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„Der Kapitän warnt“

(mw) 19.04.2019 0 Kommentare

(Archiv Weser-Kurier)

Am 19. April 2014 schrieb der WESER-KURIER:

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, als sich eine ganze Stadt – oder zumindest ihr fußballinteressierter Teil – in Grün-Weiß kleidete. 1899 Hoffenheim kam ins Weserstadion; es war kein Spiel wie jedes andere, es ging um die Erstliga-Existenz von Bremens wichtigstem Sportverein. „ALLEz GRÜN“, das Motto dieses ersten Sonnabends im Mai 2013, führte Werder schließlich zu einem 2:2, was zwar nur ein kleiner, aber ein wichtiger Schritt zum Klassenerhalt war. Heute, exakt 350 Tage nach jenem außergewöhnlichen Fußball-Nachmittag, kommt Hoffenheim wieder ins Weserstadion. Auch wenn die Gäste diesmal nicht gegen den Abstieg kämpfen, auch wenn die Partie diesmal kein Strohhalm-Spiel für Werder ist, spricht Clemens Fritz von „einer ähnlichen Situation“.

Werders Kapitän ist vorsichtig, obwohl die Ausgangslage für seine Mannschaft ungleich vorteilhafter ist als vor einem Jahr. Sechs Punkte liegt Werder vor dem Relegationsplatz und dem Hamburger SV – selbst unter Berücksichtigung des miserablen Bremer Torverhältnisses beträgt das bereinigte Polster immer noch fünf Zähler. Die muss der HSV erst einmal holen. Oder der VfB Stuttgart als 15. mit seinen fünf (bereinigt: vier) Punkten Rückstand auf Werder – die Schwaben haben doch das schwerste Restprogramm aller Klassenkämpfer. Oder gar der 1. FC Nürnberg als 17. mit sieben Punkten Rückstand, wobei in diesem Fall die Bereinigung wegfällt – Soll und Haben bei den Toren sind in Nürnberg und Bremen nahezu identisch. Und trotzdem: So zu denken, warnt Clemens Fritz, „das ist gefährlich. Richtig ist: Wir haben eine gute
Position im Abstiegskampf – aber die müssen wir verteidigen! Sonst kann das nach dem Wochenende schon wieder ganz anders aussehen“.

Es ist das 0:3 vor einer Woche in Mainz – und vor allem dessen Zustandekommen –, das Stimmen der Warner wieder vernehmbar werden lässt. Schien Werder zuvor endlich auf einem guten Weg mit den Spielen in Hannover und gegen Schalke, folgte dem kurzen Zwischenhoch prompt das nächste Tief. Werders Leistung ist wie das Aprilwetter: Launisch und wechselhaft – mit dem einzigen Unterschied, dass Werders April mittlerweile ein ganzes Fußballjahr anhält. Der Gegner aus Hoffenheim kommt dagegen – anders als vor 350 Tagen – nicht mit dem letzten Fünkchen Hoffnung an die Weser, sondern mit breiter Brust. Fünf Spiele haben sie nicht verloren, drei Siege gegen Leverkusen, Hannover und Augsburg gesellten sich zu zwei Unentschieden gegen die Hertha und – Achtung – bei den Bayern.

„Geballte Offensivkraft“ und „eine unglaubliche individuelle Qualität“ attestiert Werders Chefcoach Robin Dutt
dem Gegner. Seine eigene Mannschaft soll und muss sich heute dagegenstemmen, um wieder – mindestens – einen kleinen, wichtigen Schritt zum Klassenerhalt zu machen. Das ist die Parallele zur Situation im Mai 2013. Weitere will Werders Sportchef Thomas Eichin allerdings nicht ziehen. „Die Situation ist schon ein bisschen anders“, sagt er. Trotzdem landet auch der 47-Jährige schnell bei dem eigenen Anhang und dessen Bedeutung. „ALLEz GRÜN“ hat sich ins Gedächtnis gegraben als bedeutendste Fan-Aktion der vergangenen anderthalb Jahrzehnte. „Die Fans haben uns damals den letzten Kick gegeben, die restlichen K.-o.-Spiele ohne Angst anzugehen – das war ein ganz wichtiger Faktor“, urteilt Eichin und überträgt die Erfahrung auf das heutige Spiel: „Wir wissen, dass wir die Fans bei jeglicher Situation, die in 90 Minuten passieren kann, im Rücken haben. Das ist ein Faustpfand, ein zusätzliches Plus.“

Eine Entschuldigung für die Mannschaft soll das allerdings nicht sein. Spielen muss sie schon selbst. Gewinnen auch. Aber das, ahnt Clemens Fritz, „ist noch ein hartes Stück Arbeit“.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS Link länger gedrückt halten).


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