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Sargent gibt mutige Ziele aus
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Erst den Stammplatz, dann Europa

Christoph Bähr 22.07.2019 5 Kommentare

(nordphoto)

Josh Sargent hielt einen kurzen Moment inne und lächelte. „It was a journey in Germany so far“, sagte er auf Englisch und schnaufte einmal durch. Frei übersetzt sollte das wohl heißen: Seine bislang eineinhalb Jahre bei Werder waren eine echte Abenteuerreise. Und das bringt es genau auf den Punkt. Im Januar 2018 kam der US-Amerikaner nach Bremen, mit 17 Jahren in ein fremdes Land, hatte erst einmal keine Spielerlaubnis. Nach einem halben Jahr Training durfte er dann ran, traf für die U23 und traf auch gleich für die Profis – zwei Tore in den ersten drei Bundesliga-Einsätzen kurz vor Weihnachten. Ein paar Wochen Sargent-Hype, ehe der Stürmer in der Rückrunde kaum noch auffiel, am Ende nur selten spielte. Nach der Saison wurde Sargent dann aus dem Kader der US-Nationalelf für den Gold Cup gestrichen. Was für eine Gefühlsachterbahn für einen jungen Spieler.

Am Sonnabend stand der inzwischen 19-Jährige also nach dem Blitzturnier im Vereinsheim von Blau-Weiß Lohne. Umringt von Journalisten, klitschnass vom Regen, mit Grashalmen im Gesicht blickte er zurück auf seine „Abenteuerreise“ und wirkte aufgeräumt. In der Sommerpause hatte Sargent mehrere Wochen richtigen Urlaub gehabt, konnte alles in Ruhe verarbeiten und das hat ihm offenbar gut getan. „Es war erst einmal sehr enttäuschend, dass ich beim Gold Cup nicht dabei war. Ich hätte dort viel lernen können und brauchte eine Weile, um mit der Nicht-Nominierung klarzukommen“, gibt der siebenfache US-Nationalspieler zu. Nach der ersten Enttäuschung aber hat der Optimismus gesiegt. „Ich schaue auf das Positive“, sagte Sargent – und man glaubt es ihm. „Ich kann jetzt die komplette Vorbereitung bei Werder mitmachen.“

Im Abschluss eiskalt

Tatsächlich zahlt sich das bislang aus: Der Stürmer mit den roten Locken wirkt im Training sehr präsent und hat in Lohne beim Spiel gegen Köln ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Die Art und Weise, wie Sargent den 1:0-Siegtreffer erzielte, war schlicht beindruckend. Jonas Hector, Rafael Czichos und Lasse Sobiech konnten ihn nicht stoppen. Sargent ließ die drei Bundesliga-Verteidiger einfach stehen, danach schoss der 19-Jährige den Ball trocken an Kölns Keeper Timo Horn vorbei ins Netz. Genau das meinte Kohfeldt wohl, als er kürzlich hervorhob: „Josh besitzt eine unfassbare Abschlussfähigkeit, wenn er im Strafraum ist.“

Dass es ein einstudierter Spielzug war, der zu dem Tor führte, zeigt zudem, dass Sargent im Training gut aufpasst. „Wir arbeiten an diesen Spielzügen mit der ganzen Mannschaft. Schön, dass es jetzt funktioniert hat“, unterstrich Sargent. Wichtig war der Treffer aber auch für ihn persönlich. Es war nur ein Testspiel, aber solch ein Tor tut einfach gut nach schwierigen Monaten mit einigen Rückschlägen. „Es war ein tolles Gefühl“, unterstrich Sargent. „Ich bin aktuell vielleicht in der besten Form meines Lebens."

Starke Konkurrenz in der Offensive

Anfangs im Zillertal lief er in den Testspielen noch mit den U23-Akteuren auf, in Lohne durfte er als Einwechselspieler in der A-Elf ran. Klar, dass Sargent ebenfalls zur ersten Garde gehören will, wenn die Bundesliga startet. „Die Startelf ist das Ziel für jeden Spieler, natürlich auch für mich“, betonte er. Kohfeldt sagte, dass sich das Sturmtalent den Einsatz in der A-Elf durch gute Leistungen im Training verdient habe. „Er spielte eine gute Vorbereitung“, lobte der Trainer, fügte aber hinzu: „Die Konkurrenz da vorne ist nicht ohne.“

Genau das könnte Sargents Problem werden. Milot Rashica ist im Angriff gesetzt. Yuya Osako, Niclas Füllkrug und Johannes Eggestein sind nahe dran an einem Stammplatz. Claudio Pizarro ist der perfekte Joker. Fin Bartels kämpft, um seine alte Form wieder zu erreichen. Es wird nicht einfach für Josh Sargent, auf ausreichend Spielminuten zu kommen. Da helfen solche Tore wie gegen Köln im Konkurrenzkampf enorm – genau wie sein großer Optimismus. Er hoffe darauf, mehr zu spielen als in der vergangenen Saison, sagte Sargent. Und mit der Mannschaft wolle er „mindestens die Europa League erreichen“. Das wäre zweifellos ein neuer Höhepunkt auf Sargents Abenteuerreise durch die Bundesliga.


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