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Warum Werder Füllkrug verpflichten will
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Mut zu Lücke

Christoph Sonnenberg 08.04.2019 8 Kommentare

(nordphoto)

Wer Niclas Füllkrug jemals hat sprechen sehen, dem wird sich sein Spitzname recht schnell erschlossen haben. Füllkrug, genannt Lücke, fehlt im oberen Kiefer ein Zahn. Die Lücke ist anatomisch bedingt und ziemlich groß, es gab nie einen Zahn an der Stelle. Was Marko Arnautovic dazu verleitete, Füllkrug zu gemeinsamen Bremer Zeiten Lücke zu nennen. Arnautovic ist bekanntlich längst weg, Füllkrug wahrscheinlich bald wieder da. Werder bastelt seit Längerem an einem Transfer des Hannoveraner Stürmers.

Ausgeplaudert hat es ausgerechnet Hannovers Präsident Martin Kind. „Werder hat sich als Erster konkret positioniert“, bestätigte er freimütig dem „Sportbuzzer“. Zunächst hatte „Bild“ vom Bremer Interesse an Füllkrug berichtet und einer Ausstiegsklausel, die sich beim Abstieg von 24 auf 12 Millionen Euro halbieren würde. Aber nicht mal diese Summe müsse Werder an 96 zahlen. Hannover, auf Transfereinnahmen angewiesen, um damit eine gänzliche neue Mannschaft aufzubauen, ist angeblich bereit, Füllkrug für weniger als acht Millionen Euro ziehen zu lassen. Zuzüglich erfolgsabhängiger Bonuszahlungen.

Ein Schnäppchen ist der 26-Jährige damit noch immer nicht. Zumal Füllkrug seit Dezember mit dem dritten Knorpelschaden seiner noch recht jungen Karriere ausfällt. Einer Verletzung, die vor nicht allzu langer Zeit noch ein anderes Wort für Karriereende war. Beim ersten Mal, im Jahr 2013, fehlte Füllkrug aufgrund eines Knorpelschadens von Mitte Januar bis Mitte Juni. 2015 von März bis August, und aktuell fällt er seit Dezember aus. Es war jeweils rund eine halbe Saison, die Ausfall-Prognosen für den dritten Knorpelschaden variieren. Denkbar, dass Füllkrug noch einmal zum Einsatz kommt, er ist seit Kurzem wieder im Trainingsbetrieb. Möglich ist aber auch, dass die Saison für ihn gelaufen ist.

Vorzeitiger Medizincheck

Es ist also durchaus mutig, Füllkrug zu holen. Und niemand im Verein wird, sollte der Transfer zustande kommen, bestreiten, dass er ein Risiko darstellt. Werder ist bemüht, dieses Risiko zu minimieren. Dazu gehörte auch, im Vorfeld eine Art vorzeitigen Medizincheck zu machen. Also zu überprüfen, ob Füllkrug den obligatorischen Medizincheck besteht. Auch da kam – wenig überraschend – heraus, dass ein Risiko besteht.

Aber ohne dieses Risiko, und das erklärt den Transfer eigentlich ganz gut, wäre ein Wechsel zu Werder nicht möglich. Vergangenen Sommer wollte Borussia Mönchengladbach Füllkrug haben und hinterlegte ein Angebot über 20 Millionen Euro in Hannover, damals lehnte 96 ab. Es gab keine Ausstiegsklausel, die wurde erst anlässlich einer vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Füllkrug Ende August 2018 eingebaut. Die liegt, wie eingangs beschrieben, in der Bundesliga bei 24 Millionen Euro, in der 2. Liga bei 12 Millionen. Aber dann erlitt Füllkrug im Laufe der Saison den dritten Knorpelschaden seiner Karriere, und nun sind die Vorzeichen andere.

Wo sonst Gladbach, Leverkusen, Dortmund mögliche neue Klubs für Füllkrug wären, ist es jetzt Werder. Es bleibt ein Risiko, im Gegenzug aber würde ein deutscher Spieler im besten Fußballalter kommen, der an der Schwelle zur Nationalmannschaft stand. Würde Füllkrug nach Bremen wechseln und gesund bleiben, wäre er ein starker Strafraumstürmer, wie Werder ihn nicht im Kader hat. Er würde die Mannschaft ohne Zweifel stärker machen. Wenn er denn käme.

Dass das Bremer Interesse an Füllkrug öffentlich geworden ist, könnte noch einmal Dynamik in einen möglichen Transfer bringen. Trotz Verletzung gibt es einen Markt für den Stürmer, andere Klubs könnten sich einschalten in die Verhandlungen. Ein Schelm, wer denkt, dass Hannovers starker Mann, Martin Kind, Werders Interesse nicht ganz uneigennützig öffentlich gemacht hat. Leichter wird die Arbeit für Frank Baumann dadurch nicht.

Was wird aus Harnik?

Was auch immer letztlich passiert, die Diskussion über Füllkrug dürfte auch von Teilen der Mannschaft sehr genau beobachtet werden, bevorzugt von den Stürmern. Der Vertrag mit Aron Johannsson wird wenig überraschend nicht verlängert. Welche Rolle Fin Bartels auf längere Sicht spielen wird, bleibt abzuwarten. Im Laufe der kommenden Saison wird er 33 Jahre alt, er befindet sich ohnehin auf der Zielgeraden seiner Karriere.

Claudio Pizarro wird sich weniger für den Rummel um Füllkrug interessieren. Pizarro entscheidet selbst, ob er eine weitere Saison dranhängt. Er dürfte dann weniger Spielzeiten bekommen und seltener einen Platz im Kader. Akzeptiert er diese Rolle, wird er bleiben. Für Pizarro soll das Erreichen der Europa League Motivation sein. Erste Gespräche über seine Zukunft wird es bald geben.

Für einen, der bis vergangenen Sommer Mitspieler Füllkrugs war, dürfte sich die Situation allerdings drastisch verändern: Martin Harnik. Schon jetzt mehr und mehr zur Teilzeitkraft geworden, würden sich die Chancen auf Einsätze noch einmal erheblich verschlechtern. Harnik, der im Juni seinen 32. Geburtstag feiert, hat zwar Vertrag bis 2021, ob er ihn in diesem Fall erfüllt, ist offen.

Eine Einschätzung zu Füllkrugs Qualitäten gibt es im Plus-Artikel.


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