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Ehrenpreis für Pizarro
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„Gottes Geschenk an den SV Werder“

Christoph Bähr 04.09.2019 0 Kommentare

(Nordphoto)

Wieder eine Ehrung – Claudio Pizarro kennt diese Termine gut, Preise gewinnt der Werder-Stürmer so regelmäßig wie andere einkaufen gehen. Und doch wurde der 40-Jährige überrascht, als er am Mittwochabend den Ehrenpreis des Bremer Amateurfußballs bekam. Werders ehemaliger Schatzmeister Manfred Müller begrüßte Pizarro bei der Veranstaltung mit einem Teppich in der Hand, und der Peruaner war erst einmal sprachlos. Müller lieferte sogleich die Erklärung zu dieser skurrilen Geste: Den kleinen, flauschigen Teppich aus Peru mit einem Alpaca darauf bekam er vor rund 20 Jahren von Pizarros Vater Claudio Senior geschenkt, nachdem Werder die Verpflichtung von Claudio Junior perfekt gemacht hatte. Sogar der kleine Zettel hing noch dran, den Papa Pizarro damals geschrieben hatte.

Es war ein Abend, um in Erinnerungen zu schwelgen und um Claudio Pizarro, dem inoffiziellen König von Bremen, zu huldigen. Am 16. Februar 2019 hatte er das 1:1 für Werder bei Hertha BSC erzielt und wurde damit zum ältesten Torschützen der Bundesliga-Geschichte. „Da haben wir uns gefragt: Was bekommt man eigentlich dafür?“, erzählte Laudator Birger Winkelvoss, Präsident des FC Oberneuland. Die Antwortet lautete: nichts. Also entstand die Idee, Pizarro einen Preis zu verleihen – weil er der älteste Torschütze ist, aber auch weil er ein leuchtendes Vorbild für alle Amateurfußballer darstellt, wie Winkelvoss hervorhob. Die Bremer Silberwarenmanufaktur „Koch & Bergfeld“ fertigte eine Trophäe an, in die der jubelnde Pizarro eingraviert wurde. Der Bremer Fußballverband verlieh diesen Preis, und Pizarro bekam ihn nun.

Vorbild für Amateurfußballer

„Im Profifußball ist es etwas Einzigartiges, dass er mit 40 Jahren noch Tore schießt, im Amateurfußball ist das nichts Besonderes“, sagte Winkelvoss. „Wir haben Ü40- und Ü50-Mannschaften, die für uns Vereine sehr wichtig sind. Aus ihnen rekrutieren wir unsere Trainer, Betreuer, Sponsoren und Funktionäre.“ Pizarro sei ein leuchtendes Vorbild für alle Amateurfußballer, unterstrich Winkelvoss. „Er steht für Fairness, Teamgeist, Fröhlichkeit und Spaß am Spiel.“ Bis zum Saisonende will Pizarro noch für Werder spielen und möglichst viele Tore erzielen. Jeder Treffer, den Pizarro noch schieße, werde nachträglich auf dem Ehrenpreis eingraviert, versicherte Winkelvoss. „Der Sockel kann dafür sogar vergrößert werden.“

Wie es damals vor 20 Jahren anfing mit Werder und Pizarro, erzählte Jürgen L. Born. Der ehemalige Werder-Boss berichtete von den Vertragsverhandlungen mit Vater Pizarro und Berater Carlos Delgado, bei denen reichlich Alkohol floss. Betis Sevilla wollte das Sturmtalent aus Peru ebenfalls verpflichten, doch Werder hatte die Nase vorn. Zum Glück. Kaum ein Spieler hat den Verein seitdem derart geprägt wie Pizarro. „Er ist Gottes Geschenk an den SV Werder“, sagte Born. Das klang reichlich dick aufgetragen, doch alle im Raum nickten nur zustimmend.

Und Claudio Pizarro? Der lächelte sein Pizarro-Lächeln, nahm den Preis routiniert entgegen und betonte: „Diese Ehrung ist was Besonderes für mich.“ Im Hintergrund funkelten dabei die Meisterschale, der DFB-Pokal und die Champions-League-Trophäe, die bei „Koch & Bergfeld“ hergestellt werden. All diese Pokale hat Pizarro schon gewonnen, dazu hat er unzählige Ehrungen erhalten. Er wisse aber jeden dieser Preise zu schätzen, versicherte Pizarro. Zu Hause hat er dafür eine Vitrine. Dort komme nun auch der Ehrenpreis des Bremer Amateurfußballs hinein, erzählte Pizarro. „Die ist noch nicht voll.“


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