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Werder plant keinen Ersatz für den Stürmer
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Füllkrug wird in Augsburg operiert

Jean-Julien Beer 23.09.2019 12 Kommentare

(nordphoto)

Die Bremer Niederlage gegen Leipzig hat Niclas Füllkrug nicht im Stadion erlebt. „Das wäre nicht sinnvoll gewesen“, sagte Trainer Florian Kohfeldt am Sonnabend, „ich hatte den Tag über per SMS Kontakt mit ihm. Er soll sich operieren lassen und um seine Gesundheit kümmern. Natürlich werden wir ihn als Verein dabei begleiten.“

Die Operation wird schon zu Beginn dieser Woche erfolgen, nach Lage der Dinge beim anerkannten Kniespezialisten Dr. Boenisch in Augsburg, zu dem der 26-jährige Angreifer großes Vertrauen hat. Dabei wird der Riss des vorderen Kreuzbandes und ein Außenmeniskusriss im linken Knie repariert. Boenisch hatte erst vor wenigen Wochen den Bremer Kevin Möhwald ebenfalls am Knie operiert.

Kohfeldt: „Er wird wieder fit“

„Wir sind absolut davon überzeugt, dass Niclas zurückkommt“, betont Kohfeldt, „man muss keine Angst haben, dass er nicht wieder fit wird. Aber das wird dauern. Stumpf gesagt: Es ist ein simpler Kreuzbandriss, der geflickt werden muss. Und dann geht es weiter.“ Bei einem Kreuzbandriss muss man von mindestens sechs Monaten Pause ausgehen, bis Füllkrug dann wieder auf Bundesliga-Niveau mithalten kann, wird die Saison mit großer Wahrscheinlichkeit vorbei sein. Werder fehlt damit der zentrale Mittelstürmer, „er war überragend drauf und wichtig fürs uns“, sagte Philipp Bargfrede, der nach seiner eigenen Knie-OP gegen Leipzig erstmals wieder auf dem Feld stand.

Baumann plant keinen Ersatz

Dass Werder sich nun auf dem Transfermarkt nach einem arbeitslosen Angreifer umschaut, um Füllkrug einigermaßen zu ersetzen, schloss Sportchef Frank Baumann am Wochenende aus: „Das kann ich mir aus verschiedensten Gründen nicht vorstellen, das wird kein Thema sein. Wir haben trotz des Ausfalls von Niclas eine sehr gute Offensive mit Spielern, um die uns viele in der Bundesliga beneiden.“ Namentlich nannte Baumann dabei Yuya Osako, Josh Sargent, Johannes Eggestein, Claudio Pizarro, Milot Rashica und Leo Bittencourt. Zudem werde Fin Bartels auch wieder zu Verfügung stehen. „Niclas Füllkrug ist ein bitterer Ausfall für uns, gar keine Frage“, betonte Baumann, „trotzdem haben wir das Vertrauen in die Jungs, die noch da sind.“

Die Mannschaft erfuhr am Freitag im Teamhotel von der bitteren Diagnose. „Die Nachricht war ein Schock“, berichtete Michael Lang, „wir waren im Hotel und haben gemeinsam gegessen, als der Trainer mit dieser Meldung kam. Das ist sehr bitter. Gerade auch bei seiner Vorgeschichte. Es ist sehr traurig für ihn, er wird uns fehlen. Das tut sehr weh, und das steckt man nicht kurz weg.“ Bargfrede erklärte kurz und knapp: „Es ist der Wahnsinn.“

Kohfeldt: „Persönliche Tragik“

Besonders betroffen reagierte Kohfeldt. Füllkrug war sein absoluter Wunschspieler, trotz der Vorgeschichte mit drei Knorpelschäden an beiden Knien glaubte er fest an eine gute Saison des Angreifers bei Werder. Beide schätzen sich schon seit gemeinsamen Zeiten in der Werder-Jugend. „Wir kennen uns schon extrem lange“, erklärte Kohfeldt, „und ich war die letzten Jahre immer in Kontakt mit ihm. Ich habe immer verfolgt, welche Rückschläge er hatte, und wie er sich immer wieder zurückgekämpft hat.“ Noch im März saß Kohfeldt in Hannover bei Füllkrug in der Küche, um ihn von einem Wechsel zu Werder zu überzeugen: „Da habe ich ihm gesagt: Junge, du musst dranbleiben und weiter kämpfen, wir glauben an dich.“ Schließlich klappte der Transfer für 6,3 Millionen Euro Ablöse.

Kohfeldt spricht von einer „persönlichen Tragik“ im Fall Füllkrug, „das ist wirklich schwer für uns alle. Gar nicht so sehr, weil schon so viele fehlen. Selbst wenn gar keiner gefehlt hätte, wäre es ein trauriger Moment gewesen„. Denn schließlich habe sich Füllkrug überragend durch die Reha gekämpft und in den letzten Spielen mit Toren und Vorlagen für Werder in der Bundesliga gezeigt, „dass er brutal wichtig für uns ist und dass sich der ganze Aufwand für ihn gelohnt hat“.

Zweikampf in letzter Minute!

Und dann kam der Freitag, dieser unfassbare Moment, der Werder in eine Schockstarre versetzte. In der letzten Minute des Abschlusstrainings ging Füllkrug nach einem harmlosen Zweikampf mit Benjamin Goller schreiend zu Boden und hielt sich das Knie. „Das ist irre“, rang Kohfeldt noch einen Tag später um Worte, „und dann liegt er da, und jeder weiß in dem Moment: Das sind wieder sechs Monate Reha, das ist einfach so traurig.“ Auf dem Weg in die Kabine gab Kohfeldt erstmals überhaupt keine Autogramme und hielt auch nicht für Fotos an, „das ist sonst gar nicht meine Art, aber ich wollte unbedingt schnell rein zu Niclas in die Kabine.“

Dort lag der verletzte Stürmer auf einer Pritsche. Ganz kurz habe es einen Moment der Hoffnung gegeben, „weil es ihm ein bisschen besser ging“. Aber die Physios und das Trainerteam hätten gewusst, was passiert war. „Wir haben ihn zum MRT gefahren und dabei auch begleitet, weil wir wussten, dass der Moment schwierig wird“, sagte Kohfeldt. Er selbst sei zur Mannschaft ins Hotel gefahren und habe am Freitagabend mit Füllkrug telefoniert, um ihn aufzubauen. „Er weiß, dass wir ihn unterstützen werden“, sagt der Trainer, „er wird definitiv wieder für uns spielen.“

Dass dieser Transfer wegen der vorgeschädigten Knie riskant war, das war jedem bei Werder bewusst. Man hielt es für ein überschaubares Risiko. „Wir haben beide Knie intensiv untersucht vor dem Transfer, er hat hauptsächlich die Knorpelschäden gehabt an beiden Knien. Wir haben das überprüft, auch die Bänder und den Meniskus, einfach alles“, erklärte Baumann. Und weiter: „Da gab es die ganz klare Aussage, dass er ein richtig gutes Knie hat. Deswegen gibt es laut der Ärzte auch keinen Zusammenhang zwischen dem Kreuzbandriss und dem Knorpelschaden.“ Jetzt muss es erst Dr. Boenisch richten. Und dann muss Füllkrug mal wieder das machen, was er am besten kann: kämpfen!


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