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Die Bundesliga-Kolumne von Jörg Wontorra
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Nur nicht die Kölner Mentalität annehmen!

Jörg Wontorra 27.09.2018 1 Kommentar

(Mein Werder)

Danke Borussia Dortmund, dieses 7:0 gegen Nürnberg kam zur rechten Zeit! Denn jetzt hat sich der BVB in den Rang des Bayern-Jägers gehievt. Soll sagen: Werder ist die Rolle los, und das ist auch gut so. Nach dem Hertha-Sieg schwebte nämlich ein ganzes Stadion schon wieder auf Wolke sieben, und bei manchen Gutgläubigen wollte sich die Euphorie so gar nicht mehr legen. Darum mag der „Bloß-nicht-durchdrehen-Appell“ des Trainers, den er da hinterher ganz gelassen aussprach, auch als Mahnung herhalten.

Alsdann: Streuen wir mal ein wenig Salz in den frischen Morgenkaffee – bei allem Respekt vor der Leistung, die das Team bisher abgeliefert hat.

Punkt 1:

Werder hat zwei Mal glücklich gewonnen – in Frankfurt durch das vermutlich späteste Nachspielzeit-Tor der Vereinsgeschichte, und in Augsburg unter freundlicher Mithilfe des gegnerischen Schlussmannes. Das wären bei normalem Verlauf schon mal vier Zähler weniger gewesen.

Punkt 2:

Gegen Nürnberg hat Werder nicht wirklich ausgesehen wie der neue Bayern-Jäger. Wer höhere Ambitionen verfolgt, geht zu Hause mit einer knappen Führung nicht so fahrlässig um, zumal im Duell mit einem Aufsteiger. Womit wir automatisch wieder beim 7:0 der Dortmunder sind, das eins deutlich machte: Die Lust auf Mehr verzückt den Fan und nicht die reine Ergebnis-Verwaltung. Aber: Die Kohfeldt-Truppe hat gelernt aus dem verschenkten Sieg und bei den nachfolgenden Auftritten ihr anderes Gesicht gezeigt.

Punkt 3:

Das Auftaktprogramm. Hannover, Frankfurt, Nürnberg, Augsburg. Allesamt nicht wirklich Champions-League-Kandidaten, da muss man schon punkten. Und Hertha? Gehört seit Jahren zur Lieblingskundschaft. So gesehen hat der Spielplan Werder seit Jahren mal wieder begünstigt und nur zur Pflichterfüllung beigetragen – mehr nicht. Die Kür kommt erst noch.

Punkt 4:

Bei allen taktischen Überraschungsmomenten und bei aller Variabilität im Kader fehlt irgendwo doch ein richtiger Mittelstürmer. Einer, der den Kopf hinhält. Da können sich die Herren auf den Außenbahnen noch so sehr abmühen und die tollsten Flanken schlagen, es bringt nicht viel Ertrag. Von Werders Offensivspielern steht niemand in dem Verdacht, im Strafraum einen Luftzweikampf zu gewinnen.

Vorsicht vor Stuttgart

Und jetzt: genug gemeckert! Eigentlich sollten diese Zeilen nur davor warnen, die Kölner Mentalität anzunehmen, wo man nach dem ersten Zweitliga-Sieg schon davon träumt, Real Madrid zu stürzen. Und uneigentlich hat Werder ja auch ein gutes Gefüge beisammen. Wer letztlich zu den elf Auserwählten gehört, kommt mit hohem Selbstbewusstsein daher. Beste Voraussetzungen für eine Fortsetzung des aktuellen Trends in Stuttgart.

Doch gerade dort wird Vorsicht geboten sein. Der VfB steckt früh in der Klemme und wird keinen Meter herschenken. Darum wären die Fans gut beraten, mit Demut an die Sache heranzugehen. Ein Sieg im Schwabenland gehört noch lange nicht zur Normalität. Also trotz breiter Brust: Immer schön bescheiden bleiben. Und wenn’s nicht klappt? Dann greift der „Bloß-nicht-durchdrehen-Appell“ des Trainers von ganz alleine.

Zur Person:

Jörg Wontorra (69) war Sportchef bei Radio Bremen, Aufsichtsrat bei Werder und ist Moderator des Sky-Talks „Wontorra“. Im wöchentlichen Wechsel mit Lou Richter, Thomas Eichin, Christian Stoll und Klaus-Dieter Fischer schreibt er, was ihm im Bundes­liga-Geschehen aufgefallen ist.

Die Umfrage zum Spiel gibt es hier:


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