Werder Bremen Baumann warnt nach dem Desaster in Darmstadt

"Behäbig. Pomadig." Mit diesen Worten umreißt Sportchef Frank Baumann die Vorstellung des SV Werder beim 0:3 in Darmstadt. Und Baumann warnt.
17.10.2021, 22:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Auf die Tabelle mochte bei Werder nach dem 0:3 (0:1) gegen den SV Darmstadt 98 wirklich keiner gucken. Es ist ja auch bitter, den Bundesliga-Absteiger mit dem Kader eines potenziellen Aufsteigers nur auf Platz zehn stehen zu sehen – acht Punkte entfernt von Tabellenführer St. Pauli und fünf vom Relegationsplatz, den aktuell der FC Schalke einnimmt.

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Noch mehr schmerzte aber dieser gerade in der ersten Hälfte so herzlose Auftritt. „Da waren wir sehr behäbig und pomadig“, ärgerte sich Sportchef Frank Baumann. Ähnliches hatte er schon bei den Pleiten gegen den SC Paderborn (1:4) und in Dresden (0:3) erlebt. Lerneffekt? Null! „Das müssen wir schnellstmöglich ändern. Sonst wird es eine Saison, in der wir wieder unsere Ziele nicht erreichen“, warnte Baumann und kritisierte: „Wir haben jetzt schon zu viele Punkte hergeschenkt und hatten zu viele Spiele, in denen die Leistung nicht stimmte.“

Ducksch bekommt wenig Bälle

Werder war mal wieder sehr zurückhaltend ins Spiel gegangen. Auf den Rängen im ausverkauften Merck-Stadion am Böllenfalltor, das gerade umgebaut wird, wunderten sich die 16.000 Zuschauer. Sie hatten in diesem Highlight-Spiel gegen ein Bundesliga-Urgestein einen dominanten Gegner erwartet, zumal dessen Trainer auch noch Markus Anfang heißt. Der hatte vergangene Saison mit Darmstadt einen ansprechenden Offensiv-Fußball gezeigt. „In der ersten Halbzeit habe ich mich oft abgedreht und gedacht: ,Mensch, Jungs! Spielt doch mal nach vorne!‘ Da gab es so viele Räume, da hätten wir ganz viel Druck machen können. Aber wir haben den Ball zurückgespielt. Da hat mir die Überzeugung gefehlt, Torchancen zu kreieren“, haderte der Coach und wunderte sich ebenfalls. Denn der Plan sei ein ganz anderer gewesen.

Doch statt mit Mut agierten die Gäste mit Angst. „Wir wollten die Tugenden auf den Platz bringen. Herz, Leidenschaft, Wille. Doch davon hat uns heute einiges gefehlt. So kann man in der zweiten Liga keine Spiele gewinnen“, urteilte Marvin Ducksch. Der Mittelstürmer hatte ganz vorne kaum Bälle bekommen und die wenig guten auch nicht festmachen können. Fehler über Fehler prägten das Bremer Spiel. Mal sprang der Ball zu weit weg, dann wurde die Kugel unbedrängt zum Gegner gespielt. Weil Darmstadt zeitweise ähnlich schwach agierte, war es ein gruseliges Spiel. Allerdings: Die Darmstädter probierten wenigstens etwas nach vorne, wollten Torchancen erzwingen und nicht wie die Gäste darauf warten, dass ihnen der liebe Fußballgott einen Elfmeter oder sonst irgendetwas schenkt. Doch Glück muss sich verdient werden. So probierten es die „Lilien“ kurz vor der Pause wieder mit einem langen Ball, den Lars Lukas Mai zwar per Kopf abwehrte, doch genau vor die Füße von Fabian Holland, der völlig unbedrängt abziehen durfte. Ein Sonntagsschuss! 1:0 für Darmstadt, und das war absolut verdient.

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„Du kannst es dir nicht erlauben, so ins Spiel zu gehen und zu schauen, was da kommt“, monierte Anfang den Auftritt seines Teams. Die zweite Hälfte fand er dann aber besser. Und in der Tat: Die Wechsel auf den Außenbahnen, Romano Schmid und Felix Agu kamen für die ganz schwachen Mitchell Weiser und Eren Dinkci, taten dem Bremer Spiel gut. Schmid hatte das 1:1 auf dem Schlappen, scheiterte aber an Keeper Marcel Schuhen (59.). Und just in dem Moment, als Anfang in Niclas Füllkrug einen zweiten Mittelstürmer neben Ducksch gebracht hatte, leistete sich Nicolai Rapp hinten einen kapitalen Fehlpass. Luca Pfeiffer bedankte sich mit dem 2:0 (65.) und ließ nur sechs Minuten später das 3:0 folgen. Die Bremer Abwehr hatte bei einem langen Freistoß gepennt.

„Aktuell kein Spitzenteam“

Immerhin gab sich Werder nicht auf, Ducksch hatte auch noch eine Topchance (74.), doch Anfang stellte schon ganz richtig fest: „Das war alles nicht zwingend genug.“ Und das ist auch nichts Neues: In den vergangenen vier Spielen hat der Absteiger nur beim 3:0 gegen Heidenheim Tore geschossen. So geht es nicht ins anvisierte obere Tabellendrittel, so reicht es nach zehn Spieltagen nicht einmal für die erste Hälfte. „Wir wollten, dass so etwas wie in Dresden nicht mehr vorkommt und waren heute noch schlechter. Wir sind aktuell kein Spitzenteam, denn sonst würde uns so etwas wie heute nicht passieren“, meinte Rapp. Kein Widerspruch!

Trainer Markus Anfang fühlte sich derweil bei allem Frust in seiner Einschätzung bestätigt: „Wir haben gesagt, dass wir etwas aufbauen müssen – und das Spiel heute hat das auch gezeigt.“ Der nächste Bauabschnitt steht am Sonntag in Sandhausen an. In der aktuellen Verfassung droht Werder der nächste Volltreffer mit der Abrissbirne.

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