Wetter: Regen, 10 bis 18 °C
Kommentar zum Remis in Nürnberg
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Der Unterschied zwischen gut und sehr gut

Christoph Sonnenberg 04.02.2019 13 Kommentare

(nordphoto)

In mancher Hinsicht unterscheidet sich der Beruf des Profi-Fußballers nicht von anderen Berufen, sagen wir von denen in einer Bank, Versicherung oder PR-Agentur. Dort gibt es welche, die schon Freitagmittag ein wenig langsamer werden, das Wochenende hat ja schon fast angefangen. Andere arbeiten am Freitagabend noch, weil etwas unbedingt erledigt werden muss. Einige leisten exakt das, was ausreicht. Andere leisten mehr und liefern mehr dank der Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und fokussieren. Letztere sind die, die in der Hierarchie des Unternehmens irgendwann nach oben steigen und Leitungsfunktionen übernehmen. Oder von anderen Unternehmen abgeworben werden, die mehr Geld und höhere Gratifikationen bieten, ganz wie im Fußball.

Fußballer, die bei Bayern München, Real Madrid oder Manchester City spielen, stehen dort nicht nur unter Vertrag, weil sie die individuell besten fußballerischen Fähigkeiten haben. Sie verfügen auch über eine besondere mentale Stärke. In jedem Spiel das Optimum zu leisten, erfordert eine hohe Eigenmotivation. Sich auf den Punkt konzentrieren zu können, Unwichtiges, Belastendes, Ablenkendes auszublenden, ebenso. Vollen Einsatz zu bringen, auch wenn die Umstände dazu verleiten, es eventuell mit 98 Prozent erledigen zu können. Nur wer das schafft, und bei Spitzenklubs bedeutet das, es alle drei, vier Tage zu schaffen, schafft es am Ende zu Bayern, Real oder ManCity. Das ist der Unterschied zwischen einem guten Spieler und einem sehr guten.

Wer vorvergangenen Sonnabend Werders Spiel gegen Frankfurt gesehen hat und dann die Partie in Nürnberg, wird sich verwundert gefragt haben, wie ein derartiger Leistungsunterschied innerhalb von sieben Tagen möglich ist. Zielstrebigkeit, Wille, Konzentration waren auf komplett unterschiedlichem Niveau. Was den Schluss zulässt, dass einige oder viele Bremer Spieler dem Irrtum aufsaßen, es würden auch 98 Prozent Einsatz genügen, um beim Tabellenletzten zu gewinnen. Dem war nicht so, stattdessen wurden zwei wichtige Punkte verschenkt.

Dass Werder guten Fußball spielen kann, haben die letzten Wochen oder gar Monate gezeigt. Dass dieses Niveau innerhalb nur eines Jahres erreicht wurde, verdient Lob und Anerkennung. Dass aus gutem Fußball sehr guter, sprich erfolgreicher wird, dazu fehlt noch etwas, das ist eine Frage der Mentalität. Spiele gegen vermeintlich schwächere Gegner taugen besonders, diese Mentalität zu belegen. Dienstag im Pokal beim Tabellenführer Dortmund werden alle Spieler restlos motiviert sein, davon ist auszugehen. Wer bei den Spitzen-Mannschaften der Bundesliga mitspielen will, muss aber in jeder Partie 100 Prozent abrufen. Das zu schaffen, ist für Werder der nächste Schritt der Entwicklung.


Bremen ohne Werder - das ist unvorstellbar! Und das Profiteam, das in der Bundesliga um Punkte und Tore kämpft, ist das Herzstück des Vereins. Auf dieser Seite gibt es News, Fotos und Videos rund um die Werder-Profis.