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Der Rashica-Schock

Malte Bürger 20.08.2019 0 Kommentare

(nordphoto)

 Auch das noch. Die Liste an schlechten Nachrichten war wahrlich schon lang genug. Da ist Werders frustrierende Niederlage gegen Düsseldorf, der angeschlagene Ömer Toprak und eine lange Liste verletzter Profis, die auf ungewisse Zeit nicht einsatzbereit sind. Das allein taugt für schlechte Laune, doch am Dienstag kam die nächste Hiobsbotschaft hinzu: Jetzt fällt auch noch Milot Rashica aus. Nicht nur gegen Hoffenheim, sondern deutlich länger.

Es ist eine Meldung mit Schock-Potenzial. „Das ist bitter für uns, weil einer unserer besten Spieler ausfällt“, sagte Florian Kohfeldt. Muskelverletzung im Adduktorenbereich lautet die offizielle Diagnose. Bereits in der Vorwoche hatte Rashica einen Tag pausiert, eine Verbindung bestehe jedoch nicht. „Die Verletzung stammt aus dem Spiel gegen Düsseldorf“, widersprach Kohfeldt anderweitigen Gerüchten. Wie lange der 23-Jährige ausfällt? Unklar. „Es gibt noch weitere Untersuchungen“, sagte Werders Coach, in einer Klubmitteilung wurde von „mehreren Wochen“ ausgegangen. Trübe Aussichten. Und damit war er endgültig da, der negative Höhepunkt eines völlig verkorksten ersten Spieltags.

Eigentlich unverzichtbar

Allein der Blick auf die Zahlen zeigt, wie schmerzhaft der Ausfall ist. In der Vorsaison hat Rashica in 26 Spielen neun Tore erzielt und deren fünf vorbereitet. Jüngst war er am zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer von Johannes Eggestein beteiligt. Im System von Florian Kohfeldt ist er längst unverzichtbar geworden, einen klassischen Eins-zu-eins-Ersatz gibt es im Kader nicht. Auch diese Herkulesaufgabe wird Werder also wieder im Verbund lösen müssen. Dabei gibt genügend andere Baustellen. Zwar kehrt Ömer Toprak wohl diese Woche zurück, doch mit Ludwig Augustinsson, Sebastian Langkamp, Milos Veljkovic, Fin Bartels und Philipp Bargfrede gibt es weitere Profis, bei denen nicht sicher ist, wann sie eigentlich wieder fit sind. Genügend Themen also, die für ein gewisses Reizklima sorgen. Zumindest extern.

So hatte Davy Klaassen atmosphärische Störungen bereits zu spüren bekommen, als die Rashica-Nachricht noch gar nicht in der Welt war. Im Medienraum des Weserstadions sollte er über den misslungenen Saisonauftakt sprechen, doch so richtig wohl war ihm dabei sichtlich nicht. Er zupfte immer wieder an seinem Shirt und rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Keine Frage, Klaassen hatte schon angenehmere Minuten an gleicher Stelle erlebt. Als Führungsspieler stellte er sich aber den Journalisten und ihren Fragen, deren Tonart erwartungsgemäß eher Moll denn Dur war. „Ich verstehe das natürlich nach diesem Ergebnis, aber wir haben noch keine Krisensituation, auch wenn sich das hier im Moment gerade so anfühlt“, sagte Klaassen.

Klaassen wehrt sich gegen Kritik

Der Mittelfeldakteur lächelte, als er diese Worte sprach. Er war bemüht, gute Miene zum bösen Düsseldorf-Spiel zu machen. Zumal es auf der Hand liegt, dass sich die Spieler am allermeisten über den bitteren Einstand ärgern. Waren die Reporter also tatsächlich zu kritisch? „Wenn wir verlieren, dann ist es natürlich kein Superstart“, sagte Klaassen, „aber was teilweise geschrieben wird, empfinde ich als übertrieben.“ Die positiven Dinge kommen dem 26-Jährigen jedenfalls zu kurz. „Es ist wichtig, dass wir den Kopf hochhalten und nicht denken, dass alles scheiße war.“

Doch Kritik gab es reichlich, Klaassen stand selbst wegen einer besonderen Szene im Zentrum. Als Gäste-Torhüter Zackary Steffen einen Ball nach vorne abprallen ließ, staubte Werders Rekordtransfer nicht etwa zum 2:3 ab, sondern zielte am Kasten vorbei. Diese vergebene Chance diente im Nachgang als Paradebeispiel dafür, dass den Bremern der allerletzte Scharfsinn vor dem Tor fehlt. Florian Kohfeldt hatte gemeint: „Wenn ich mir nicht sicher bin, dass ich den Ball aus drei Metern freistehend rein drücke, dann muss ich ihn mir einen Meter zur Seite legen und schauen, was passiert. Das ist für mich clever.“

Vizekapitän widerspricht Kohfeldt

Davy Klaassen gefiel der Vorwurf nicht wirklich, weshalb er seinem Trainer deutlich wiedersprach: „Eine Chance nicht zu nutzen, bedeutet nicht automatisch, dass man nicht clever oder abgezockt ist. Ich fand es in diesem Spiel nicht so deutlich wie letzte Saison, als wir in ein paar Spielen naiv waren“, sagte er. „Wenn ich einen Ball drei Meter vor dem Tor bekomme, würde ich immer schießen – dieses Mal nur mit der Innenseite.“ So hatte er es eigentlich auch gegen Düsseldorf machen wollen, doch der Ball sei schwierig zu verarbeiten gewesen. Das Ergebnis ist bekannt: Werder hatte wieder eine Möglichkeit vergeben, während die Gäste an jenem Nachmittag eiskalt waren.

Es hakte also nicht nur offensiv, sondern auch defensiv. „Ich glaube nicht, dass wir im Allgemeinen schlecht verteidigen, aber es stimmt natürlich, dass wir die Tore zu einfach bekommen haben“, analysierte Klaassen. Eine Erklärung hatte er auf die Schnelle nicht parat, sagte stattdessen: „Wenn ich auf das gesamte Spiel schaue, muss ich sagen, dass sie so viele Chancen nicht gehabt haben.“ Es sollte ein Beweis für eine eigentlich gute Abwehrarbeit sein, im Grunde war es jedoch die Bestätigung für das Bremer Dilemma. Gegen Werder genügen wenige Gelegenheiten, um ein Tor zu erzielen. Wenn es im Gegenzug nicht gelingt, mindestens einen Treffer mehr zu markieren, wird das Gewinnen schwierig. Ein schmaler Grat, der für eine Wanderung in der Länge einer gesamten Saison zu viele Gefahren eines Absturzes birgt.

Das leidige Thema Max Kruse

Immerhin: Kurz darauf hatte es Davy Klaassen geschafft. Fast zumindest. Denn dann kam noch das Thema Max Kruse. "Diese Frage habe ich schon erwartet. Es war klar, dass sie kommen wird, wenn wir verlieren", sagte Klaassen süffisant. "Wir haben aber letztes Jahr schon gezeigt, dass wir auch ohne Max gewinnen können. Nur weil wir jetzt verloren haben, ist es nicht so, dass wir abhängig von einem einzigen Spieler sind.“ Es wird sich zeigen, ob diese Worte in den nächsten Wochen auch für die Personalie Milot Rashica gelten.


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Bremen ohne Werder - das ist unvorstellbar! Und das Profiteam, das in der Bundesliga um Punkte und Tore kämpft, ist das Herzstück des Vereins. Auf dieser Seite gibt es News, Fotos und Videos rund um die Werder-Profis.