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Die Hintergründe zum Toprak-Transfer
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Ein Kompliment nach wilden Tagen

Jean-Julien Beer 12.08.2019 3 Kommentare

(nordphoto)

Der vielleicht wichtigste Satz geht ein wenig unter im Rummel der Präsentation von Ömer Toprak. Sportchef Frank Baumann sagt ihn, er betont ihn sogar fast schon emotional. Denn dieser eine Satz ist so etwas wie der Schlüssel für eine gemeinsame Zukunft von Werder Bremen und Toprak. „Solche Spieler, die sich so klar für Werder positionieren“, sagt Baumann, „das ist es, was wir brauchen und was wir haben wollen.“ Neben ihm nickt Toprak sichtlich zufrieden.

Dazu muss man wissen, dass die vergangenen Tage recht kompliziert waren für alle Beteiligten. Baumann beschreibt den Toprak-Transfer als „sehr komplex, es gab in den letzten fünf bis sieben Tagen größte Schwankungen und Richtungsänderungen“. Immer neue Klubs grätschten mit Angeboten dazwischen, um den 30 Jahre alten Innenverteidiger von Borussia Dortmund abzuwerben. „Es gab einige Tage, da waren wir schon auf einem sehr guten Weg“, berichtet Baumann, „einen halben Tag später sah es so aus, dass es nicht klappen wird. Es war eine spannende Zeit.“ Noch am Mittag des Pokalspiels gegen Delmenhorst sei nicht klar gewesen, ob der Wechsel funktioniere.

Baumann brauchte „eine kreative Lösung“

Nie und nimmer hätte Werder am Ende eine Chance gehabt, wenn sich Toprak nicht klar für einen Transfer nach Bremen ausgesprochen hätte. Finanziell war es für Werder ja ohnehin schon „eine Herausforderung“, wie Baumann hervorhebt, „wir mussten es schaffen, mit einer kreativen Lösung ein funktionierendes Gesamtpaket zu gestalten“. Da habe es „definitiv geholfen“, dass der Spieler ausdrücklich nach Bremen wollte. Die Lösung sieht nun so aus, dass Werder Toprak zunächst für ein Jahr von Borussia Dortmund ausleiht und im kommenden Sommer fest verpflichtet. Insgesamt fließen dabei mehr als sechs Millionen Euro aufs Dortmunder Konto. Alle sind glücklich: Werder hat sein Abwehrproblem gelöst, der Spieler darf nach Monaten auf der Bank nun fest mit einem Stammplatz rechnen – und der BVB spart das Gehalt.

Toprak verweist auf sein „Bauchgefühl“, das ihm in den wilden letzten Tagen zu Bremen geraten habe. In guten Gesprächen mit Baumann und Trainer Florian Kohfeldt habe er gefühlt, „dass sie es ehrlich mit mir meinen“. Ihm habe imponiert, „wie sie um mich gekämpft haben“. Zudem gefalle ihm einfach der Fußball, den Werder spiele. „Wie ein Topklub“, schwärmt Toprak, „Ballbesitzfußball und Gegenpressing. Man erkennt die Handschrift des Trainers. Werders Fußball hat mir schon vergangene Saison sehr gefallen. Die Entwicklung und das Konzept haben mich überzeugt.“ Am Ende habe er sich trotz anderer Angebote „sehr bewusst“ für Werder entschieden.

„Hier war sportlich der größte Reiz“

Genau das empfindet Kohfeldt als größtes Kompliment für den Bremer Bundesligisten. „Das ist ein Transfer, der für uns vor ein oder zwei Jahren noch komplett unrealistisch gewesen wäre“, meint der Trainer, „einen Spieler mit dieser Qualität zu bekommen und, was ich sehr wichtig finde, diese Überzeugung, unbedingt zu uns kommen zu wollen.“ Toprak entschied sich dabei mit Sicherheit nicht für das finanziell beste Angebot. Kohfeldt sagt es so: „Hier war sportlich der größte Reiz für ihn, das muss man bei einem Spieler seiner Klasse hoch anerkennen.“

Toprak komme aus einem Regal, „in das wir letztes Jahr noch nicht hätten greifen können“, erklärt Kohfeldt, „und das meine ich gar nicht mal nur finanziell. Dass sich Spieler dieser Kategorie jetzt für uns interessieren und bei uns eine Perspektive sehen, das stimmt uns alle sehr froh.“ Er spreche Baumann deshalb „ein Riesenkompliment“ aus für diesen Wechsel. Auch der Sportchef glaubt, „dass es für uns intern, aber auch nach außen ein sehr wichtiges Zeichen ist, einen Spieler mit dieser Erfahrung und Qualität für Werder begeistern zu können“. Zwei weitere Transfers sollen zeitnah folgen. Spieler, „an denen wir auch Spaß haben werden“, wie Baumann ankündigt. Dabei soll es um einen flexiblen Außenverteidiger und einen Mann fürs Mittelfeld gehen.

Gegen Düsseldorf schon in der Startelf

Toprak trainierte am Sonntag bereits am Weserstadion, tags zuvor erlebte er den 6:1-Sieg gegen Delmenhorst live vor Ort. Schon zum Bundesligastart am Sonnabend gegen Düsseldorf soll er neben Kapitän Niklas Moisander zentral in der Abwehr agieren. „Darüber gibt es gar keine Diskussion“, stellt Kohfeldt klar, „Ömer ist geholt worden, um absoluter Stammspieler zu sein.“ Der Trainer hebt vor allem Topraks Geschwindigkeit hervor, „die unserer Abwehr bisher auf Spitzenniveau fehlte“. Hinzu komme seine enorme Erfahrung auf höchstem Niveau. „Er ist kein Lautsprecher, aber ein Führungsspieler. Und mit Sicherheit jemand, der auch Fußball sehr gut versteht“, sagt Kohfeldt, „es ist für mich persönlich sehr wichtig, solche Spieler zu haben.“

Endlich mit Pizarro in einem Team...

Toprak weiß, dass er sich nun schnell vom hochklassigen Ersatzmann in Dortmund zum Leader in Bremen entwickeln muss, eine Rolle, die er aber zuvor in Leverkusen bereits viele Jahre erfolgreich ausfüllte: „Ich bin fit, möchte dem Team so schnell wie möglich helfen und Verantwortung übernehmen.“ Sportlich können sie beim BVB gerade so auf ihn verzichten nach der Rückkehr von Mats Hummels, als wichtige Figur in der Kabine hinterlässt er bei den Schwarz-Gelben jedoch eine Lücke. Werder hingegen gewinnt mit Toprak eine sympathische Persönlichkeit.

Wie man in Bremen über die größten Vereinslegenden spricht, weiß Ömer Toprak als jüngerer Bruder eines großen Werder-Fans übrigens auch schon. „Als ich noch jung war, sogar sehr jung, da habe ich schon gegen Claudio Pizarro gespielt“, betont er, „er ist natürlich eine Legende. Jetzt spiele ich mit ihm. Und ich sage: Es ist besser, mit ihm in einer Mannschaft zu spielen, als gegen ihn.“ Willkommen in Bremen!


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