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Wie Werder Verstärkungen auf Leihbasis sucht
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Im Austausch mit Europas Top-Klubs

Christoph Sonnenberg und Jean-Julien Beer 31.05.2019 3 Kommentare

(nordphoto)

Ein paar Jahre ist es her, da handelte Thomas Eichin, damals Geschäftsführer Sport, eine Kooperation zwischen Werder und Juventus Turin aus. In erster Linie sollte es um Spieler gehen, die Werder ausleihen oder hätte kaufen können. Auch im Marketing wollten beide Klubs zusammenarbeiten. Und nicht zuletzt im Scouting, wo Werder Zugriff auf die Datenbank des italienischen Rekordmeisters haben sollte. Ein paar Mal reiste Thomas Eichin seinerzeit nach Turin, immer wieder führte er Gespräche, etliche Namen wurden in den Medien als potenzielle Neuzugänge gehandelt. Abgewickelt wurde ein Transfer jedoch nie.

Im Sommer 2016 musste Eichin gehen, Frank Baumann folgte ihm und beendete die Kooperation mit Juventus nach Amtsantritt sehr schnell. Eichin hatte die Zusammenarbeit zunächst viel Aufmerksamkeit und Lob gebracht, als kein Geschäft zustande kam, fiel ihm die groß angekündigte Bindung an Juventus auf die Füße. Kooperationen dieser Art gibt es weiterhin, nur sind sie nicht mehr schriftlich fixiert. „Ich halte von fest vereinbarten Kooperationen zwischen Vereinen nicht viel“, sagt Baumann.

Liverpools Grujic in Werders Fokus

Der Sportchef steht trotzdem im ständigen Austausch mit vielen Vereinen, darunter europäische Top-Klubs. Leihgeschäfte, wie Eichin sie mit Turin einst plante, bleiben für Werder unter bestimmten Aspekten weiterhin eine interessante Option. Konkret geht es derzeit um Marko Grujic, Mittelfeldspieler vom FC Liverpool. Werder will den 23-Jährigen für zwei Jahre ausleihen, die Gespräche laufen. Ohne sich dabei auf Grujic zu beziehen, sagt Baumann: „Es kann durchaus sein, dass wir einen Spieler von einem größeren Verein ausleihen, der dort nicht so zum Zug kommt, uns aber sofort weiterhelfen könnte. Solche Gedanken spielen in unseren Plänen eine Rolle.“

Vor ein paar Monaten, im März, stattete Per Mertesacker Werder einen Besuch ab. Es war ein Treffen unter Freunden, aber es ging dabei auch um eine Zusammenarbeit. Mertes­acker leitet beim FC Arsenal mittlerweile die „Arsenal Academy“, die Nachwuchsabteilung des Klubs. In den Gesprächen mit Baumann ging es um die Frage, wie beide Klubs vonein­ander profitieren können. „Es geht hier zunächst um einen inhaltlichen Austausch: über Ausbildung und Vereinsstrukturen“, erklärt Baumann. „Das ist ein gegenseitiger Austausch, wo wir von Arsenal mit Sicherheit vieles lernen können – wo aber auch Per und Arsenal sich bei Klubs wie Werder umschauen.“

Mertesacker hatte eine Liste dabei

Es soll jedoch recht konkret gewesen sein, was beide Parteien am 20. März besprochen haben. Im Gepäck soll Mertesacker eine Liste mit Spielernamen gehabt haben, die der FC Arsenal verleihen möchte. Baumann mag das so nicht bestätigen, er sagt: „Natürlich gibt es immer einen Austausch über verschiedene Spieler, aber diesen Austausch pflegen wir nicht nur mit Arsenal, sondern mit vielen Spitzenklubs.“

Darunter sind die namhaftesten Vereine Europas. Arsenal, Chelsea, Real, Manchester City, Bayern oder Juventus zählt der Sportchef auf und erklärt: „Es sind die großen Klubs, wo wir darauf schauen, welcher junge Spieler dort nicht zum Zug kommt und vielleicht einen Zwischenschritt braucht und uns sportlich weiterbringt.“ Es geht um Spieler, die sofort sportlichen Mehrwert bieten, keine Perspektivspieler, betont Baumann: „Einen U 17-Spieler für ein Jahr auszuleihen, der bei uns noch nicht so zum Einsatz kommen wird, macht für Arsenal und für uns wahrscheinlich wenig Sinn.“

Werder verleiht auch selbst

Dieses Prinzip wendet Werder selbst ebenfalls an: Bei jungen Profis, die noch nicht bereit sind für die Bundesliga – die aber der Regionalliga, in der die U 23 aktuell spielt, sportlich entwachsen sind. Baumann ist hier im Austausch mit Klubs aus der 2. oder 3. Liga, auch aus Österreich, Holland, der Schweiz oder Dänemark. Mit dem Ziel zu schauen, „wo wir vielleicht unsere jungen Spieler platzieren können und den Jungs mit einem Zwischenschritt weiterhelfen können“. Wie Niklas Schmidt, der vergangene Saison für Wehen Wiesbaden in der 3. Liga spielte. Oder Romano Schmid, derzeit an den österreichischen Erstlisten Wolfsberger AC verliehen.

Ob und zu welchen Bedingungen es lohnt, einen Spieler auszuleihen, wird individuell betrachtet. Spieler von Top-Klubs kosten mittlerweile sehr viel Geld. Der belgische Nationalspieler Divock Origi, vorvergangene Saison von Liverpool an Wolfsburg verliehen, kostete den VfL allein an Leihgebühr drei Millionen Euro – zuzüglich eines Millionengehalts.

So kommt für ein Jahr schnell ein hoher einstelliger Millionenbetrag zusammen für einen Spieler, der nach 34 Saisonspielen wieder weg ist. Trotzdem werden solche Bedingungen immer häufiger akzeptiert. „Inzwischen ist so viel Geld im Fußball im Umlauf, dass es immer gleich mehrere Klubs gibt, die bereit sind, solche Summen zu zahlen“, sagt Baumann.

Eine weitere Frage ist, ob die Laufzeit von einem Jahr sinnvoll ist. Oft braucht ein Spieler Zeit, sich an einen neuen Klub oder eine neue Liga zu gewöhnen. An eine neue Sprache, eine andere Kultur. Diese Hürden in nur einer Saison zu überwinden, ist manchmal schwer. Es gibt aber auch andere Beispiele.

De Bruyne war das beste Beispiel

2012 holte Werder Kevin De Bruyne für eine Saison von Chelsea, ohne die vertraglich festgeschriebene Möglichkeit, ihn zu kaufen. Es waren am Ende aber maßgeblich De Bruynes Leistungen, die Werder die Klasse sicherten: Zehn Tore und zehn Vorlagen in 34 Spielen waren eine ausgezeichnete Bilanz. Beide Seiten profitierten von diesem Leihgeschäft.

Kategorisch ausschließen will Baumann das Ein-Jahres-Modell deshalb nicht, wenn Real, ManCity oder Juventus einen Vorschlag unterbreiten. „Wenn wir jetzt wieder einen Spieler wie damals Kevin De Bruyne von Chelsea für ein Jahr ausleihen könnten, der uns in dem Jahr sportlich weiterhilft, dann ist das durchaus eine Option, so einen Spieler auch nur für ein Jahr auszuleihen“, sagt Baumann.

Es gibt ein aktuelles Beispiel, das ebenfalls zeigt, dass die Variante kurze Laufzeit ohne Kaufoption nicht grundsätzlich auszuschließen ist. „Bei Marco Friedl lief der Leihvertrag mit Bayern München über eineinhalb Jahre“, sagt Baumann. Ebenfalls ohne zugesicherte Option, den Verteidiger zu kaufen. In diesem Fall war es Friedl, der bei Werder bleiben wollte. Und ein Spieler, der sich klar positioniert, vereinfacht die Verhandlungen immer. Friedl ist nun fest zu Werder gewechselt. Manchmal sind eben Geduld und Zutrauen gefragt, damit sich ein Leihgeschäft in die richtige Richtung entwickeln kann.


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