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Fin Bartels über sein Comeback
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„Ich bin noch nicht fertig!"

Malte Bürger 07.07.2019 0 Kommentare

(nordphoto)

Es soll ja Spieler geben, die hassen Saisonvorbereitungen. Im Grunde sind es die meisten Profis, die nicht besonders scharf darauf sind, wenn sie bei relativ hoher Hitze intensiv an ihrer Form feilen sollen. Auch Fin Bartels gehört nicht gerade zu den Liebhabern der Schinderei – vor allem weil die vergangenen anderthalb Jahre schon hart genug für ihn waren. Aber sie sind auch der Grund, warum er sich trotzdem mehr als jeder andere über die Reise ins Zillertal freut. Endlich, ja endlich, darf er wieder regelmäßig das tun, was er so liebt: Fußball spielen.

„Es war nicht immer einfach, sich Tag für Tag zu motivieren und dann wieder im Kraftraum oder allein auf dem Platz mit dem Reha-­Trainer zu arbeiten“, sagt Bartels heute, wenn er an seine nicht enden wollende Auszeit denkt. Im Dezember 2017 riss ihm im Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund die Achillessehne, es folgte eine quälend lange Zeit des Wartens. Die Mannschaft entwickelte sich unter Florian Kohfeldt vor allem in der Offensive zu einer attraktiven Adresse und begeisterte die Fans phasenweise ebenso wie das gesamte Fußballdeutschland – nur Fin Bartels fand dabei nicht statt. Dabei war er zuvor ein nicht unwichtiges Puzzleteil gewesen.

„Im vergangenen August, September war ich eigentlich schon relativ weit“, erinnert sich der 32-Jährige, „doch dann haben sich immer wieder gewisse Baustellen im Körper aufgetan und mich um mehrere Monate zurückgeworfen.“ Dabei war es gar nicht zwingend der Fuß, der Probleme bereitete, sondern der restliche Körper, der die Belastung nicht immer gut vertrug. Und so musste Bartels warten. Und warten. Und wieder warten. „Du arbeitest jeden Tag wie ein Verrückter, hast am Ende aber nicht diese Belohnung, auf die du hinarbeitest.“ Bartels meint die Spiele am Wochenende. Wenn die Kollegen auf dem Platz jubelten, saß er nur als Zuschauer auf der Tribüne. Das schmerzte mehr als die Verletzungen an sich. „Man kann sich zwischendurch sagen, dass man diesen Druck nicht hat und alles entspannter ist, aber irgendwann fehlt dir genau das.“

Im vergangenen Frühjahr kehrte er dann doch zurück. Erst für zwei Spiele in Werders U 23, bei dem ihm sogar ein Treffer gelang, dann folgten zwei umjubelte Kurzeinsätze in der Bundesliga. Die Fans, das war zu spüren, sie hatten Fin Bartels nicht vergessen. Im Gegenteil: Sie sehnten sich fast nach seiner Rückkehr. „Ich habe immer wieder riesigen Zuspruch bekommen, mir wurde häufig gesagt, dass ich trotz der Erfolge von Werder fehle. Das hat mich richtig gefreut.“ Dann allerdings streikte der Körper abermals, ein Muskelfaserriss im Adduktorenbereich hatte sich erneut bemerkbar gemacht. Wieder Pause, das Mini-Comeback war ebenso wie die Saison beendet.

Doch das ist abgehakt. Bartels hat in der Sommerpause viel gearbeitet und legt jetzt im Trainingslager nach. „Mir geht es richtig gut“, sagt er glücklich. „Ich bin auf einem guten Fitnessstand und kann alles mitmachen.“ Wenn er so wie am Freitagnachmittag bei einer Einheit aussetze und stattdessen individuell im Hotel arbeite, sei das keineswegs ein Rückschlag, sondern ein ganz normaler Teil seines jetzigen Alltags. „Man ist ein bisschen sensibler vor und nach den Trainings“, gibt er zu, „ich bin jetzt auch häufiger bei den Physios.“ Mit gebremstem Eifer geht er trotzdem nicht auf den Platz. Das beweist auch sein derzeitiger Muskelkater. „Jetzt gerade ist es hart“, sagt Bartels lachend. „Wahrscheinlich merke ich das Training im Moment mehr als alle anderen.“

In der Zeit, in der Fin Bartels gefehlt hat, ist in Werders Offensive viel passiert. Milot Ra­shica ist der neue Star des Angriffs, Bartels’ kongenialer Sturmpartner Max Kruse mittlerweile nicht mehr da. „Natürlich wird er mir ein Stück weit fehlen“, sagt der gebürtige Kieler, „aber auch ich werde es ohne Max hinkriegen“. Der Mannschaft gehe es schließlich ganz genauso.

Nach dem Kruse-Abgang wird insbesondere im Zillertal intensiv daran gearbeitet, wie Werder künftig den Weg zum Tor finden will. Das Bremer Spiel könnte sich verändern, auch Fin Bartels muss sich eventuell umstellen. „Ich glaube aber, dass der Trainer gar nicht will, dass ich mein Spiel groß ändere“, sagt der 32-Jährige. „Natürlich muss ich mich an die Formationen und Taktiken halten und mich anpassen, aber gerade im Offensivspiel hat man ja auch seine Freiheiten und kann seine Kreativität einbringen. So machen es Milot oder auch Martin Harnik. Jeder hat seine eigenen Stärken.“

Wenn alles weiterhin nach Plan läuft, dann will Fin Bartels pünktlich zum ersten Pflichtspiel genau das auch wieder tun. „Ich habe das Ziel, dass ich zum Ende der Vorbereitung voll da bin.“ Wenn das tatsächlich gelingt, hat Werder im Grunde einen weiteren echten Zugang, eine zusätzliche Verstärkung im Team. Bleibt nicht aber doch etwas Skepsis? Was passiert, wenn es doch nicht klappt? „Ich hatte nie den Gedanken, dass ich nicht mehr fit werde“, betont Bartels. „Ich will gesund Fußball spielen.“ Und dann sagt er fast überhörbar und ganz nebenbei einen Satz, der die Angriffsfreude von Fin Bartels ziemlich genau auf den Punkt bringt: „Ich bin noch nicht fertig.“


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