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Neue Klub-Strategie
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Das Geschäft mit den Leihspielern

Christoph Sonnenberg, Christoph Bähr 11.07.2019 2 Kommentare

Niklas Schmidt ist derzeit an den VfL Osnabrück ausgeliehen.
Niklas Schmidt ist derzeit an den VfL Osnabrück ausgeliehen. (imago images)

Es ist eine umfassende Aufgabe, die Clemens Fritz übernommen hat. Was bei bei Bayer Leverkusen oder Schalke 04 schon lange zum Standard gehört, hat nun auch Werder ins Personalkonzept integriert: Fritz ist der Beauftragte für die Leihspieler des Klubs. Und da gibt es viel zu tun, für die kommende Saison sind insgesamt neun Spieler des Profi-Kaders an andere Mannschaften verliehen.

Es gibt zwei unterschiedliche Ansätze, die das Geschäft mit Leihspielern für Werder zu einem erfolgreichen machen können. Ein Weg ist, die Spieler durch die Spielpraxis in anderen Klubs besser zu machen, und sie nach der Rückkehr in den Kader zu integrieren. Der andere Weg ist, die Profis zu verkaufen, die für Werder keine Verstärkung sind, und auf diesem Weg Transfereinnahmen zu erzielen. „Es ist ab dem Moment ein Geschäftsmodell, wenn es sich sportlich und finanziell auszahlt", sagte Frank Baumann kürzlich auf der Homepage des Klubs über Werders neues Konzept.

Die hohe Zahl an verliehenen Spielern überrascht und erinnert an Klubs wie den FC Chelsea oder Juventus Turin, die seit Jahren eine ähnliche Strategie fahren. „Das Verleihen von Spielern wird von uns jetzt noch strategischer genutzt", sagt Björn Schierenbeck, Direktor des Bremer Nachwuchsleistungszentrums. Da kommt Fritz ins Spiel. Er hält den Kontakt zu den verliehenen Spielern, gibt Rückmeldungen zu den Leistungen. Und vermittelt auch das Gefühl, dass sie weiterhin Teil von Werder Bremen sind, auch wenn sie für einen anderen Verein spielen.

Der Grund, weshalb Werder so viele Spieler verleiht, ist die Klassenzugehörigkeit der U23. Das Team, das Spieler für die Profis ausbilden soll, spielt nur noch in der Regionalliga. „Die bietet Vorteile für Spieler, die im ersten Seniorenjahr sind, und für A-Jugendliche, die schon im Seniorenfußball ihre ersten Schritte gehen„, sagt Schierenbeck. „Die andere Seite ist, dass Spieler, die zwei Jahre in der Regionalliga gespielt haben, den nächsten Reiz brauchen.“

Leihgebühr meistens an Einsätze gekoppelt

Weil der Schritt von der 4. in die Bundesliga groß ist, sind Klubs aus der 3. oder 2. Liga ein guter Zwischenschritt in der Entwicklung junger Profis. Im Optimalfall bekommt Werder nach ein, zwei Jahren Spieler zurück, die Spielpraxis gesammelt haben, aber auch die Erfahrung, sich in einem neuen Klub und neuen Umfeld durchsetzen zu müssen. „Niklas Schmidt war zum Beispiel zwei Jahre bei uns in der U23 und musste jetzt in Wiesbaden eine andere Rolle übernehmen. Er hat sich dort freigeschwommen und ist endgültig im Männerbereich angekommen“, sagt Schierenbeck.

Gesucht werden Klubs, bei denen die Spieler möglichst häufig zum Einsatz kommen. „Deswegen schauen wir in den Gesprächen vor einer Leihe uns den Klub, den Trainer und die Spielweise sehr genau an. Wir achten darauf, wie hoch die Spielwahrscheinlichkeit und die Konkurrenzsituation auf dieser Position ist", sagt Baumann. In der Branche ist es üblich, die Leihgebühr an die Anzahl der Einsätze zu koppeln. Je häufiger der Spieler zum Einsatz kommt, desto weniger Gebühr muss der Verein bezahlen. 

Irgendwann, so der Plan, sollen die Verleih-Profis in Bremen Bundesliga spielen. Dass das nicht immer klappt, zeigt der Fall Ole Käuper. Im Januar wechselte der defensive Mittelfeldspieler auf Leihbasis zu Zweitligist Aue, Vertragslaufzeit bis 2020. Doch schon im April stellte Aue Käuper frei, angeblich wegen mangelnder Einstellung. Mittlerweile ist er an den FC Carl Zeiss Jena verliehen.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die verliehenen Profis häufig verkauft wurden, statt bei Werder in die Bundesligamannschaft eingegliedert zu werden. Es gibt prominente Namen, Simon Rolfes, Martin Harnik oder Niclas Füllkrug. Sie alle wurden verliehen und dann verkauft. Auch das ist Teil des Geschäftsmodells, Werder verdient Geld durch die Transfers. Harnik und Füllkrug wurden später zurück nach Bremen geholt. Allerdings zu einem viel Fachen des Preises, zu dem Werder sie einst verkauft hatte.

Übersicht der verliehenen Spieler:

Jan Niklas Beste/ FC Emmen (1. Liga Niederlande)

Niklas Schmidt/VfL Osnabrück (2. Bundesliga)

Thore Jacobsen/1. FC Magdeburg (3. Liga)

Jannes Vollert/Hallescher FC (3. Liga)

Ole Käuper/FC Jena (3. Liga)

Michael Zetterer/PEC Zwolle (1. Liga Niederlande)

Romano Schmid/Wolfsberger AC (1. Liga Österreich)

Manuel Mbom/KFC Uerdingen (3. Liga)

Jonah Osabutey/ Royal Excel Mouscron (1. Liga Belgien)


Bremen ohne Werder - das ist unvorstellbar! Und das Profiteam, das in der Bundesliga um Punkte und Tore kämpft, ist das Herzstück des Vereins. Auf dieser Seite gibt es News, Fotos und Videos rund um die Werder-Profis.