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Mein-Werder-Kolumne des Ehrenpräsidenten
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Fischers forsche Forderungen

Klaus-Dieter Fischer 20.09.2018 0 Kommentare

(nordphoto)

Nach unseren vergangenen beiden Heimspielen gegen Hannover 96 und den 1. FC Nürnberg habe ich das Weserstadion gleich nach dem Abpfiff verlassen, um ins Viertel zu gehen und die Stimmung unter den Fans aufzusaugen. Ich gestehe, dass ich nicht viel weiter als bis zur Straße Am Peterswerder gekommen bin. Inzwischen erinnert mich diese Straße ein wenig an den Weg zum alten Arsenal-Stadion im Londoner Stadtteil Highbury, wo fast vor jeder Haustür Getränke für die Stadionbesucher verkauft wurden. So ähnlich läuft es Am Peterswerder auch ab: Vor drei Privathäusern und fünf Kneipen bis zum Brommyplatz treffen sich die Fans, um insbesondere über unsere Grün-Weißen zu diskutieren.

So war es kein Wunder, dass auch ich angesprochen und nach meiner Meinung gefragt wurde. Und mir fiel auf, dass die Stimmung nach dem Spiel gegen Hannover noch sehr optimistisch war. Nur ein Fan sagte zu mir: „Na, mit der Ansage auf Europa wohl die Klappe zu groß aufgerissen.“ Aber der Optimismus überwog: „Im letzten Jahr hätten wir das Unentschieden nicht mehr geholt“ – „Bei den Verpflichtungen muss man auf Europa hoffen“ – „Wir haben keine Lust mehr auf Abstiegskampf“ – „Kohfeldt lebt mit seinen offensiven Einwechslungen den notwendigen Mut vor“ – „Der Optimismus der Mannschaft gefällt uns“. Das war der Tenor der meisten Aussagen. Bestätigt wurden diese Meinungen auch durch unser Spiel in Frankfurt. Als der (berechtigte) Strafstoß gegen uns gegeben wurde, drohte die Mannschaft den Faden zu verlieren. Doch der Trainer gab mit den Einwechselungen von Claudio Pizarro und Milot Rashica das offensive Signal und wurde belohnt.

Noch ist das Glas halbvoll

Doch das Frankfurt- und erst recht das Nürnberg-Spiel haben auch gezeigt, auf welch dünnem Eis sich unsere Hoffnung auf Europa befinden. Ich bin eindeutig der Auffassung, dass die Ansage, Europa erreichen zu wollen, völlig richtig war. Aber wenn das gelingen soll, muss halt auch Vieles, wenn nicht sogar das Meiste bei unseren Spielen stimmen. Fehler – wie die missglückte Kopfballrückgabe von Ludwig Augustinsson gegen Frankfurt, die Verletzung von Jiri Pavlenka, aber auch das Verlassen des ausgegeben Matchplanes gegen Nürnberg – müssen die absolute Ausnahme sein.

Zwar fühlen sich fünf Punkte aus drei Spielen ganz gut an, insbesondere im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Aber es waren Spiele gegen Mannschaften, die Werder in der Tabelle hinter sich lassen muss. Das war auch die fast einhellige Meinung der Fans nach dem 1:1 gegen Nürnberg. Hinterfragt wurde natürlich auch die Auswechselung zum Schluss des Nürnberg-Spiels. Den Verteidiger Marco Friedl einzuwechseln war ein eindeutiges Signal, das 1:0 nur noch halten zu wollen. Wäre eine Einwechselung von Pizarro nicht ein deutlicher Hinweis gewesen, dass wir uns nicht völlig in die Defensive drängen lassen, sondern auch weiter nach vorne spielen wollen, so wie unser Team es richtig gut in der ersten Halbzeit gegen die „Clubberer“ gemacht hat?

Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Ich sage: Das Glas ist halb voll, weil die Integration der neuen Spieler noch gar nicht abgeschlossen sein kann. Aber, und das hat auch Werders vorbildlicher und selbstkritischer Kapitän Max Kruse gesagt, den Worten von Europa müssen auch Taten folgen. Am besten schon gegen den FC Augsburg!

Klaus-Dieter Fischer (77)

war von 2003 bis 2014 Präsident von Werder und einer von drei Geschäftsführern der Profiabteilung. Seit 2014 ist er Ehrenpräsident. Der 77-Jährige schreibt im wöchentlichen Wechsel mit Jörg Wontorra, Thomas Eichin, Christian Stoll und Lou Richter, was ihm bei Werder aufgefallen ist.


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