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Eilts’ Erlebnisse – Teil 4
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Das Spiel, das alles veränderte

Dieter Eilts 02.01.2019 0 Kommentare

(imago/Archiv)

Die ersten Monate bei Werder waren alles andere als einfach. Trotz nimmermüden Einsatzes und hervorragender Leistungen im Training gab es für mich keine Chance auf einen Platz in der Startaufstellung. Das Vertrauen des Trainers in die etablierten Spieler war so immens groß, dass ich fast schon verzweifelte und ab der nächsten Saison mein Glück woanders suchen wollte. Aber dann kam es doch anders. Alles änderte sich mit einem Spiel.

Nach unserem Bundesliga-Spiel am 25. März 1989 gegen Borussia Dortmund stand vier Tage später das Viertelfinale im DFB-Pokal beim Hamburger SV an. Da es einige verletzte Spieler gab, rutschte ich mal wieder in den Kader. Dies war mir in den 23 Bundesligaspielen der Saison nur zwei Mal gelungen. 21-mal war ich also komplett außen vor, weshalb ich mir auch gegen den HSV keine großen Hoffnungen machte.

Am Abend vor dem Spiel – wir waren direkt im Anschluss an das Abschlusstraining in Bremen mit dem Bus nach Hamburg gefahren – klopfte es auf einmal an meiner Zimmertür. Da ich schon fast eingeschlafen war, wollte ich erst gar nicht öffnen. Die Person, die in mein Zimmer wollte, war aber sehr hartnäckig. Also öffnete ich die Tür doch.

Der Auftrag: von Heesen ausschalten

Ich war sehr erstaunt und mir wurde etwas mulmig, als ich dann Otto Rehhagel vor mir stehen sah. Langsam kam der Trainer ins Zimmer und fing ein belangloses Gespräch an. Ich konnte dies anfangs nicht so richtig einordnen und fragte mich: Was will der jetzt? Am Ende kam er mit der Sprache raus: Er wollte wissen, ob ich mir zutraue gegen den HSV von Beginn an zu spielen. Bei den Hamburgern spielte damals Thomas von Heesen im zentralen Mittelfeld, und ich sollte ihn aus dem Spiel nehmen.

Der Trainer formulierte es etwas deutlicher: Ich sollte von Heesen ausschalten, ihm 90 Minuten folgen, und wenn er auf die Toilette wollte, sollte ich ihm sagen: Hier ist schon besetzt. Ich konnte es erst nicht glauben. Wollte der Chef mich wirklich starten lassen? Ja, er meinte es ernst. Das war die Chance, auf die ich so lange gewartet und auf die ich so intensiv hingearbeitet hatte. Ich habe ihm natürlich gesagt, dass ich mir das durchaus zutraue und er sich keine Sorgen machen müsse. Ich war mir sicher, dass alles passen würde.

Als wir am nächsten Tag im Bus saßen und zum Spiel fuhren, saß unser damaliger Manager Willi Lemke neben mir. Er klopfte mir auf den Oberschenkel und sagte: „Diedel, heute machst du ein Riesenspiel.“ Ich schaute ihn nur an und sagte: „Willi, das beste Spiel kommt erst im Finale in Berlin.“ Willi guckte ganz erstaunt und konnte meine Worte wohl nicht ganz glauben.

Großes Lob vom Chef

Das Spiel in Hamburg lief überragend für mich. Wir gewannen nicht nur durch ein Tor von Karl-Heinz Riedle mit 1:0, sondern ich erledigte meine Aufgabe auch mit Bravour. Von Thomas von Heesen war an diesem Abend wenig bis gar nichts zu sehen. Die Medien überschütteten mich mit Lob und sahen gute Chancen für mich, auch in den folgenden Spielen zum Einsatz zu kommen.

Die größte Überraschung aber waren die Worte des Trainers. Er lobte meine Leistung überschwänglich und meinte: Wir haben jetzt einen Bundesliga-Spieler mehr im Kader. Ich freute mich sehr darüber, war aber auch ein wenig irritiert. Schließlich drückte der Satz aus, dass er mich vorher nicht unbedingt als Bundesligaspieler gesehen hatte.

Nach dem Spiel in Hamburg habe ich in jeder Minute der restlichen Saison auf dem Platz gestanden. Es ist wirklich kurios, wie ein einziges Spiel alles verändern kann. Alles ist plötzlich anders, obwohl du dein eigenes Spiel überhaupt nicht verändert hast. Ich mag gar nicht daran denken, wie es mit mir weitergegangen wäre, wenn ich in Hamburg nicht gut gespielt hätte oder wir das Spiel verloren hätten.

Gelächter bei der Dopingkontrolle

Viele werden sich sicherlich noch daran erinnern, dass wir in jener Saison wirklich das Pokalfinale in Berlin erreichten. Mein bestes Spiel war es definitiv nicht. Wir vergeigten das Endspiel gegen den BVB und verloren mit 1:4. Es kann eben nicht alles funktionieren, was man sich wünscht.

Das musste auch Frank Mill bei der Dopingkontrolle nach dem Pokalfinale feststellen. Während ich meine Dopingprobe sehr schnell abgeben konnte, hatte der Dortmunder Stürmer so seine Schwierigkeiten. Als er fast zwei Stunden nach dem Spiel endlich fertig war, stellte er den gefüllten Becher noch einmal kurz ab und drehte sich freudestrahlend zu uns um. Dann stieß er versehentlich gegen den Becher, und der kippte doch tatsächlich um. Auch wenn wir dadurch noch länger warten mussten, war das Gelächter natürlich groß.


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