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Werder vs. HSV
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Mit Lust ins Nordderby

Nikolai Fritzsche 16.04.2017 3 Kommentare

Haben die Werder-Profis auch gegen den HSV Grund zum Jubeln?
Haben die Werder-Profis auch gegen den HSV Grund zum Jubeln? (nordphoto)

Kopfball Kruse, Kopfball Johannsson, Nouri mit der Innenseite im hohen Bogen zu Kruse, der mit der Innenseite rüber zu Bauer. Es ging noch eine Weile so weiter, der Ball berührte den Boden nicht, sondern blieb in der Luft – bis einer ihn mit so viel Wucht traf, dass er weit aus dem mit Hütchen markierten Quadrat herausflog. Vorbei war die Ballstafette, vorbei war die Übung – die eigentlich ganz anders gedacht ist: Zwei Spieler jagen in der Mitte dem Ball hinterher, versuchen, Pässe abzufangen.

Und die, die sich an den Rändern des Quadrats befinden, versuchen, ihnen das möglichst schwer zu machen – indem sie das Tempo hoch und den Ball flach halten. Weil man feste, flache Pässe besser annehmen und besser direkt weiterleiten kann als hohe Bälle. Die sind eigentlich nicht erwünscht – weil sie den Spieler, bei dem sie landen, oft in Bedrängnis bringen.

Als Werders Profis im Abschlusstraining am Sonnabend in Gruppen sechs gegen zwei spielten, war das der Gruppe, in der Alexander Nouri mitkickte, irgendwann egal. Die Spieler und ihr Trainer hatten einfach Lust, mal ein bisschen Quatsch zu machen. Gejohle begleitete jeden gelungenen Kopfball und Volley-Pass. Als Beobachter konnte man sich an das erinnert fühlen, was Nouri am Donnerstag während der Pressekonferenz über das Nordderby gesagt hatte: „Wir werden die Abläufe, die wir uns erarbeitet haben, nicht völlig über Bord werfen. Aber entscheidend wird sein, dass wir die Intensität des Spiels annehmen und mitgehen.“

Bauer: „Ich kann spielen“

Nouri, der auf taktische Disziplin bekanntermaßen viel Wert legt, gestand seinen Spielern damit zu, sich in der Partie gegen den Hamburger SV ein Stück weit von ihren Gefühlen leiten zu lassen, vom Adrenalin in ihrem Blut. Weil es in einem Nordderby ohnehin nicht anders geht. „Die Intensität wird das Spiel mitbestimmen“, sagte Nouri. Auch Sportchef Frank Baumann erwartet „ein heißes, enges Spiel mit vielen Emotionen“, zumal beide Mannschaften sich „noch nicht komplett aus ihrer schwierigen Situation befreit“ hätten.

Nach dem 2:2 in Frankfurt war Werder mit 36 Punkten durchaus in der Komfortzone der Tabelle angekommen; die Situation, in der die Mannschaft sich befand, war trotzdem nicht einfach. Sie wirkte erschöpft, sie hatte in Luca Caldirola einen weiteren Spieler verloren, und es war unklar, ob rechtzeitig zum Nordderby ein gleichwertiger Ersatz fit werden würde. Seitdem hat Werder neun Tage Zeit gehabt, um Kraft zu sammeln. Und auch personell hat die kleine Pause Werder gutgetan: Gleich vier Spieler, die gegen Eintracht Frankfurt gefehlt haben, stehen wieder zur Verfügung. Nicht nur Lamine Sané, der auf seinen Platz in der Abwehrzentrale zurückkehrt, ist wieder fit.

Es wird wohl noch eine weitere Änderung in Werders Defensive geben, die vor einigen Tagen kaum jemand für möglich hielt: Robert Bauer hat sich nur 14 Tage nach seinem Bänderriss im Sprunggelenk zurückgemeldet. „Ich kann spielen“, sagte der Außenverteidiger nach dem Abschlusstraining, das er ohne Beschwerden überstanden hatte.

Keinen Sieger gab es am 26. November 2016, als sich der HSV und Werder in Hamburg 2:2 (2:2) trennten. Werder lag zweimal in Rückstand, glich aber auch zweimal aus. Da beide Teams zu diesem Zeitpunkt im Tabellenkeller standen, war das Remis aber eben auch für beide Mannschaften zu wenig.
Das 104. Nordderby gewann der HSV. Pierre-Michel Lasogga erzielte gleich zwei Tore, nachdem er zuvor 666 Spielminuten ohne Treffer auskommen musste. Zu allem Überfluss verschoss Claudio Pizarro auch noch einen Elfmeter für die Bremer. Am Ende durften sich die Hamburger über einen 2:1-Erfolg freuen, der sie gleichzeitig aus dem Abstiegssumpf befreite.
Keine Punkte holten die Werderaner beim 103. Nordderby. Nachdem der HSV im Weserstadion zunächst dank Treffern von Ivo Ilicevic (3.) und Michael Gregoritsch (26.) in Führung lagen, erzielte Anthony Ujah (62.) den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer für Werder. In der 68. Minute zerstörte Nikolai Müller (Foto) mit dem 3:1-Siegtreffer für den HSV die Bremer Hoffnung auf einen Punktgewinn.   
Matchwinner beim 102. Nordderby war Werder-Stürmer Franco di Santo: Der Argentinier entschied die Begegnung im Weserstadion in der 84. Minute mit einem verwandelten Foulelfmeter zu Gunsten der Bremer - und ließ sich nach dem Abpfiff in der Ostkurve feiern.    
Fotostrecke: Werders beste Duelle gegen den HSV

Ob er spielen werde, entscheide aber der Trainer. Alexander Nouri dürfte aber nicht auf den 22-Jährigen verzichten. Zum einen, weil er aufgrund seiner Einstellung und Zweikampfstärke enorm wichtig für Werder ist – und stärker als sein Vertreter Santiago Garcia. Zum anderen, weil Bauer nicht lange gefehlt hat.

Für einen anderen jungen Mann, der ebenfalls wieder zur Verfügung steht und der ebenfalls enorm wichtig für Werder ist, gilt das nicht: Serge Gnabry. „Wie es aussieht, bin ich topfit“, sagte der 21-jährige Angreifer am Sonnabend zwar. Doch Gnabry hat die vergangenen fünf Spiele verpasst. Nach dieser langen Auszeit wird Nouri ihn zunächst auf der Bank belassen und in der zweiten Hälfte einwechseln.

Ist das eine schlechte Nachricht für Werder, nach der guten Nachricht, dass Gnabry zu Beginn der Woche nach seinen muskulären Problemen ins Mannschaftstraining zurückkehren konnte? Nein, denn in Fin Bartels hat Werder noch einen Angreifer, der regelmäßig trifft – und der zudem hervorragend mit Partner Max Kruse harmoniert. „Wir wollen unseren Fans und unserer Stadt einen Sieg schenken“, auch das hat Nouri während der Pressekonferenz gesagt. Die Voraussetzungen dafür könnten kaum besser sein.

"Alles geben für den Derbysieg"

Daran haben auch die Fans Anteil, die in der Woche vor dem Derby bei den Trainingseinheiten der Profis erschienen. Ja, es sind gerade Osterferien. Aber mehrere Hundert Zuschauer beim Training? Das ist bei schlimmstem Aprilwetter schon eine Ansage. Die aktuelle Lust auf Werder hat viel mit dem zu tun, was beim Training am Sonnabend auf einem Spruchband gefordert wurde. „Alles geben für den Derbysieg“ stand da – eine Forderung, die derzeit eigentlich überflüssig ist. Denn dass sie bis zur Erschöpfung rennen und kämpfen, das zeichnet Werders Profis seit Wochen aus.

Wenn es mit dem Derbysieg klappt, hätte das, neben dem Wert eines Derbysiegs an sich, einige schöne Auswirkungen. Mit 39 Punkten wäre Werders Klassenerhalt quasi gesichert. Das Team hätte seine beeindruckende Serie auf neun Spiele ohne Niederlage ausgebaut. Und: Werder hätte sechs Punkte Vorsprung auf den HSV. Vor einigen Wochen, tief im Abstiegskampf, war es für Werders Fans weniger entscheidend, wie es den Hamburgern ging. Aber so ein Platz im Mittelfeld der Tabelle fühlt sich für viele Grün-Weiße gleich noch besser an, wenn der HSV ein bisschen weiter unten steht.


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