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Werders Trainingslager-Pannen
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Als Andreas Herzog plötzlich verschollen war

Malte Bürger 03.01.2019 0 Kommentare

(Jochen Stoss)

2018

Die bis dato jüngste Panne ist gerade einmal einen Winter her. Werder residierte zur Vorbereitung auf die Rückrunde im spanischen Algorfa und bereitete sich mit viel Akribie unter der iberischen Sonne auf das vor, was da im weiteren Verlauf der Saison noch kommen sollte. Ganz so genau nahm es der Busfahrer der Mannschaft allerdings nicht. Als es am letzten Tag des Trainingslagers in Richtung Flughafen nach Alicante gehen sollte, ging der Blick der warteten Journalisten und mehrerer Werder-Mitarbeiter immer wieder in Richtung Uhr. Es wurde telefoniert und auf die Abflugtafel gestarrt. Doch die Bremer Delegation kam einfach nicht.

Der Grund: Der Busfahrer hatte nicht den Weg nach Alicante angesteuert, sondern war in die entgegengesetzte Richtung nach Murcia gefahren. Knapp 80 Kilometer trennen die beiden Städte. Glücklicherweise fiel der Fauxpas rechtzeitig auf, der Mann am Steuer drückte fortan mächtig aufs Gaspedal. Trotz des Umweges schafften es alle Profis doch noch rechtzeitig in den Billigflieger – auch weil dieser Verspätung hatte. „Aber es hätte auch so noch für uns gereicht“, sagte Sportchef Frank Baumann damals.

2016

Für Mario Baric ging es hoch hinaus. Gut, für den Video-Analysten ist das kein unbekanntes Gefühl, häufig beobachtet und filmt er das Bremer Geschehen aus der Vogelperspektive. So auch 2016 in Herzlake, als er von einem Kran aus seiner Arbeit nachging. Doch Baric musste noch etwas länger bleiben. Als die Spieler längst den Platz wieder verlassen hatten, streikte die Technik des Krans. Erst nach einer weiteren halben Stunde kam die Rettung, per Hand-Hydraulik wurde der Arm des Gefährts wieder abgesenkt – und somit auch Mario Baric aus seiner „Gefangenschaft“ in knapp zehn Metern Höhe befreit. Der Analyst ließ sich die gute Laune aber nicht verderben: „So hoch war das doch gar nicht“, scherzte er.

2014

Kein Sommer, in dem nicht irgendeine kuriose Geschichte durch die Gazetten geistert, in der darüber berichtet wird, wie Familienmitglieder völlig unerwartet an Autobahnraststätten vergessen wurden. Ein kurzer Blick nach hinten sorgte dann exakt 562 Kilometer später auch beim Fahrer für Gewissheit, dass komischerweise ein Platz mehr frei war als vorher. Soll alles schon vorgekommen sein – ohne Absicht natürlich. Bei Werder wurde einst Marnon Busch vergessen, im Sommer 2014 startete der Bus in Zell am Ziller ohne ihn. Der damalige U23-Akteur war den Verantwortlichen wohl irgendwie durchgerutscht, weshalb Busch flugs per Sondereskorte dem Rest des Teams hinterherjagte. Mit gutem Ende: Gemeinsam mit der gesamten Mannschaft bestieg Busch am Flughafen den Flieger nach Hause.

2012

Manchmal glaubt man ja, dass man eigentlich schon alles gesehen hat. Und dann kommt plötzlich doch eine neue Kuiosität daher. Oder eben ein Trainingslager im türkischen Belek. Als Werder dort nämlich im Winter 2012 schuftete, wurde es skurril. In einem Testspiel gegen den niederländischen Erstligisten stand es 2:1 für die Bremer, als die Nachspielzeit anbrach. Und einfach nicht mehr enden wollte. Schiedsrichter Raicho Raichev aus Bulgarien pfiff einfach nicht ab. Nicht nach drei Minuten, schon gar nicht nach fünf Minuten. Der Unmut an der Seitenlinie wurde immer größer, selbst die Verantwortlichen aus Alkmaar waren mit ihrer Geduld am Ende – obwohl noch der Ausgleich hätte fallen können.

Nach geschlagenen 100 Minuten hatte der Unparteiische ein Einsehen und beendete die Partie. „Ich weiß nicht, ob er bis zum Frühstück durchgehalten hätte“, gab Werder-Coach Thomas Schaaf damals süffisant zu Protokoll. Doch damit war die Angelegenheit noch nicht beendet, eigentlich begann sie jetzt erst so richtig. Raicho Raichev war nämlich gar nicht Raicho Raichev. Stattdessen leitete Luchezar Yonov die Begegnung. Der war ebenso wie einige Kollegen eigentlich gesperrt – weil der Verdacht der Spielmanipulation bestand und er zudem ohne Erlaubnis in Südamerika im Einsatz gewesen war. Nun hatte er sich kurzerhand die Identität seines Landsmann geborgt, um doch pfeifen zu können. Das Endergebnis gefiel ihm wohl nicht so ganz. Der echte Raicho Raichev saß übrigens derweil verletzt in der Heimat und war entsetzt, als er später von dem Vorfall erfuhr.

2005

Dass sich auch dieser Zwischenfall in Belek abspielte, ist nicht außergewöhnlich, schließlich reiste Werder jahrelang im Winter in die Türkei. Da lässt allein die Logik der Wahrscheinlichkeitsrechnung mehrere Lappalien zu. Wobei: Eine Lappalie war es beim besten Willen nicht, was im Januar 2005 geschah. Als amtierender Meister zeigte Werder eine eher maue Vorbereitung, in vier Testpartien hatte es ein Torverhältnis von 9:15 Treffern gegeben. Das schlug allein schon aufs Gemüt, allerdings schlug parallel auch Johan Micoud über die Stränge.

Der Franzose zoffte sich mit Fabian Ernst während einer Einheit und ließ sich während einer körperlichen Auseinandersetzung zu einem Kopfstoß hinreißen. Mittelfeldkollege Ernst trug eine ordentliche Platzwunde davon. Der Verein spielte die Aktion in der Folge herunter, die beiden Streithähne versuchten mehr oder weniger erfolgreich ein gutes Verhältnis in der Öffentlichkeit zu demonstrieren. Einige Monate später trennten sich ihre Wege aber ohnehin, Fabian Ernst hatte bereits vor der Rauferei seinen Wechsel zum FC Schalke 04 eingefädelt.

1999

Bei Werder kriselte es im Winter 1999 gewaltig, der Abstieg in die Zweitklassigkeit drohte. Im Trainingslager in Herzlake, liebevoll auch immer wieder „Schmerzlake“ genannt, wollte Kapitän Andreas Herzog deshalb ein Zeichen setzen. Der Österreicher stürmte bei einem gemeinschaftlichen Waldlauf an die Spitze der Gruppe und wollte sie durch die Einheit führen. Aber es gab da ja noch Felix Magath, der zu diesem Zeitpunkt noch Coach der Bremer war. Den Spitznamen „Quälix“ trägt dieser bekanntlich nicht ohne Grund und so fiel der Lauf letztlich deutlich länger aus, als es vor allem Andreas Herzog erwartet hatte.

Nach einer knappen Stunde drosselte der Mittelfeldspieler bewusst das Tempo – und ging gemeinsam mit Ailton irgendwann zwischen den Bäumen verloren. Beide verirrten sich hoffnungslos. „Ich galt als verschollen“, erklärte Herzog später einmal in einem Interview. Erst nach weiteren anderthalb Stunden schaffte es das Duo völlig ausgelaugt doch noch zurück ins Teamhotel.

Ob es 2019 beim Werder-Trainingslager in Johannesburg zu ähnlichen Pannen kommt, bleibt abzuwarten...


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Bremen ohne Werder - das ist unvorstellbar! Und das Profiteam, das in der Bundesliga um Punkte und Tore kämpft, ist das Herzstück des Vereins. Auf dieser Seite gibt es News, Fotos und Videos rund um die Werder-Profis.