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Ömer Toprak in der Analyse
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Deutlich besser als sein Ruf

Stefan Rommel 09.08.2019 5 Kommentare

(dpa)

Am Sonnabend beim Heim-Auswärtsspiel gegen Atlas Delmenhorst dürften sich für Christian Groß die Strapazen der vergangenen Wochen auszahlen. Im Pokalspiel gegen den Underdog sollte Groß in Werders Innenverteidigung gesetzt sein, es wird „Grossos“ erstes Pflichtspiel im Weserstadion für die Profis. Die Belohnung für seine konzentrierte Arbeit zuletzt, als der Kapitän der U 23 bei den Großen auf sich aufmerksam machte und sich nicht zuletzt ausdrücklich lobende Worte von Trainer Florian Kohfeldt verdiente.

Schon bald wird Groß’ Arbeitsstätte aber wieder Platz 11 sein, Werder will auf die langfristigen Ausfälle der beiden Innenverteidiger Sebastian Langkamp und Milos Veljkovic mit dem Zukauf eines anderen 30-Jährigen reagieren. Ömer Toprak soll die Bremer verstärken, ein 27-facher türkischer Nationalspieler, fast 400 Profispiele schwer. Nahezu jede dieser Partien hat Toprak für Freiburg, Leverkusen, Dortmund und die Türkei als Innenverteidiger bestritten, womit seine Kernkompetenz schon klar umrissen ist.

Erfahren und mit Führungsqualitäten

Werder würde sich einen echten Spezialisten für die Abwehrzentrale holen, keinen Allrounder oder „polyvalenten Spieler“, wie sein (Noch-)Trainer Lucien Favre es ausdrückt. In Dortmund hat Topraks Ruf zuletzt ein wenig gelitten, was mit dem einen oder anderen eher unglücklichen Auftritt in den vergangenen beiden Jahren zu tun hat. Bei genauerer Betrachtung kommt der Spieler beim BVB aber zu schlecht weg, Toprak ist deutlich besser als sein Ruf – in direkter Konkurrenz mit Mats Hummels, Manuel Akanji, Dan-Axel Zagadou und sogar der deutlich spielstärkeren Notlösung Julian Weigl aber fast ohne Chance.

Werders vorübergehender Verlust der beiden Rechtsfüßer Langkamp und Veljkovic grenzt das Anforderungsprofil stark ein, einen dritten Linksfuß neben Niklas Moisander und Marco Friedl benötigt Werder schließlich nicht. Mit Toprak bekäme Werder einen sehr erfahrenen Spieler, der Führungsqualitäten mit sich bringt und dessen Wort in der Kabine durchaus Gewicht hätte. Im Zusammenspiel mit Moisander gäbe es in der Bundesliga kaum mehr Erfahrung im Abwehrzentrum, wobei sich Topraks Aufgaben doch noch ein wenig von denen Moisanders unterscheiden dürften.

Dosiertes Risiko

Anders als der Finne ist Toprak im Passspiel kein spielgestaltender Innenverteidiger, obwohl sich Toprak gerade im vergangenen Jahr in Dortmund in dieser Disziplin noch einmal verbessern konnte. Toprak dosiert das Risiko, spielte beim BVB bevorzugt über die Sechser oder den Außenverteidiger nach vorne. Viele vertikale Zuspiele durch die gegnerischen Linien sind von ihm nicht zu sehen. Dafür dribbelt der Spieler durchaus gerne an und erzeugt so direkt eine gewisse Dynamik im Aufbau.

Sehr prägnant ist sein Verhalten in direkten Duellen. Toprak arbeitet gerne mit seinem wuchtigen Körper. Greifen die gute Antizipationsgabe und sein Stellungsspiel mal nicht, bleibt er auch im frontalen Zweikampf stabil und schwer zu überspielen. Gerade im Kopfballspiel ist die Vororientierung und Positionierung hervorragend, in der Luft ist der Spieler defensiv schwer zu bezwingen und in der Offensive bei eigenen Standards durchaus eine Waffe.

Verkürzte Passwege

Werder spielt nach Max Kruses Abgang im eigenen Aufbau nun direkter über die Mittelfeldpositionen und damit direkt auf die entsprechenden Spieler. Die vielen Freiziehbewegungen, um Platz für Kruse und damit einen Passweg zu öffnen, sind seltener geworden. Stattdessen wird mehr in den Fuß gespielt, über Davy Klaassen, Maximilian Eggestein oder Nuri Sahin. Für die Innenverteidiger verkürzen sich also die Passwege ein wenig, was Toprak durchaus gelegen kommen dürfte.

Und dass mit Sahin nicht nur ein ehemaliger Kollege aus der Nationalmannschaft und bei Borussia Dortmund eine Position vor ihm spielt, sondern Toprak mit Werders Routinier auch eine enge Freundschaft pflegt, ist ein schöner Nebeneffekt.


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