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„Die finale Enttäuschung“

(mw) 14.05.2019 0 Kommentare

(Weser-Kurier-Archiv)

Am 16. Mai 2010 schrieb der WESER-KURIER:

Es sollte alles noch besser werden am Ende einer guten Saison für Werder Bremen. In der Bundesliga noch
sensationell den Qualifikationsrang für die Champions-League erkämpft und nun, zum krönenden Abschluss, bitte gleich noch die Wiederholung des Pokalsiegs von 2009. Entsprechend groß waren auch die Hoffnungen bei den Fans. Tausende fieberten auf dem Domshof und in Bremens Kneipen mit. Allerdings vergebens: Werder verlor.

Beim Versuch, den Titel zu verteidigen, setzte es gestern eine Klatsche. Wie schon im Jahr 2000, verabreicht vom FC Bayern München. Damals hieß es 0:3, gestern nun sogar 0:4. Der FC Bayern wurde dadurch zum achten Mal in seiner Geschichte Double-Sieger – und Werder gedemütigt. Dass dieser Abend im Berliner Olympiastadion ein Bremer Drama werden könnte, hatte sich spätestens nach 34 Spielminuten angekündigt. Da wurde mit Per Mertesacker der Mann zum großen Unglücksraben, der auf dieses Finale so sehr gebrannt hatte, weil er vergangenes Jahr nur verletzt zuschauen konnte. Als Bayern-Stürmer Ivica
Olic im Strafraum den Ball am Bremer Nationalspieler halbhoch vorbeispitzeln wollte, sprang er Mertesacker an die Hand des weit ausgestreckten linken Armes. Keine Absicht, aber auch keine Frage: Elfmeter
für den FC Bayern.

Arjen Robben, der beste Mann auf dem Platz, verwandelte knallhart, ohne dass Werder-Torwart Tim Wiese, der die richtige Ecke geahnt hatte, auch nur den Hauch einer Abwehrchance gehabt hätte. Es war 20.35 Uhr, Werder lag zurück. Oder aber: Erst jetzt lag Werder zurück. Denn dieser Rückstand war weder zufällig noch unverdient. Die Elf von Thomas Schaaf hatte sich viel zu weit zurückgezogen, sie reagierte statt selbst Akzente zu setzen. Folge: Die Bayern erspielten sich um ihre Schlüsselfigur Robben eine Reihe guter bis bester Chancen, versäumten es allerdings, diese auch in einen Erfolg umzumünzen.

Werder dagegen hatte eine halbwegs passable Gelegenheit – das war nach acht Minuten. Trainer Schaaf musste in der Pause handeln. Sein Weckruf bestand in der Einwechslung von Hugo Almeida – und schien zunächst zu fruchten. Unmittelbar nach der Pause hätte er zweimal zum Ausgleich kommen können, vergab aber. Zugleich schien es für die Bayern das Startsignal, nun doch lieber Ernst zu machen. Sie trafen fortan, wie sie wollten: 2:0 Olic, 3:0 Ribéry, 4:0 Schweinsteiger. Entsprechend fiel auch die große Party in Bremen auf dem Domshof flach. 15000 Werder-Fans standen dort bis zur Bürgerschaft dicht an dicht gedrängt, um ihrer Mannschaft die Daumen zu drücken.

Tim Wieses erste erfolgreiche Paraden sorgten zunächst noch für Jubelrufe. Doch spätestens mit Mertesackers Handspiel ging die Stimmung den Bach hinunter. Dass Werder-Kapitän Torsten Frings zwischendurch für ein Frustfoul auch noch mit Gelb-Rot vom Platz flog, war mehr oder weniger egal. Die finale Enttäuschung von Berlin war auch so perfekt.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

 

 


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