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Zurückgeblättert: 22. Juni 1994
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„Kopfballtor gegen Rune Bratseth..."

(mw) 22.06.2019 0 Kommentare

(Archiv Weser-Kurier)

Am 22. Juni 1994 schrieb der WESER-KURIER:

Werder-Spieler bei Fußball-Weltmeisterschaften, das ist nicht gerade ein ruhmreiches Kapitel für den Spitzenklub von der Weser. 1982 in Spanien riß Uwe Reinders keine Bäume aus, 1986 in Mexiko kam Rudi Völler von Vizemeister Werder nach Verletzungspause nicht recht in Tritt. Und vier Jahre spater in Italien holte Deutschland ganz ohne Bremer Beteiligung den Titel, wenngleich Günter Hermann zum Aufgebot gehörte. Doch „Jimmy„ schaffte es nicht einmal bis zum Reservisten-Trikot, wurde deswegen später sogar als „Weltmeister Hermann“ auf den Arm genommen.

Auch Mario Basler hat das mehrfach gehört. So war die halbe Stunde, in der er gegen Bolivien auf dem Platz stand, für ihn unabhängig von seiner Leistung erst einmal persönliche Befriedigung. „Egal, was weiter passiert, ich habe schon gespielt. Mir kann es nicht mehr wie Günter Hermann ergehen„, sagte der 25-Jährige und nahm es nicht sonderlich tragisch, daß sein WM-Debüt wenig beeindruckend verlaufen war. „Ich habe Fehler gemacht“, räumte er ein, vor allem ein Schnitzer trieb ihm noch einige Tage später den Schweiß auf die Stirn: „ Gleich nach ein paar Minuten habe ich eine lange Flanke an unserem Strafraum total unterschätzt. Und wenn der Bolivianer die Riesenchance genutzt hätte, wäre ich der Depp der Nation gewesen.„ Doch zum Glück für Basler und die Fußballnation verschoß der Gegner, Werders einziger Mann im DFB-Team ist sicher, daß es dennoch ein heilsamer Schock war. „Den Fehler werde ich nicht wieder machen. Ich habe mit dem Bundestrainer über meine Probleme in der Defensive gesprochen und glaube, daß ich das jetzt besser im Griff habe.“

So ist er sicher, daß die Weltmeisterschaft für die Deutschen und auch für ihn noch lange nicht zu Ende sein wird. „Mit dem Halbfinale rechne ich, und ich weiß, daß ich dazu noch einiges beitragen werde", sagt Mario Basler, ohne daraus Ansprüche bei Berti Vogts abzuleiten. „Ich denke, daß ich zu den besten 13 Feldspielern im Aufgebot gehöre, aber zehn können nur auflaufen. Da muß man doch zufrieden sein, wenn man im engeren Kreis ist." Der Mann, dessen Selbstbewußtsein in der Heimat zuweilen schon die Grenzen der Arroganz streifte, hat sich in den vier Wochen Nationalmannschaft offenbar besser eingeordnet, blickt heute sogar zuweilen voller Verwunderung auf den eigenen Weg zurück: „Wenn ich mir überlege, daß ich in neun Monaten den Sprung vom Zweitligisten bis ins WM-Team geschafft habe, kann man fast hoffen, daß wir nicht auch noch Weltmeister werden. Dann könnte ich ja eigentlich nur noch abtreten, mehr geht nicht mehr."

Derzeit geht es ihm vor allem gut, Mario Basler rühmt Atmosphäre und Klima im DFB-Quartier Oak Brook über alle Maßen. Selbst die Frage, ob er nicht die gelegentliche Zigarette vermisse, mit der man ihn in Bremen schon hin und wieder sieht, bringt ihn nicht aus der Fassung. „Ich habe ein Raucherzimmer im Hotel, bei mir stehen genügend Aschenbecher herum„, grinst Mario Basler und ist auch schnell mit der Antwort bei der Hand, als er nach seinem größten Wunsch für die nächsten Wochen in den USA gefragt wird. Ins Finale möchte er kommen, am liebsten gegen Norwegen, um seinen ehemaligen Bremer Mannschaftskameraden Bratseth mal wieder zu treffen. „Und dann ein Kopfballtor im Duell mit Rune, das wäre das Allergrößte.“ Das wäre, mit Verlaub, allerdings schon eher ein kleines Wunder.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).


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