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„Bremer Bankgeschäfte“

(mw) 13.05.2019 0 Kommentare

(Weser-Kurier Archiv)

Am 14. Mai 2014 schrieb der WESER-KURIER:

Die Chance besteht jetzt. Noch ist Mehmet Ekici Bremer, noch läuft sein Vertrag ein Jahr, noch könnte Werder den Spieler verkaufen und einen Transfererlös einstreichen. „Ich denke schon, dass Werder die Möglichkeit nutzen will, noch ein bisschen Ablöse zu bekommen.“ Da denkt Ekici richtig. Nicht nur, weil Werder will. Sondern weil Werder muss. Werder braucht das Geld. Der türkische Ex-Nationalspieler hat immer seinen Wert für den Bremer Bundesligisten, aber er sitzt nur auf der Bank. Prinzipiell sind Werte auf einer Bank ja gut aufgehoben. Ekici aber ist nun mal Fußball-Profi und wirft auf der Ersatzbank folglich keinen Zins ab, seine Ablöse hingegen könnte den stetigen Schwund des Bremer Eigenkapitals auf dem Bankkonto bremsen.

Denn die wirtschaftlichen Zahlen der Fußballfirma Werder werden weiterhin mit rotem Stift geschrieben, das Vermögen schmilzt dahin wie in den Alpen die Gletscher. Von den stolzen 38,3 Millionen Euro im Jahr 2011 waren 24 Monate später nur noch 16,5 Millionen übrig. Und 36 Monate später, also in diesem Sommer? Möglicherweise nur noch die Hälfte des Restbetrages aus 2013. Das spekulieren zumindest verschiedene
Medien. Sieben, acht Millionen Euro blieben dann noch übrig. Ein Polster ist das nicht mehr, vor allem dann nicht, wenn noch ein weiteres, viertes schlechtes Jahr dazukommt. Klaus Filbry will das kolportierte Minus,
das für das Geschäftsjahr 2013/14 drohen soll, nicht kommentieren.

An sich ist es auch nichts Neues, dass die Ausgaben im dritten Jahr in Folge die Einnahmen überschreiten. Das habe man, sagt Werders Chef, doch schon im November bei der Mitgliederversammlung angekündigt. So weit richtig: Doch die angeblich drohenden acht bis neun Millionen Euro Verlust überraschen schon. Einnahme-Plus reicht nicht Denn eigentlich sollte die Bilanz 2013/14 – wenn auch im Minus – besser ausfallen als die des vorherigen Geschäftsjahres, als der Verlust 7,9 Millionen Euro betrug. So nimmt Werder in diesem Jahr 4,4 Millionen Euro mehr nationales TV-Geld ein als 2013. So ist der Gehaltsetat weiter abgesenkt worden. So sind die Einnahmen aus dem Sponsoring leicht gestiegen. Und es reicht immer noch nicht. Weil Spieler verpflichtet wurden wie zuletzt im Winter: „Obraniak“, sagt Filbry, „schlägt zu Buche.“ Weil der Spieleretat immer noch hoch ist: „Wir haben“, ergänzt er, „nach wie vor nicht die billigste Mannschaft.“

Unter anderem weil im Winter die Verkaufshoffnungen unerfüllt geblieben sind. Deshalb müssen weitere Einnahmen her, wieder über Transfererlöse. Womit der Blick wieder auf die Ersatzbank geht. „Es gibt Kandidaten, die keine große sportliche Zukunft in Bremen haben“, sagt Filbry und zählt auf: „Lukas Schmitz, Mehmet Ekici, Mateo Pavlovic, Joseph Akpala.“ Sie könnten Erlöse bringen – mal mehr, mal minder – und gleichzeitig den Gehaltsetat spürbar entlasten. Bei Ekici würde Werder sogar beide Fliegen mit einer Klappe schlagen. Seinen eigenen Verkauf nennt der Mittelfeldspieler selbst „legitim“. So ist eben das Geschäft. „Nächstes Jahr bin ich ablösefrei, dann würden sie nichts kriegen. Das wäre“, weiß Ekici, „für den Verein nicht so gut.“

Nach drei erfolglosen Jahren in Bremen ist das vorzeitige Ende programmiert, das weiß Ekici, der auch weg will. Er ist unzufrieden mit seiner Situation, und es gebe Interessenten. Irgendwann aber hat es sich mit dem Verkauf von Spielern, Werder kann ja nicht einfach die ganze Mannschaft in Bares umwandeln.
Also weiter sparen? Den Gehaltsetat weiter herunterfahren, um die laufenden Kosten zu drücken? Das will die Geschäftsführung nicht. Sportchef Thomas Eichin sagt, man könne „nicht jedes Jahr den Etat runterfahren. Und das werden wir auch nicht machen“. Klubchef Klaus Filbry pflichtet ihm bei: „Irgendwo ist eine
Grenze erreicht.“

Die Geschäftsführung will die Sparschraube nicht überdrehen, denn andernfalls droht die Gefahr, dass Werder noch mehr sportliche Qualität verliert. Allerdings fallen Investitionen immer schwerer,
der Gang ins Risiko wird immer riskanter. Was vor drei Jahren angesichts des 38-Millionen-Polsters noch denkbar gewesen wäre, ist in diesem Sommer bei einem möglichen Acht-Millionen-Polster nur noch
unter Bauchschmerzen darstellbar. Und in einem Jahr? Wie sehen Bremer Bankgeschäfte aus, wenn das Eigenkapital noch für die Portokasse reicht? „Wir möchten uns ungern verschulden“, sagt Filbry zur
Zukunft.

Letztlich bringt nur sportlicher Erfolg auch einen wirtschaftlichen Umschwung. Eine Hoffnung: mehr Erfolg auf dem Transfermarkt – sprich: weniger Fehlgriffe. Das habe, sagt Filbry mit Verweis auf Spieler wie Mehmet Ekici, in der Vergangenheit „einfach nicht funktioniert. Die Trefferrate muss besser werden“.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals finden Sie hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).


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