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Zurückgeblättert: 6. Januar 2009
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„Kalt erwischt“

mw 05.01.2019 0 Kommentare

(Archiv Weser-Kurier)

Der WESER-KURIER schrieb am 6. Januar 2009:

Peter Niemeyer traf es besonders hart. In Dubai war es warm über den Jahreswechsel, so um die 22 Grad, und als der Werder-Profi aus dem Urlaub zurückkehrte, fuhr ihm die deutsche Kälte ins Mark. Zum gestrigen Trainingsauftakt zeigte sich Niemeyer akklimatisiert: In kurzer Hose lief er bei der ersten Einheit 2009 auf, und anschließend sprach er davon, auch die Ärmel aufkrempeln zu wollen. Und zwar in Bremen. Für den einst Wechselwilligen ist ein Wechsel vom Tisch, eine durchaus wichtige Nachricht. Denn eine Reihe von Ausfällen hat Werder kalt erwischt.

Beim Laktattest, der obligatorischen Fitnessüberprüfung auf Platz 11, fiel der personelle Fehlbestand noch gar nicht einmal so gewaltig ins Auge. In Ordnung, Petri Pasanen war nicht dabei, Martin Harnik nicht, und Aaron Hunt ebenso wenig wie Sebastian Prödl. Dafür liefen aber ehedem Verletzte wie Daniel Jensen oder Hugo Almeida ihre Runden und ließen sich brav das Blut aus den Ohrläppchen zapfen – nur dass sich das mit dem „ehedem“ als fragwürdiges Attribut erweisen sollte. Mit Ausnahme des Finnen Pasanen (Magen-Darm-Grippe) stellte Trainer Thomas Schaaf bei allen voran: „Wird wahrscheinlich fürs Trainingslager ausfallen.“

Ausgebucht aus der Reisegruppe Belek ist bereits Aaron Hunt – seine Patella-Sehne bereitet Probleme, die bereits „Ende der Hinrunde wieder verstärkt“ aufgetreten waren. Und da die Krankengeschichte des erst 22-Jährigen zu den umfangreichsten Bremer Lazarettakten zählt, ahnt Schaaf nichts Gutes: „Wir müssen sehr vorsichtig sein.“

Bei Prödl und Harnik haben sich alte Verletzungen (jeweils Bänderriss im Sprunggelenk) als überaus hartnäckig erwiesen, ähnlich ist der Fall bei Daniel Jensen (Leistenprobleme) gelagert. Er lief zwar gestern, doch Belek ist weiter weg für den Dänen als nur die knapp 2500 Kilometer bis an die türkische Riviera. Einzig bei Hugo Almeida ist Schaaf vorsichtig optimistisch: „Es sieht gut aus. Mal sehen, ob es reicht für das Trainingslager.“ Der Portugiese war gestern erstmals wieder gelaufen, nachdem er sich Anfang Dezember im Spiel in Karlsruhe das Steißbein angebrochen hatte – eine schmerzhafte und langwierige Angelegenheit.

„Ich hoffe, dass nicht allzu viele dazukommen“, sagte Schaaf, als er seine Aufzählung beendet hatte – und flüchtete sich in Ironie: „Da sind wir ja Experten.“ Die Befürchtung des Trainers liegt auf der Hand. Wenn das Quintett auch nur kurzfristig ausfällt, verpasst es mindestens einen Teil der wichtigen Wintervorbereitung. Je länger die Fehlzeiten, desto größer das Übel. Und zum Wiederbeginn der Bundesliga-Saison am 1. Februar gegen Bielefeld fehlen ohnehin zwei Stammspieler: Diego und Pizarro.

Ihre Dummheiten aus dem Karlsruhe-Spiel mit den nachfolgenden Sperren bekommen nun doppelt Gewicht. So hat Thomas Schaaf gestern vorsorglich erklärt, das an Abgänge in der Winterpause eigentlich nicht (mehr) zu denken ist. „Wenn ich im Moment einen abgeben würde“, sagte der Coach, „würde ich auch dafür sorgen, dass ein Neuer kommt.“ Das von Sportdirektor Allofs angedeutete Aussortieren einiger Kräfte fällt schwer – oder womöglich ganz aus. Ein Abschied von Boubacar Sanogo beispielsweise, der ein Angebot aus Marseille vorliegen haben soll, ist praktisch undenkbar. Denn außer ihm und Markus Rosenberg gibt’s derzeit keine gesunden Stürmer mehr, die beim Liga-Start spielen dürften.

Zumindest bei Defensivspieler Peter Niemeyer ist das Thema eines Winterwechsels vom Tisch, den er vor Weihnachten und Dubai-Urlaub selbst noch zur eigenen Priorität erhoben hatte. Doch mittlerweile – nach zwei Kurzeinsätzen in Champions League und Bundesliga vor der Winterpause – sieht er wieder Chancen, doch noch Fuß zu fassen in Bremen, „wenn ich fit bleibe“. Möglicherweise entsprachen aber auch die Angebote für einen Leihspielerstatus nicht so ganz dem Geschmack des früheren U-21-Nationalspielers: Cottbus sowie einige Zweitligisten hatten sich gemeldet.

„Ich stelle mich der Konkurrenz“, sagte der 25-Jährige gestern, als er die mit Eisplatten übersähte Laufbahn verlassen hatte: „Gerade ist es losgegangen.“ Dank der Ausfälle ist die Konkurrenz überschaubar – und die Chance für Niemeyer groß.

Das hochauflösende PDF der Original-Zeitungsseite gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).


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