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Baumann: „Kann sein, dass es länger dauert“

Jean-Julien Beer 24.06.2019 4 Kommentare

(nordphoto)

Klingeling am Osterdeich: Bei Werder wurde die letzte Urlaubswoche eingeläutet. Im Laufe der nächsten Tage reisen die Profis aus allen sonnigen Ecken der Welt zurück ins ebenfalls sehr warme Bremen, um beim offiziellen Trainingsauftakt am 28. Juni am Weserstadion wieder ihre Arbeit aufzunehmen. Nur die Nationalspieler und die Teilnehmer an der U21-EM werden noch fehlen. Stand jetzt ist Niclas Füllkrug am Freitag der einzige Neuzugang, der sich das Trainingsshirt mit der Raute anzieht.

Der Rückkehrer aus Hannover, für etwas mehr als sechs Millionen Euro vom Absteiger verpflichtet, ist bisher Werders Königstransfer – in vielerlei Hinsicht. Keiner war teurer, denn der zweite „Transfer“ Marco Friedl, den Werder nach seiner Leihe nun für drei Jahre fest vom FC Bayern verpflichtete, kostete nur rund zwei Millionen Euro. Und auf keinem Spieler lasten größere Erwartungen. Wenn seine Knie nach drei Knorpelschäden halten – und das hoffen alle bei Werder – dann soll vor allem Füllkrug im Strafraum die Tore schießen, die Werder nach dem ablösefreien Verlust von Kapitän Max Kruse fehlen.  

Kohfeldt hofft auf Füllkrug

Wenn dieser Plan aufgeht, sieht Trainer Florian Kohfeldt in Füllkrug nicht nur einen potenziellen Sieggaranten in vielen Bremer Partien. Er verbindet mit dem torgefährlichen Stürmer auch die Phantasie, dass dieser seinen Marktwert an der Weser wieder deutlich erhöhen könnte. „Im positivsten Sinne ist es ein typischer Werder-Transfer“, erklärte Trainer Florian Kohfeldt vor seinem Urlaub im Interview mit Mein Werder, „wir haben einen Spieler, der nachweislich einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet hätte, für gutes Geld bekommen. Wenn er gesund bleibt – und das wird er –, dann gewinnen wir einen Spieler dazu, der im letzten Jahr ans Tor zur Nationalmannschaft geklopft hat und trotzdem noch entwicklungsfähig ist. Ich sehe da viel eher die Chance. Ganz ohne Risiko bekommen wir solch einen Spielertyp eben nicht.“

Dass Werder bis zum Trainingsstart am Freitag noch einen weiteren Spieler verpflichtet, ist eher nicht zu erwarten. „Es ist nicht komplett auszuschließen, dass bis dahin noch ein neuer Spieler kommt, es kann aber durchaus sein, dass es länger dauert“, sagte Sportchef Frank Baumann am Wochenende zu Mein Werder. Vor allem hoffen die Bremer Macher auf eine positive Entscheidung von Wunschkandidat Marko Grujic. Der 1,90 große Mittelfeldspieler war vergangene Saison vom FC Liverpool an Hertha BSC verliehen und würde dort gerne eine weitere Saison bleiben. Trainer Jürgen Klopp riet ihm aber zu einem Wechsel auf Leihbasis nach Bremen, weil Kohfeldts offensiver Fußball dem Stil des Champions-League-Siegers viel ähnlicher ist.

Grujic würde dem Team helfen

Einen Spieler wie Grujic, der aus einer tieferen Zone für Kreativität sorgen und der Mannschaft mit seiner Größe bei Standardsituationen sehr helfen könnte, genießt für Werders sportliche Leitung in diesem Transfersommer weiterhin Priorität. Klar ist aber auch: Ein Schnäppchen wäre Grujic nicht. Allein die Leihgebühr bei einem solchen Spieler beträgt marktüblich rund drei Millionen Euro, hinzu kommen mindestens große Teile des Gehalts für eine Saison.

Das erklärt, warum Werder beim zweiten Wunschkandidaten, dem österreichischen Nationalspieler Michael Gregoritsch vom FC Augsburg, auf Zeit spielt. Der schnelle Stürmer ist wie gemacht für den Kohfeldtschen Fußball, mit ihm in der Offensive hätte Werder im Angriff neben Milot Rashica eine zweite Waffe, die durch Läufe in die Tiefe Räume und Chancen schafft und die für jeden Gegner schwer zu verteidigen ist.

Poker um Gregoritsch geht weiter

Aber: Gerade im Sturm herrscht bei Werder eher ein Überangebot. Neben Füllkrug und Rashica warten hier Martin Harnik, Johannes Eggestein, Josh Sargent, Fin Bartels und Claudio Pizarro auf Einsätze; auch Yuya Oasko leistete hier schon wertvolle Dienste. Gemessen am Gedränge im Bremer Angriff ist die Ablöseforderung des Augsburger Managers Stefan Reuter für Gregoritsch immer noch hoch, auch wenn inzwischen bekannt ist, dass die 15-Millionen-Forderung mangels Aussicht auf Erfolg schrumpfte, auf einen hohen einstelligen Millionenbetrag. Das ist schon viel weniger, aber immer noch zu viel für Werder – zumal für eine Position im Kader, die nicht zwingend bestückt werden muss.

Baumann: Es geht nicht alles

Der Poker um Gregoritsch geht also weiter – wobei Baumann nicht im Verdacht steht, sich dabei schnell aus der Ruhe bringen zu lassen. Ohne den Namen Gregoritsch zu bestätigen, meint Werders Sportchef mit Blick auf zu hohe Ablöseforderungen: „Es gibt auch immer mal Dinge, die nicht umgesetzt werden können. Wir haben bisher keine Riesensummen auf dem Transfermarkt eingenommen, aber für die Verpflichtungen von Niclas Füllkrug und Marco Friedl bereits Geld ausgegeben. Wir haben nicht die finanziellen Möglichkeiten wie manch anderer Klub. Deshalb müssen wir weiterhin auf dem Transfermarkt sehr geschickt agieren.“

Klar, ein Verkauf eines Werderspielers wie Milos Veljkovic für einen zweistelligen Milllionenbetrag könnte Baumanns Spielraum schlagartig verändern, so wie im Vorjahr erst der Transfer von Leistungsträger Thomas Delaney zu Borussia Dortmund eine Verpflichtung von Davy Klaassen ermöglichte. Aus heutiger Sicht ein sehr guter Deal. Doch Baumann betont, dass er in diesem Sommer nicht auf einen solchen Domino-Effekt setzt. „Es ist alles ruhig, es gibt kein Angebot für einen unserer Stammspieler“, sagt Werders Sportchef, „und wir warten auch nicht auf solche Angebote, weil wir unsere Stammspieler behalten möchten.“ Denn das wäre natürlich die Basis, um die bereits gute Mannschaft besser machen zu können. Doch nach Kruses Abgang ist auch klar: Besser als im Vorjahr ist das Team noch nicht.


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