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Hoffenheim war ein Gebrüder-Eggestein-Spiel
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Ein Anführer und ein Eisvogel

Christoph Sonnenberg 13.05.2019 3 Kommentare

(dpa)

Es war eher eine Kleinigkeit, die sich an der Außenlinie kurz vor Ende des Spiels in Hoffenheim abspielte. Die Hoffenheimer wollten den Ausgleich, und es blieb nicht mehr viel Zeit. An der Mittellinie kam es zu einer kleiner Schubserei zwischen Maximilian Eggestein und dem bulligen Stürmer Joelinton, da Eggestein den Ball lieber noch ein wenig in Händen hielt, statt ihm dem Hoffenheimer zu überlassen. Besser gesagt schubste Joelinton, Eggestein ließ sich davon wenig beeindrucken und wich keinen Zentimeter zurück. „Eine super Szene“, befand Florian Kohfeld nach dem Spiel, da sie für die Entwicklung Eggesteins in dieser Saison stehe. „Es geht nicht darum, unfair zu spielen. Es geht darum, jeder Zeit da zu sein. Zu zeigen: Ich wehre mich. Das hat er getan.“ Woraus Kohfeldt den Schluss zog, der wie ein Ritterschlag klingt: „Maxi war ein Anführer.“

Es brauchte Anführer, da zwei gegen Hoffenheim nicht dabei waren. Davy Klaassen fehlte aufgrund der 5. Geben Karte, Max Kruse zwangen Probleme in der Oberschenkelmuskulatur zu einer Pause. Also schlüpfte Maximilian Eggestein in die Rolle desjenigen, der voran geht und dem Gegner die Grenzen aufzeigt, wenn es nötig ist. Kleinigkeiten wie die Szene gegen Joelinton können dabei große Wirkung entfachen. „Es sind viele weggebrochen, die sonst auf dem Platz führen und an denen sich andere aufrichten“, so Kohfeldt. „Und dann ist Maxi da.“

Maxi und die schnelle Lernkurve

Binnen einer Saison ist Maximilian Eggestein vom Stammspieler zum Leistungsträger und Anführer mutiert, eine steile Entwicklung. In Hoffenheim strahlte er eine Souveränität und Präsenz aus wie in wenigen anderen Spielen zuvor. Vermutlich lag es daran, dass Klaassens und Kruses Abwesenheit ein Vakuum hinterließen, das Eggestein noch mehr zur Geltung brachte. Dass er so schnell in die Rolle hineingewachsen ist, verwundert. Selbst im Verein staunen sie ob des Tempos. Und auch wieder nicht: Die Fähigkeit, sich schnell zu entwickeln, habe Eggestein schon länger. Er habe, so bezeichnet es Kohfeldt, eine „schnelle Lernkurve“. 

Die auffälligste Szene des Spiels hatte ein anderer Eggestein, der jüngere Bruder Johannes. Es war sein Treffer, der Werder den Sieg bescherte. Bemerkenswert einerseits, da es sein erster in der Bundesliga mit dem Kopf war. Nach dem Spiel erzählte Johannes von einem Gespräch mit seinem Bruder vor der Partie. „Ich habe zu ihm gesagt: Maxi, du hast in der Bundesliga einiges mehr erreicht als ich. Nicht nur mehr Spiele und Tore, sondern auch Tore mit beiden Füßen und dem Kopf. Da hat er zu mir gesagt: Jetzt bist du dran.“ Und da man als jüngerer Bruder auf den älteren höre, habe er per Kopf getroffen.

Bemerkenswert war der Treffer auch, weil Johannes Eggestein mit 1,83 Metern den zwei Zentimeter größeren Hoffenheimer Verteidiger Ermin Bicakcic scheinbar mühelos übersprang. „Jojo hat das richtige Timing und den Ball gut platziert“, sagte Frank Baumann. Nicht allein Größe sei entscheidend, sondern die Sprungkraft und vor allem der richtige Moment des Sprungs.

„Jojo hat einen Riecher“

Der Treffer erinnert daran, dass Johannes Eggestein etwas ist, was er derzeit im Bremer System nicht sein darf: Stürmer und Vollstrecker. Er gilt als Eisvogel, als Spieler also, der keine nervliche Schwäche zeigt, wenn es darum geht, eine Chance zu verwerten. Dass er cool bleibt in entscheidenden Momenten liegt an einer Begabung, die man nicht lernen kann. „Jojo hat einen Riecher. Er weiß, wo im Strafraum der Ball runter fällt“, sagte Kohfeldt über den Treffer zum 1:0. „Ich könnte mich jetzt hinstellen und sagen, das war ein super Muster, wie wir da gespielt haben. Aber das war einfach die Qualität des Spielers, in dem Moment zu wissen, wo der Ball runter fällt. Dann gewinnt man Kopfballduelle, weil man gedanklich schneller ist als der Gegner.“ Selbst wenn dieser ein paar Zentimeter größer ist.

Ein Anführer und ein Eisvogel, das Spiel in Hoffenheim war auch ein bisschen das Spiel der Gebrüder Eggestein. Und ein Zeichen dafür, wie wichtig es war, dass beide ihre Verträge verlängern und zumindest auf Sicht in Bremen bleiben. „Ein extrem schönes Zeichen für uns und für unsere Zukunft“, wie Baumann sagt. Dass die Entwicklung der Brüder noch nicht am Ende ist, glauben alle bei Werder. Was dazu führen könnte, dass sie irgendwann den Schritt zu einem anderen Klub gehen.


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