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Bittencourt und seine vielen Aufgaben
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Erfolgreich auf dem Postweg

Jean-Julien Beer 01.10.2019 2 Kommentare

Da ist das Ding: Florian Kohfeldt gibt Leonardo Bittencourt den Zettel mit den Anweisungen.
Da ist das Ding: Florian Kohfeldt gibt Leonardo Bittencourt den Zettel mit den Anweisungen. (imago images)

Erst hatte er es mit einfachem Rufen versucht. Als das nicht klappte, probierte es Florian Kohfeldt mit Schreien. Weil auch das keine Aussicht auf Erfolg hatte vor dieser lauten Kulisse in Dortmund, sprang Werders Trainer wild gestikulierend in die Höhe. Doch seine Spieler bekamen das alles nicht mit. Weder Josh Sargent, noch Milot Rashica. Und auch nicht Leonardo Bittencourt. „Im Weserstadion ist es schon unmöglich, alle Spieler zu erreichen“, sagte Kohfeldt später, „aber in Dortmund kannst du dir das gleich schenken.“

Als es im Laufe der zweiten Halbzeit deutlich brenzliger wurde und Dortmund mit der Einwechslung von Nationalspieler Julian Brandt auf ein 4-3-3-System umstellte, versuchte es Kohfeldt deshalb auf dem Postweg. Er ließ seinen Co-Trainer Thomas Horsch die Anweisungen für die Spieler auf einen Zettel schreiben (Kohfeldt: „Meine Handschrift kann keiner lesen“) und winkte Bittencourt herbei, was erstaunlicherweise funktionierte. Schon mächtig am Pumpen und mit dicken Backen machte sich der Mittelfeldspieler auf den weiten Weg zur Seitenlinie und holte den Zettel ab. Darauf stand die taktische Anweisung, selbst defensiv auf ein 4-2-3-1 umzustellen und so das Zentrum zu schließen. Dieser Plan ging auf, weil sich der BVB bei so manchem Angriff in der Schlussphase in Werders gut formierter Defensive geradezu verzettelte.

„Wir müssen weiter so hart arbeiten“

Neuzugang Bittencourt erfüllte damit in seinem dritten Spiel für Werder gleich drei Funktionen: Als Bote, als Antreiber in der Offensive und als Abschirmdienst für Milot Rashica. „Vermutlich kommt Leo in der öffentlichen Wahrnehmung diesmal nicht so gut weg“, sagte Kohfeldt nach der Partie, „aber er musste viele Wege gehen, um hinter Milot die Räume zu schließen. Er hat das richtig gut gemacht und hilft uns auch, Tempowechsel zu inszenieren.“ Das alles kostete aber erkennbar Kraft, in der 82. Minute durfte Bittencourt völlig ausgepowert vom Feld. „Ich war ziemlich kaputt“, gab er zu, „schon die erste Halbzeit hat viel Kraft gekostet, in der zweiten haben wir dann gezeigt, wie es gegen ein starkes Team wie Dortmund mit dieser enormen Qualität funktionieren kann. Das war nicht leicht, sondern ein hartes Stück Arbeit.“

Aber genau dafür haben sie ihn ja am letzten Tag der Transferphase nach Bremen geholt. Damit er all das einbringt, für das er in der Bundesliga steht: Laufarbeit, Dribblings, bissige Zweikämpfe und eine gewisse Frechheit auf dem Feld. Gerade in Dortmund, wo er vor einigen Jahren auch schon unter Vertrag stand, macht das Bittencourt immer besonders viel Spaß. „Ich glaube, dass es inzwischen schon mein 14. Spiel als Gegner in Dortmund war“, erklärte der 25-Jährige, „aber es ist immer wieder schön, dort zu spielen, weil das Stadion immer voll ist. Eine tolle Kulisse. Und wenn man dann mit so einem Erfolgserlebnis nach Hause fährt, ist das gut für eine Mannschaft.“

Bittencourts bisherige Werder-Bilanz ist ausgeglichen: ein Sieg, eine Niederlage, ein Unentschieden. „Jetzt müssen wir weiter so hart arbeiten“, forderte er, „und dann hoffen, dass noch ein paar von den verletzten Jungs zurückkommen. Und wir müssen weiter daran festhalten, wie wir gerade als Team diese Spiele angehen.“

Kohfeldt spricht von einer Belohnung

Nämlich geschlossen und leidenschaftlich. Zumindest bei den Spielen in Dortmund und bei Union Berlin. Auch Kohfeldt denkt in diese Richtung. Der Punktgewinn beim BVB sei auch deshalb sehr wichtig, „weil es die Belohnung für die ganze Arbeit ist. Man sieht: Das trägt Früchte“, erklärte der Trainer. Für den Glauben an sich selbst und für die Überzeugung sei es ein enorm wichtiger Punkt gewesen, „denn es gibt außer in München keine schwerere Aufgabe, als in Dortmund zu punkten. Das haben wir geschafft.“ Und das Entscheidende dabei sei, „dass wir uns den Punkt nicht ergaunert, sondern mit gutem Fußball verdient haben“. Dieses 2:2 beim BVB bringe Werder einen „sehr wichtigen Zähler“ ein, betont Kohfeldt, „vielleicht auch für den weiteren Verlauf der Saison“.


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