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1:2 im Nordderby
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Werder kann sich nicht aus Tabellen-Keller befreien

Olaf Dorow und Marc Hagedorn 22.04.2016 38 Kommentare

Zweikampf zwischen Hamburgs Michael Gregeritsch (l.) und Werder-Kapitän Clemens Fritz.
Zweikampf zwischen Hamburgs Michael Gregeritsch (l.) und Werder-Kapitän Clemens Fritz. (dpa)

Nach 36 Minuten tat es aus Bremer Sicht zum dritten Mal an diesem Abend richtig weh. Da nämlich stimmten die HSV-Fans ein Liedchen an, und der Text ging so: „Zweite Liga, Bremen ist dabei“. Werder in der zweiten Liga – soweit ist es natürlich noch nicht. Aber das Nordderby hat die Bremer Sorgen noch einmal vergrößert. Denn bevor die Hamburger Anhänger ihren Schmähgesang anstimmen konnten, hatten sie zweimal auch schon jubeln dürfen. 2:0 führte der HSV zu diesem Zeitpunkt.

Doch wenn es eine Lehre aus dieser so wechselhaften Werder-Saison gibt, dann diese: Man darf Werder nie ganz abschreiben. Zwar sah es zunächst so aus, als solle an diesem Abend rein gar nichts mehr bei Werder zusammenlaufen, nachdem Claudio Pizarro zum ersten Mal überhaupt auch noch einen Elfmeter für Werder verschossen hatte (56.). Doch dann verkürzte der eingewechselte Anthony Ujah im Nachsetzen auf 1:2 (65.). Der zuletzt so glücklose Werder-Stürmer leitete damit eine starke Bremer Schlussoffensive ein, auf die man lange hatte warten müssen – und die am Ende unbelohnt blieb. Auch weil Pizarro in der vierten Minute der Nachspielzeit haarscharf neben das HSV-Tor köpfte.

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„Wir haben genug Chancen gehabt, um das Ergebnis zu korrigieren“, sagte Thomas Eichin, „wir haben in der zweiten Halbzeit alles reingeworfen.“ Werders Geschäftsführer sprach von einer „unglücklichen Niederlage“. Und Kapitän Clemens Fritz sagte: „Es war viel, viel mehr drin. Der HSV war verunsichert.“ Man habe doch gesehen, so Werder-Torwart Felix Wiedwald, wie dem HSV „die Beine gezittert haben“.

Dass es trotzdem zum HSV-Sieg reichte, lag daran, dass einer doppelt getroffen hatte, dem lange Zeit kein Tor mehr geglückt war: Pierre-Michel Lasogga hieß der Mann, der Werders Abstiegssorgen noch ein bisschen größer gemacht hat. 667 Minuten, also mehr als elf Stunden lang, war der bullige Angreifer des Hamburger SV zuletzt ohne Treffer geblieben. Gegen Werdernun traf er gleich zweimal – und die Bremer hatten es ihm einfach gemacht.

Beide Treffer fielen nach demselben Muster. Beim Hamburger 1:0 hatte Linksverteidiger Santiago Garcia seine Position nicht gehalten, weshalb Innenverteidiger Papy Djilobodji aus dem Zentrum auf den Flügel ausweichen musste, und dort stellte sich die Leihgabe des FC Chelsea ziemlich stümperhaft an. Djilobodji ließ Nicolai Müller vorbeiziehen, der auf diese Weise völlig freie Bahn hatte. Den anschließenden Querpass konnte Lasogga ungehindert über die Linie drücken (5.).

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Beim 2:0 war es ganz ähnlich, nur die Seite war eine andere. Diesmal fehlte Verteidiger Theo Gebre Selassie hinten rechts, diesmal ließ sich Jannik Vestergaard aus dem Zentrum locken, und wie zuvor Djilobodji, stellte sich auch Vestergaard im direkten Duell ungeschickt an – Vestergaard ließ den flinken Matthias Ostrzolek ungehindert ziehen. Eine Hereingabe später lag der Ball wieder im Werder-Tor, weil Djilobodji den Raum und nicht den Torschützen Lasogga gedeckt hatte (32.). Der ehemalige HSV- und Werder-Torwart Frank Rost empfahl in seiner Halbzeitanalyse für den TV-Sender „Sky“ beide Tore als ideale Beiträge für „ein Lehrvideo für schlechte Abwehrarbeit“. Wiedwald, Werders aktuelle Nummer eins, sagte: „Wir produzieren zu viele individuelle Fehler.“ Was war nur mit Werder in der ersten Halbzeit los gewesen? Die Bremer wähnten sich nach ihren guten Leistungen gegen Wolfsburg und die Bayern doch ganz klar im Aufwind. Der HSV dagegen, so besagte es die Statistik und die gefühlte Stimmung, galt als ein Team im Sinkflug, vier der letzten fünf Bundesliga-Spiele hatten die Hamburger verloren. Auf dem Platz allerdings stellte sich das Geschehen zunächst ganz anders da, da führte der HSV nach 32 Minuten schon mit 2:0.

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Obwohl Viktor Skripnik seine Startelf im Vergleich zum Bayern-Spiel nur auf einer Position geändert hatte – für Janek Sternberg kehrte Santiago Garcia als Linksverteidiger zurück –, schienen lange Zeit andere Spieler in den grünen Trikots zu stecken. Werder wirkte längst nicht so griffig und bissig wie zuletzt in der Liga und im Pokal. Im Pass-Spiel offenbarten die Bremer große Schwächen, selten einmal lief der Ball über mehr als zwei, drei Stationen.

Immerhin erspielte sich Werder nach und nach Chancen: Allerdings trafen die Bremer selbst dann nicht ins Tor, als sie in gute Schussposition kamen – wie Florian Grillitsch (24.), Fritz (40.) und Fin Bartels (45.+3) sowie schließlich Pizarro. Eigentlich war in der 56. Minute alles zum Jubeln gerichtet: Es gab Elfmeter für Werder, weil Johan Djourou Claudio Pizarro gelegt hatte. Und nun lief Pizarro, Werders Rekordtorjäger und bester Elfmeterschütze an – und schoss so schwach, dass HSV-Torwart Jaroslav Drobny ihn sogar festhalten konnte. „Wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, die ersten 20, 25 Minuten komplett verschlafen zu haben“, sagte Fritz. Und als sie dann wach waren, reichte die Zeit nicht, um aus dem 0:2-Rückstand noch etwas Zählbares zu machen.


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