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Analyse zu Werders Schlüsselspieler
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Der Plan mit Kruse

Stefan Rommel 01.03.2018 1 Kommentar

Max Kruse tat sich im Werder-Angriff zuletzt schwerer als gewohnt.
Max Kruse tat sich im Werder-Angriff zuletzt schwerer als gewohnt. (Nordphoto)

Erfolg im Fußball ist nicht planbar, Leistung dagegen schon. Die größte Errungenschaft von Florian Kohfeldt ist es, seiner Mannschaft einen funktionierenden Offensivplan gebastelt zu haben. Die Torquote ist nur der eine, offensichtlichste Indikator. Unter Kohfeldt hat sich Werder um rund einen Treffer pro Spiel gesteigert. Entscheidender ist, wie viele Torchancen sich die Mannschaft insgesamt herausspielen kann.

Werder hat es zwischenzeitlich geschafft, seine Art des Fußballs zu verändern und einen aktiven Offensivplan durchzudrücken. Das hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Aber auch dazu geführt, dass die Gegner Werder anders wahrnehmen und entsprechend reagieren. Zuletzt hakte es im Spiel mit dem Ball, in drei der vier jüngsten Bundesligaspiele kam die Mannschaft kaum noch zu Torchancen. Es ist kein Zufall, dass Werder gegen Schalke, Freiburg oder den HSV in der Offensive Probleme hatte. Diese Teams lassen sich sehr auf den Gegner ein, passen ihr eigenes Spiel entsprechend an. Und sie raubten Kohfeldts Mannschaft Raum und Zeit mit ihrer vergleichsweise destruktiven Spielweise.

Das führte in jüngster Vergangenheit dazu, dass ausgerechnet Werders wichtigster Offensivspieler ein wunder Punkt wurde. Max Kruse ist zentraler Baustein vieler Bremer Angriffsoptionen. Auch wenn die Mannschaft in einigen Spielen gezeigt hat, dass sie sich in gewisser Weise von Kruse unabhängig machen kann und andere Lösungsmöglichkeiten findet: Gegen tief stehende Gegner, die sich verstärkt um Kruse kümmern, hat Werders Offensive Probleme.

Sonderbewachungen für den Schlüsselspieler

„Es gibt Überlegungen bei den Gegnern, wie sie Max unter Kontrolle halten können. Da gibt es verschiedene Wege“, sagt Frank Baumann. Der HSV nahm Kruse nahezu in Manndeckung und so weitestgehend aus dem Spiel. Baumann: „Um dem zu entgehen, haben wir verschiedene Lösungen gefunden. Die klappen mal mehr, mal weniger. Wir werden auch künftig Lösungen finden, damit Max sich befreien kann.“

Sein Trainer deutete direkt nach dem Spiel gegen den HSV an, Kruse gegen Gladbach auf einer anderen Position spielen zu lassen. Am Mittwoch relativierte Kohfeldt seine Aussage. „Freiburg und der HSV haben sich extrem darauf eingestellt, wie Max spielt. Das erwarte ich in Gladbach nicht. Sie werden sich mit ihrer Qualität und dem eigenen Anspruch nicht so dermaßen nach uns richten, wie die letzten beiden Mannschaften.“

In Werders Grundordnung ist Kruse ein schwimmender Stürmer, eine falsche Neun oder weniger kompliziert ausgedrückt: ein zentraler offensiver Spieler, der nur auf dem Papier als Stürmer erfasst ist. Im Spiel bewegt er sich in vielen Zonen und übernimmt Aufgaben des Sechsers, des Achters, des Zehners und im Torabschluss auch die des Mittelstürmers. Es dürfte nicht Kruses Position – er bekleidet fast alle im Offensivbereich – sein, die sich auf Dauer verändern wird, sondern die Interpretation seiner Rolle und das Zusammenspiel mit den Mitspielern. Das wird von entscheidender Bedeutung sein. „Die Mannschaften machen sich genaue Gedanken, wie sie uns in gewissen Zonen verteidigen. Trotzdem haben wir in den Spielen Lösungen“, sagt Kohfeldt und schiebt einen wichtigen Satz hinterher: „Wir haben sie zuletzt nur nicht ganz so gut durchgespielt, vor allem nicht in der Tiefe.“ Das ist als klarer Auftrag an die offensiven Spieler um Kruse herum zu verstehen.

Kruse alleine wird zum Sieg nicht reichen

Kruse darf und soll sich überall bewegen, gegen Gladbach gerne auch auf dem Flügel. Immerhin hat die Borussia im Zentrum eine körperlich sehr präsente Achse zu bieten, die einen guten Zugriff auf den Gegner herstellt. Die Räume, die seine Bewegungen schaffen, müssen dann aber auch von den Mitspielern erkannt und besetzt werden.

Werder hat es zuletzt nur noch selten geschafft, beim Gegner in der Tiefe größtmögliche Abstände zu provozieren. Die Breite im Spiel war eigentlich immer da, an der Tiefe fehlte es häufig. Gladbach, das als Europapokalkandidat im Heimspiel eine offenere, mutigere Strategie verfolgen wird, dürfte Werders Offensivspiel gelegen kommen. Dafür müssen wieder alle Spieler auf dem Platz im Ballbesitz eine Aufgabe erfüllen. Sich nur darauf zu verlassen, dass Kruse zwei oder drei Gegner bindet und unter Druck trotzdem eine saubere Folgeaktion hat, wird Kohfeldts Plan von einem proaktiven Spiel nicht gerecht.

In den Debatten um Max Kruses Spielweise geht es im Kern also eher um seine Mitstreiter als um Kruse selbst. Das fängt in der Spieleröffnung der Innenverteidiger an, setzt sich über das Freilaufverhalten im Mittelfeld fort und endet bei den Tiefenläufen der Flügelspieler oder der Achter. Die Arbeitsaufträge sind klar formuliert, weil selbst der beste Pass nichts wert ist ohne einen sauber positionierten Abnehmer.

Diese Dinge sind planbar. Chancen herauszuspielen, ist planbar. Das muss nicht immer zum Torerfolg führen. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit dafür aber enorm.


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