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Baumann über Beijmos Situation
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„Felix war nicht großmäulig"

Christoph Sonnenberg 10.10.2018 0 Kommentare

(nordphoto)

Am Freitag hätte Felix Beijmo tun können, was er bisher so selten getan hat: im Werder-Trikot auf dem Platz stehen. Im Testspiel beim VfL Osnabrück sollte Beijmo auflaufen, „um sich zu zeigen und seine Chance auf Einsätze zu erhöhen“, sagt Frank Baumann. Doch der schwedische Fußballverband sprach ein Machtwort und beorderte den Verteidiger zum Spiel der U21 gegen Belgien. Ob Beijmo dort zum Einsatz kommt oder wie zuletzt nur auf der Bank sitzt, hat Trainer Roland Nilson Werders Sportchef nicht sagen können. Oder sagen wollen.

Beijmo spielt also wieder nicht für Werder. Beim Blick auf seine Saisonstatistik sucht man vergeblich nach Einsatzzeiten, nicht eine Pflichtspielminute hat er bisher absolviert. Der Test beim Drittligisten wäre eine Möglichkeit gewesen, sich besser einzufinden, zu akklimatisieren. Und nicht zuletzt, um Spielpraxis zu sammeln. „Aber der schwedische Trainer wollte Felix unbedingt dabei haben“, sagt Baumann. Und so bleibt der Eindruck bestehen, dass es irgendwie klemmt zwischen Werder und Beijmo. Dass der Transfer des Schweden ein bisher für beide Seiten eher enttäuschendes Geschäft ist.

Bei Werder sehen sie das nicht so, zumindest sagen sie das. Beijmo sei eher ein Langzeitprojekt, wofür auch schon die Vertragslaufzeit von vier Jahren spreche. „Wir wussten, dass es dauern wird“, sagt Baumann. Zum einen hat das mit der Konkurrenz zu tun. Theodor Gebre Selassie spielt eine tadellose Saison, wie schon in der vergangenen Rückrunde. Gebre Selassie sei gesetzt, sagt Baumann. „Felix ist der Herausforderer.“ Aber einer, für den vieles neu ist. Und der sich an vieles gewöhnen müsse. Das sei das andere Problem.

Für den 20-Jährigen ist der Wechsel ein großer Schritt. Neues Land, neue Sprache, neue Kollegen, und nicht zuletzt ist der Fußball eben auch ein anderer in der Bundesliga als in Schweden. „Höheres Tempo, größere Intensität. Es bleibt weniger Zeit, Entscheidungen zu treffen“, sagt Baumann. Junge Spieler brauchen oft mehr Zeit, sich auf eine neue Situation einzustellen. „Wir haben das einkalkuliert.“ Alles im Lot soll das heißen. Aber Beijmo war für einen 20-jährigen Schweden nicht billig, das schürt Erwartungen.

Verwunderung in Schweden

Drei Millionen Euro hat Werder für den Rechtsverteidiger an Djurgardens IF gezahlt. Eine Summe, die in Schweden für Verwun­derung sorgte. 41 Einsätze hatte Beijmo für Djurgardens, mit dem Klub ist er vergangene Saison schwedischer Pokalsieger geworden. In Schweden gilt Beijmo als Talent, aber keines, das Experten zu den größten des Landes zählen. Die Ablösesumme könnte also dazu taugen, den Druck auf Beijmo zu erhöhen, möglichst schnell möglichst gut zu funktionieren. Baumann weist das zurück: „Für ihn spielt die Summe keine Rolle, für uns auch nicht.“ Aber Beijmo selbst spielt eben auch keine Rolle.

Im Sommer, als kurz nach Beginn der Vorbereitung die Neuzugänge vorgestellt wurden, gab Beijmo bei seiner Präsentation eine bemerkenswerte Vorstellung ab. „Ich denke, ich habe gute Chancen zu spielen“, sagte er damals. Und definierte die Rolle, die er bei Werder spielen wollte, so: „Ich will vorne stehen, wahrgenommen werden, Tore schießen. Ich bin hergekommen, um Fußball zu spielen, nicht um das Wasser zu tragen.“ Selbstbewusste Sätze, die bei den anwesenden Journalisten für Erstaunen sorgten. Über den Artikel, den Mein Werder vergangenen Juli zur Präsentation verfasste, stand „Eine Kampfansage zur Begrüßung“. Und auch Beijmos neue Bremer Kollegen dürften die Sätze aufmerksam verfolgt haben.

In der ersten Reihe steht Felix Beijmo in Bremen nicht. Vielleicht ertappt sich der eine oder andere beim Lesen dieses Textes dabei, ihn gar nicht mehr im Kopf gehabt zu haben. Keine Minute gespielt, selten im Kader, Beijmo taucht nur selten in der Berichterstattung auf. Die forschen Töne zu Beginn nimmt ihm Baumann nicht übel. „Soll er sagen, dass er sich auf die Bank setzt“, entgegnet der Sportchef mit einer rhetorischen Frage. „Felix war selbstbewusst, das ist in Ordnung. Er war nicht großmäulig. Niemand sollte das überbewerten.“

Einsätze in der U23 möglich

Einen Plan, wie Beijmo den Anschluss findet, haben Baumann und Florian Kohfeldt entwickelt. Der sieht vor, ihn in den kommenden Wochen in der U23 einzusetzen. Kohfeldt hatte das Rotationsprinzip, Profis mit wenig Einsätzen regelmäßig in der U23 spielen zu lassen, bei seinem Amtsantritt für beendet erklärt. Er bevorzugt eine feste Zuordnung für jeden Spieler. Doch für jede Regel gibt es bekanntlich Ausnahmen. „Punktuell kann es Sinn machen, Spielern Spielpraxis zu verschaffen“, sagt Baumann. Beijmo zählt zu jenen, bei denen es Sinn macht. „Regelmäßig wird das aber nicht passieren“, stellt Baumann schon mal fest.

Auf Sicht, davon ist der Sportchef überzeugt, wird Beijmo bei Werder eine Rolle ­spielen. Bis 2022 läuft sein Vertrag. Die null Einsatzminuten in der laufenden Spielzeit sind noch kein Gradmesser. „Es ist zu früh, um es auf die ganze Saison hochzurechnen“, sagt Baumann. „Es werden sich Chancen für Felix bieten.“ Bis dahin erwartet er, dass Beijmo so weitermacht, wie er es bisher macht: „Er ist geduldig, arbeitet konzentriert und nutzt jedes Training, um sich weiterzuentwickeln.“


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