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„Gewinn aus Stockelsdorf“

(mw) 19.05.2019 0 Kommentare

(Weser-Kurier Archiv)

Am 21. Mai 2014 schrieb der WESER-KURIER:

Gestern hat es Werder offiziell bestätigt: Rouven Schröder wird als neuer Sportdirektor neben Frank Baumann den Sportchef Thomas Eichin in Sachen Kaderplanung und Scouting unterstützen. Als Manager des Beinahe-Aufsteigers Greuther Fürth hat sich Schröder einen Namen in der Szene gemacht. Er sei ein akribischer Arbeiter, sagt er über sich selbst.

Erst mal sollte man etwas leisten, dann kann es auch bewertet werden. Eine solche Sichtweise gerät bisweilen in Vergessenheit, zu Unrecht. Rouven Schröder (38) hat sie sich zu eigen gemacht, er ist immer gut gefahren damit. „Arbeiten, arbeiten, arbeiten“, das sagt er nicht nur so, das könnte man auch als sein Credo bezeichnen. Er beschreibt sich als ehrgeizig, akribisch, zielstrebig. „Ich stehe dafür, dass ich sagen kann: Ich habe immer alles gemacht, um möglichst gut zu sein“, sagt er. In der gerade abgelaufenen Saison hat er
etwas abgeliefert, was die Szene aufhorchen ließ. Er krempelte als Sportdirektor von Greuther Fürth die Mannschaft um. Musste 20 Profis ziehen lassen, holte 16 neue. Fügte sie gemeinsam mit Trainer Frank Kramer zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen. Sie stieg beinahe in die erste Liga auf statt in die dritte ab. Letzteres hatten viele vorausgesagt. Rouven Schröder weinte, als alles vorbei war nach dem 1:1 im zweiten Relegationsspiel gegen den HSV. Es war emotional ein bisschen viel in diesem Moment. Das so
knapp verpasste Aufstiegswunder. Sein Abschied aus Fürth. Fürth war ihm eine zweite Familie geworden, aber eben eine zweite.

Seine erste besteht aus seiner Frau, einer vierjährigen Tochter, einem sechsjährigen Sohn; sie lebt in Stockelsdorf, einem Vorort von Lübeck, und das ist einfach ganz weit weg von Fürth. Der Sohn wird im
Sommer eingeschult, ein neuer Abschnitt für die Familie beginnt. Werder bestätigte gestern offiziell, dass Rouven Schröder Sportdirektor in Bremen wird. Man kennt sich schon länger, man kennt sich spätestens seit dem Leihgeschäft mit Niclas Füllkrug näher. Als Sportdirektor Frank Baumann, Assistent von Geschäftsführer
Thomas Eichin, seinem Chef mitteilte, dass er sich 2015 aus dem Geschäft zurückziehen möchte, sah Eichin
Handlungsbedarf. Schnell wurden die Gespräche intensiver, „schnell haben wir gemerkt, dass die Chemie stimmt“, sagt Schröder. Er erhält in Bremen einen Vertrag bis 2017 und wird vor allem in den Bereichen Kaderplanung und Scouting arbeiten.Frank Baumann wird sich stärker der Verzahnung mit der U 23 widmen, und alle drei, Eichin, Schröder, Baumann, wollen als Team funktionieren und wahrgenommen werden.

Wer gestern mit Eichin und Schröder sprach, landete fast automatisch beim Gedanken an den neudeutschen Begriff „Winwin-Situation“. Thomas Eichin wird nicht nur entlastet. Er bekommt einen Chefscout, der genau dem gesuchten Profil entsprechen dürfte. Weil Werder nicht mehr viele Millionen hat, um sie auf dem Transfermarkt einzusetzen, muss der Klub stärker denn je auf die Tugenden setzen, die ihn einst stark gemacht haben. „Wir müssen schneller und besser sein als andere“, sagt Eichin. Spieler finden, die andere übersehen. Spieler, die kleines Geld kosten und großes Potenzial haben. Er lobt sich selbst und nennt seine Einkäufe Garcia, Di Santo und Caldirola als Paradebeispiele. Schröder, bestens vernetzt in Liga zwei und drei, in Skandinavien sowie den Benelux-Staaten, soll diesen Weg nun ab Sommer mitgestalten. Überschrift: Intelligente Transfers.

Wenn man so will, ist Rouven Schröder ein intelligenter Transfer, um intelligente Transfers hinzubekommen.
Schröder selbst spricht vom „Gesamtpaket“, das einen guten Transfer ausmachen würde. Viel Kommunikation gehöre dazu. Vertrauen, Teamarbeit, schlanke Entscheidungswege, Gespür, alles das. „Jeder guckt ein Fußballspiel anders“, sagt er, „aber du musst ein Gefühl bekommen: Passt dieser Spieler auch? Welche Wirkung hat er auf die anderen Spieler? Einen Kader muss man nicht nur planen. Man muss ihn
auch leben.“ Er ist gleich im Thema, wenn man mit ihm telefoniert. Die Vorteile für Schröder liegen auf der
Hand. Der ehemalige Verteidiger, der für den VfL Bochum und den MSV Duisburg vornehmlich in der 2. Bundesliga spielte, ist seiner Familie jetzt viel näher als früher und verdient dabei auch noch mehr Geld.

Er hat sich, ohne den Namen und die Leistung der SpVgg Greuther Fürth kleinreden zu wollen, beruflich verbessert. Es ist mehr als eine politisch korrekte Grußadresse, wenn er sagt: „Ich bin dankbar, dass sich
diese Möglichkeit ergeben hat und ich mich dem SV Werder anschließen darf.“ Er freut sich auf den neuen Job. Er hat „ein richtig gutes Gefühl, was Tolles anzupacken“. Anpacken, das scheint auch so eine Art Lieblingswort von ihm zu sein. Das wird man in Bremen gerne hören. Anzupacken gibt es hier genug.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).

 


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