hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt und dadurch naturgemäß noch an Dynamik gewonnen. Denn theoretisch könnte die Reaktion des Vereins eine Gegenreaktion auslösen, die da lautet: "Rückbehaltungrecht der Arbeit". So nennt es jedenfalls Ulf Baranowsky, der Geschäftsführer der Vereinigung deutscher Vertragsspieler (VdV). Was nichts anderes meint, als dass Spieler, die nicht ihr volles Geld bekommen haben, ihrerseits auf die Idee kommen könnten, Trainingseinheiten oder gar Spiele zu boykottieren.

Der Klärungsbedarf dieser und ähnlicher Gedankenspiele in einer verworrenen Angelegenheit hatte gestern mehr Fernsehteams und Reporter als sonst zum Medientermin vor einem Bundesliga-Spiel zum Weserstadion gezogen - und sie alle wurden enttäuscht.

Denn Werders Linie in der Sache hatte sich - wenig überraschend - gegenüber dem Vortag nicht geändert. Es wurde wenig geredet und dabei noch viel weniger gesagt. "Wir können hier stundenlang, meinetwegen tagelang über sportliche Dinge diskutieren", sagte Klubchef Klaus Allofs, "aber darüber nicht." Seine Verärgerung darüber, dass die brisanten Informationen aus dem Verhältnis zwischen Vereinsführung und Spielern überhaupt den Weg an die Öffentlichkeit und in die Schlagzeilen gefunden hatten, konnte er dabei allerdings nicht verbergen.

"Dazu gibt es nichts zu sagen"

Entsprechend groß war die Bereitschaft der Betroffenen, sich dazu zu äußern: nämlich nicht vorhanden. "Dazu gibt es nichts zu sagen", sagte Abwehrspieler Clemens Fritz also als einziger der (im übrigen natürlich zum Training aufgelaufenen) Werder-Spieler, "es ist doch alles geklärt." Was erstens sein mag, zweitens aber nichts daran ändert, dass der Klub nun bekommen hat, was er nicht wollte: zusätzliche Unruhe in einer Phase, in der die Mannschaft den hohen Erwartungen noch hinterhinkt.

Die aktuelle Länderspielpause ist damit zum doppelten Ärgernis geworden. Denn wenn der Ball in der Bundesliga länger ruht, die Nachrichtenlage entsprechend dünn ist, gewinnen Vorgänge wie jetzt bei Werder automatisch zusätzliche Aufmerksamkeit - und dadurch Gewicht. Und unter sportlichen Gesichtspunkten ist Thomas Schaaf ohnehin noch nie mit den Zwangsunterbrechungen glücklich gewesen. Zwar ermöglichte sie es dieses Mal den zahlreichen verletzten Spielern, sich wieder in Form zu bringen - doch das, sagt der Trainer, war's auch schon an Vorteilen.

"Unser Kader hat sich sicher verbessert"

"Ich bleibe dabei: Unterbrechungen stören immer. Ich hätte gerne in diesen Tagen mit der kompletten Mannschaft trainiert, um die Abläufe hinzubekommen und die Dinge abzustellen, die nicht funktioniert haben", sagt Schaaf. Nun hat er seinen Kader - bis auf die Langzeitverletzten - zwar wieder beisammen, doch Zeit, um ihn auf die Partie gegen den gut in die Saison gestarteten SC Freiburg (morgen, 15.30 Uhr) einzustellen, bleibt ihm nicht. "Ach, ich glaube nicht, dass die Länderspielpause eine große Rolle gespielt hat", beruhigt Torsten Frings, "Clemens Fritz ist wieder da, Claudio Pizarro und ich auch - von daher hat sich unser Kader sicher verbessert."

Und die neuen Störgeräusche im Umfeld? Für sie hat der Mannschaftskapitän ein einfaches Rezept. "Wenn wir am Sonnabend gewinnen", sagt er, "dann ist wieder Ruhe." Gut möglich. Doch auch das, was im umgekehrten Fall passieren könnte, lässt sich nach den Nachrichten dieser Woche leicht ausmalen.

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