Auf Rang zwei der Energie-Tabelle Werder Bremen ist Vizemeister

Werder ist Vizemeister. Sportlich hat es zwar nicht geklappt, doch beim Einsatz erneuerbarer Energien gehören die Bremer zur Bundesliga-Spitze. Das zeigt eine Auswertung des Grünen-Politikers Oliver Krischer.
30.05.2017, 15:01
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Werder Bremen ist Vizemeister
Von Christoph Bähr

Werder ist Vizemeister. Sportlich hat es zwar nicht geklappt, doch beim Einsatz erneuerbarer Energien gehören die Bremer zur Bundesliga-Spitze. Das zeigt eine Auswertung des Grünen-Politikers Oliver Krischer.

Zur Titelverteidigung hat es für Werder nicht ganz gereicht. Aber immerhin hat es mit der Vize-Meisterschaft geklappt. Ist doch auch aller Ehren wert. Nein, hier hat niemand die Bundesliga-Tabelle falsch gelesen. Es geht um die Erneuerbare-Energien-Wertung der 18 deutschen Topklubs. Oliver Krischer, Bundestags-Abgeordneter der Grünen, hat solch eine Öko-Tabelle der Bundesliga zum zweiten Mal erstellt. Bei der Premiere im Jahr 2015 war Werder „Deutscher Meister“, jetzt liegen die Bremer auf Rang zwei hinter der TSG Hoffenheim. „Das war aber sehr knapp“, betont Krischer. „Man könnte sagen, dass die Hoffenheimer nur wegen der besseren Tordifferenz vorne sind. Sie haben zuletzt etwas mehr gemacht als Werder.“

Der Politiker hat sich ein Punktesystem für seine ganz eigene Bundesliga-Tabelle ausgedacht, am meisten bringen Anlagen zur Stromerzeugung am Stadion. Werder kommt auf 20 Zähler, Hoffenheim auf 21. Krischers Daten basieren auf den Selbstauskünften der 18 Bundesligisten, an die vier Fragen zum Einsatz von erneuerbaren Energien und Ökostrom sowie zur Energieeffizienz verschickt wurden.

Die Gesamtbilanz des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen fällt positiv aus: „Alle haben geantwortet und alle Vereine engagieren sich auch in dem Bereich. Selbst Leverkusen und Schalke, die ganz hinten in der Tabelle rangieren, machen etwas. Es gibt dann oft ganz individuelle Gründe dafür, dass nicht mehr passiert, zum Beispiel weil das Stadion nicht dem Klub gehört.“

Die zweitgrößte Anlage der Liga

Werder ist aus Krischers Sicht ein Vorbild, was den Einsatz erneuerbarer Energien angeht. In den vergangenen zwei Jahren habe sich bei den Bremern zwar kaum etwas geändert, „aber sie waren eben von vornherein sehr gut.“ Das Weserstadion ist seit 2009 mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet, die in die Fassade und das Dach integriert wurde. Laut Krischer ist es die zweitgrößte Anlage der Bundesliga mit einer Produktion von rund 800.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Deshalb setzte er Werder auf den zweiten Platz seiner Öko-Wertung, obwohl Borussia Dortmund ebenfalls 20 Punkte sammelte.

Trotz des Photovoltaik-Mantels am Stadion steht Werder allerdings immer mal wieder in der Kritik, weil seit dem Stadionumbau 2009 der Stadionrasen beleuchtet werden muss, um besser zu wachsen. Das wiederum kostet Strom - anfangs in etwa so viel, wie die Stadionhülle produzierte. Zwar fragte Krischer bei den Bundesliga-Klubs auch den Anteil der eigenen Energie-Anlagen am gesamten Stromverbrauch ab, doch er erhielt darauf kaum Antworten. „Viele kennen ihren Gesamtverbrauch gar nicht. Das wundert mich, das sollte man wissen“, sagt er.

Die Motive der Vereine, auf erneuerbare Energien zu setzen, seien ohnehin schwer einzuschätzen, findet Krischer. „Natürlich kann sich das wirtschaftlich rechnen, und es geht auch ums Image. Aber wichtig ist doch in erster Linie, dass sie etwas tun.“ Aus Sicht des Grünen-Politikers hinterlässt Werder einen „guten Eindruck, was die Gesamtperformance angeht“. Zusätzlich zu den Photovoltaik-Elementen seien eine Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung im Weserstadion und 100 Prozent Ökostrom-Versorgung positiv zu erwähnen.

Elektro-Autos im Fuhrpark?

Bei der Stromerzeugung könne Werder kaum noch mehr machen, sagt Krischer. „Da ist eben irgendwann die Grenze erreicht.“ Trotzdem gebe es auch in Bremen noch Steigerungspotenzial. „Einige Vereine wollen ihre Fuhrparks zum Beispiel auf Elektro-Autos umrüsten. Das könnte für Werder ebenfalls interessant sein.“

Der Bundestagsabgeordnete hofft aber vor allem, dass die Klubs, die in seiner Rangliste schlecht abschneiden, angespornt werden. "Wir wollen sie motivieren. Deshalb gibt es auch die Tabelle. Fußball ohne Ranglisten wäre schließlich langweilig." Für ihn haben die Profi-Vereine beim Umweltschutz eine Vorbild-Funktion. „Durch sie lässt sich eine Öffentlichkeit für das Thema schaffen“, sagt der Politiker. „Die Stadien bieten große Flächen. Da ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, diese auch für die Stromerzeugung zu nutzen.“

Krischer selbst ist als Rheinländer übrigens Anhänger des 1. FC Köln, der auf Rang sechs seiner Tabelle liegt. „Es war natürlich meine Sorge, dass der FC schlecht dastehen könnte, aber das ist nicht der Fall. Er tut was, auch wenn es noch Luft nach oben gibt.“ Enttäuscht ist Krischer dagegen von Bayer Leverkusen, dem Vorletzten. „Dort ist wenig passiert im Vergleich zu 2015. Dabei hätte Bayer die Struktur und die Möglichkeiten, um mehr zu machen.“

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