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Klub-Empfang für die Werder-Legende
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Lorenz: „Ich will 90 werden und dann wieder feiern"

Christoph Sonnenberg 14.08.2019 2 Kommentare

(nordphoto)

Die Gästeliste ist lang und prominent besetzt. Uwe Seeler kommt, Erich Ribbeck, Wolfgang Overath und Willi Holdorf. 180 Gäste sind am kommenden Montag dabei, wenn Max Lorenz seinen 80. Geburtstag feiert. Ihm zu Ehren richtet Werder einen Empfang im VIP-Bereich des Weserstadions aus. Der Klub feiert einen der ganz großen Spieler, Lorenz war ein wichtiger Teil der Mannschaften, die 1961 erstmals den DFB-Pokal gewann und 1965 den ersten Deutschen Meistertitel.

Überrascht war Lorenz dennoch, als Werder ihm die Pläne einer Feier mitteilte. „Das alles ist sehr stilvoll", sagt er. Die Begrüßungsworte spricht Präsident Hubertus Hess-Grunewald, eine Rede hält Jürgen Born. Auch Seeler wird sprechen und Lorenz' Söhne Sven und Marc. Am späten Nachmittag geht es bei Grothenn's Gasthaus weiter, also dort, wo Lorenz herkommt: Hemelingen.

„Ich bin dankbar, dass Werder mir als Hemelinger eine Chance gab„, sagt Lorenz über die Anfänge bei dem Verein, der zu seinem Herzensklub werden sollte. 1960 wechselte er zu Werder und wurde schnell zum Stammspieler. „Ich war nie verletzt“, sagt Lorenz und gut war er im linken Mittelfeld außerdem. Erst feiert er mit Werder den Pokalsieg, dann die Meisterschaft. Er spielt mit Arnold „Pico„ Schütz zusammen, der ein enger Freund wurde. Und mit Willi Schröder, der als Mittelstürmer nicht schlechter gewesen sei als Fritz Walter, der Weltmeister. „Willi war so gut, der konnte um die Ecke schießen.“

255 Spiele für Werder

Und mit Werder sieht er die Welt. New York, Chicago und Los Angeles sind die Stationen eines Turniers in den USA, an dem Werder in den 60'er Jahren teilnahm. „Als junger Bengel habe ich unglaublich viel gesehen", sagt Lorenz, der bei Kaffee Jacobs eine Ausbildung zum Kaffeekaufmann absolvierte. Er hat in der Rösterei gearbeitet, im Innen- und Außendienst, aber dann kam der Fußball und führte ihn in ein anderes Leben.

255 Spiele macht Lorenz für Werder, 176 davon in der Bundesliga, die 1963 eingeführt wurde. 71 Einsätze für Braunschweig kommen später hinzu. Und 19 Länderspiele, was nicht üppig klingt, aber Lorenz war bei zwei Weltmeisterschaften dabei, 1966 in England und 1970 in Mexiko. Nach dem Finale in Mexico City, Brasilien gewann 4:1 gegen Italien, spazierte Lorenz in die Kabine der Brasilianer und ließ sich ein Trikot von Pelé schenken und signieren. Es hing dann später bei Kaffee Joacobs im Schaufenster. Das Trikot von Pelé ist eins der ganz wenigen, die er noch besitzt. „Sammeln war nicht so mein Ding", sagt Lorenz. Er hat lieber Erlebnisse gesammelt.

Wer Lorenz zuhört, wie er über sein Leben spricht – er macht das so lebensnah, dass man ihn kaum unterbrechen mag –, könnte glauben, die Geschichten reichen für zwei Leben. „Dafür bin ich dankbar„, ist ein Satz, der immer wieder fällt. So bunt und lebensfroh die Ereignisse auch sind, die Lorenz erzählt, es gab auch dunkle Momente. Im Herbst vergangenen Jahres wurde er am Herz operiert. Es gab Komplikationen, zehn Tage lag Lorenz im Koma, 21 auf der Intensivstation. „Ich habe den lieben Gott schon kennengelernt“, beschreibt Lorenz die Zeit, als sein Leben auf der Kippe stand.

„Ich will 90. werden und dann wieder feiern"

„Und plötzlich bin ich 80„, sagt er. „Das glauben mir die Leute gar nicht.“ Gerade sei er beim Bäcker gewesen und haben von seinem Geburtstag erzählt, der habe es kaum glauben können. Wenn Menschen sein Alter schätzen, „komme ich noch gut weg„, sagt Lorenz. Vielleicht, weil er das Leben mag und schätzt, weil er es lebt, statt es nur zu ertragen. „Ich will 90. werden und dann wieder feiern“, antwortet er auf die Frage, was er sich zum 80. Geburtstag wünscht.

Franz Beckenbauer hat übrigens abgesagt, dafür aber einen sehr herzlichen Brief geschrieben. Beckenbauer kann aufgrund gesundheitlicher Beschwerden nicht nach Bremen kommen. Lorenz versteht das. Und er ist dankbar, dass es ihm wieder besser geht.


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