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Einschätzung zum Selke-Wechsel (1)
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Warum lässt Werder das zu?

Marc Hagedorn 02.04.2015 38 Kommentare

Das kann doch wohl nicht wahr sein! Da ist Werder gerade dabei, wieder etwas aufzubauen, sein Profil zu schärfen als sympathischer, dynamischer Klub, bei dem sich junge Spieler perfekt entwickeln können – und dann gibt dieser Klub einen seiner jungen, sympathischen, dynamischen Spieler einfach ab.

Es herrschte Klärungsbedarf: Werder-Sportchef Thomas Eichin erklärte am Mittwoch den überraschenden Transfer von Davie Selke.
Es herrschte Klärungsbedarf: Werder-Sportchef Thomas Eichin erklärte am Mittwoch den überraschenden Transfer von Davie Selke. (nordphoto)
Über den Wechsel von Davie Selke zu RB Leipzig kann man nur den Kopf schütteln. Warum lässt Werder das zu? Warum macht der Spieler das?

Davie Selke hat hier erst vor wenigen Monaten einen langfristigen und sehr ordentlich dotierten Vertrag unterschrieben. Er spielt gerade mal seine erste richtige Bundesliga-Saison und hat trotzdem schon sechs Tore geschossen. Die Leute mögen ihn. Er ist Stammspieler und wäre es mit ziemlicher Sicherheit auch noch nächstes und übernächstes Jahr gewesen. An seiner Seite stürmt Franco Di Santo, ein Mann, mit dem er sich gut ergänzt und von dem er noch sehr viel hätte lernen können.

Davie Selke hätte ein Gesicht von Werder werden können. Er hat hier einen Trainer, Viktor Skripnik, der ihm vertraut, der ihm Großes zutraut, der ihn fordert und fördert. Leipzig dagegen hat für die nächste Saison noch nicht einmal einen Trainer.

In Bremen hat sich Davie Selke in Windeseile vom A-Jugend-Spieler zur größten deutschen Stürmerhoffnung seines Jahrgangs entwickelt. Seine Gegner heißen Bayern München, Borussia Dortmund, Schalke 04 und HSV. Nächstes Jahr muss er in Sandhausen, Heidenheim und Frankfurt spielen, aber gegen den FSV, nicht gegen die Eintracht. Jetzt geht er weg, das ist sein gutes Recht. Er verdient in Leipzig mehr Geld als in Bremen. Auch das ist okay. Man darf ihn deshalb jedenfalls noch lange nicht bepöbeln, wie das jetzt im Internet an mancher Stelle passiert. Aber man darf von ihm enttäuscht sein.

Genauso wie von Werder. Es ist keine sechs Monate her, da lag hier gefühlt alles in Trümmern. Kein Sieg, letzter Platz, Trainer weg – Werder schien auf dem Highway in die Hölle namens zweite Liga zu sein.

Davie Selke wechselt zu RB Leipzig - ist das ein guter Transfer für Werder Bremen?
70.1% (4789 Stimmen)
Ja, wirtschaftlich ist das gut und richtig!
29.9% (2041 Stimmen)
Nein, sportlich ist er zu wichtig!
Seitdem aber ist so viel Gutes passiert. Werder erfreut inzwischen wieder das Herz. Und jetzt das. Der Wechsel des Toptalents Selke sendet ein verheerendes Signal, weil er Zweifel sät: Entsteht bei Werder tatsächlich wieder etwas? Etwas, das Perspektive hat und von Dauer ist? Oder erleben wir gerade das, was Sportdirektor Thomas Eichin meint, wenn er vom Prinzip „Mehrwertspieler“ spricht? Also Spieler jung und billig holen und bei erstbester Gelegenheit für gutes Geld verkaufen? Geht es am Ende doch nur darum, dass die Bilanzen stimmen? Oder, noch bedenklicher: Braucht Werder das Geld so dringend, dass sportliche Aspekte erst an zweiter Stelle kommen?

Der Traum von der Rückkehr in die obere Hälfte der Bundesliga und vielleicht sogar ins internationale Geschäft hat jedenfalls einen herben Dämpfer erlitten. Man mag sich gar nicht vorstellen, dass jetzt auch noch Franco Di Santo geht. Diese Gefahr ist real: Werders bester Torjäger hat längst die Aufmerksamkeit von Klubs erregt, die im Sommer viele Millionen für ihn zahlen würden, so wie es gerade Leipzig für Selke getan hat. Geht dann tatsächlich auch Di Santo noch, dann gute Nacht!

>> Sie sind da ganz anderer Meinung? Dann lesen Sie hier, wie Andreas Lesch den Selke-Wechsel einschätzt


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