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Werder verpflichtet Füllkrug
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Rückkehr mit Risiko

Christoph Bähr 26.04.2019 9 Kommentare

(imago images)

Werders Social-Media-Abteilung war wieder einmal kreativ. Am Donnerstagnachmittag veröffentlichte der Klub auf seinen offiziellen Online-Kanälen ein Foto eines grinsenden Mundes, aus dem gut erkennbar eine Zahnlücke hervorblitzte. Einen Text dazu gab es erst einmal nicht, aber der war auch nicht notwendig. Zumindest allen Bremer Fans war klar, was dieses Foto bedeutete: Die Rückkehr von Niclas Füllkrug an die Weser ist perfekt. Schon von 2006 bis 2013 spielte der Angreifer mit der charakteristischen Zahnlücke für Werder und wurde von seinem damaligen Teamkollegen Marko Arnautovic „Lücke“ getauft.

Diesen Namen wird Füllkrug, der bei Hannover 96 eher „Fülle“ genannt wird, künftig wieder häufiger hören. Entsprechende Gerüchte gab es schon länger, am frühen Donnerstagnachmittag sagte 96-Hauptgesellschafter Martin Kind gegenüber Mein Werder dann: „Die Gespräche mit Werder sind in der Endphase.“ Am späteren Nachmittag bestätigten beide Klubs den Transfer. Über die Ablösemodalitäten machten sie keine Angaben. Nach Mein-Werder-Informationen bezahlen die Bremer rund sieben Millionen Euro.

Das ist kein schlechter Deal vor dem Hintergrund, dass in Füllkrugs Vertrag bei 96 eine Ausstiegsklausel in Höhe von zwölf Millionen Euro festgeschrieben war. Vor der laufenden Saison wollte Borussia Mönchengladbach sogar rund 20 Millionen Euro für den 26-Jährigen bezahlen, der dann aber seinen Kontrakt in Hannover verlängerte. Zuletzt forderte 96 für Füllkrug acht Millionen Euro, doch Werder konnte den Preis noch etwas drücken. Dabei kam den Bremern zugute, dass Hannover die Lizenz für die neue Saison nur unter Auflagen erhalten hat. Bis Mitte Mai muss der designierte Bundesliga-Absteiger seine Liquidität nachweisen. Das beste Mittel dazu sind Spielerverkäufe, also war 96 unter Zugzwang.

Medizincheck bestanden

Ein weiterer Grund für die gesunkene Ablösesumme ist zugleich auch der große Risikofaktor beim Füllkrug-Deal: Der Stürmer ist verletzungsanfällig. Seit Dezember 2018 setzt ihn der dritte Knorpelschaden im Knie außer Gefecht. Nachdem er in der vergangenen Spielzeit 14 Saisontore in 34 Partien erzielt hatte, kam er in dieser Saison bisher nur auf 13 Einsätze und zwei Treffer. Werder ließ Füllkrug im Vorfeld der Verpflichtung noch einmal vom Kniespezialisten Ulrich Boenisch aus Augsburg untersuchen. Der Stürmer bestand den Test, aber ein Restrisiko bleibt.

Werder geht dieses Risiko nun ein, weil den Verantwortlichen Füllkrugs Qualitäten bestens bekannt sind. Der Angreifer bringt die physische Wucht mit, die dem Werder-Sturm manchmal fehlt. „Ich weiß um Niclas‘ Qualitäten vor dem Tor. Er ist ein sehr kopfballstarker Angreifer, der vor allem im Strafraum seine Stärken ausspielen kann“, sagt Chefcoach Florian Kohfeldt, der Füllkrug schon früher in der U 14 trainierte. Für Füllkrug wiederum war Kohfeldt ein wichtiger Grund für den Wechsel: „Er hat bei Werder sehr viel bewirkt und ich hoffe, dass er auch mich in der Zusammenarbeit besser machen kann.“ Zudem habe sich Werder insgesamt „stetig zum Positiven weiterentwickelt“.

Sportchef Frank Baumann traut dem Zugang „eine wichtige Rolle in unserem Angriffsspiel“ zu. Sollte Füllkrug diese Erwartung erfüllen können, würde es für andere Stürmer eng werden, denn Werder ist in der Offensive jetzt schon breit aufgestellt. Kapitän Max Kruse wäre natürlich gesetzt, sofern er seinen Vertrag verlängern sollte. Dazu kommen Milot Rashica, Yuya Osako und Johannes Eggestein als Startelfkandidaten sowie Josh Sargent als hoffnungsvolles Talent. Aron Johannssons auslaufender Kontrakt wird wohl nicht verlängert. Bei Fin Bartels ist noch unklar, wie er die lange Verletzungspause überstanden hat. Ganz besonders schmälert der Füllkrug-Transfer aber ausgerechnet die Einsatzchancen von Martin Harnik, seinem einstigen Sturmpartner bei Hannover 96.

Hier gibt es Informationen zu Füllkrugs Knorpelschaden im Knie. 


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