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Kohfeldts Ärger über misslungenen Test
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Schlechtwetter-Stimmung in Johannesburg

Jannik Sorgatz 07.01.2019 2 Kommentare

(nordphoto)

Florian Kohfeldt hatte beobachtet, dass sich einige seiner Spieler offenbar einmal wie Andrés Iniesta fühlen wollten. Im FNB Stadium legten sie sich beim Warmmachen den Ball hin und schossen ihn ins Tor, so wie es die Legende des FC Barcelona im WM-Endspiel 2010 für Spanien gegen die Niederlande getan hatte. „Es ist schon ein historischer Ort mit einer besonderen Atmosphäre, vielleicht weil gerade keine Zuschauer da waren“, sagte Kohfeldt nach Werders Testspiel gegen die Kaizer Chiefs vor 93.900 leeren Sitzschalen. 

Es war der einzige Moment des Interviews, in dem der Trainer einen Hauch von Zufriedenheit ausstrahlte. Ein Wetterumschwung am Himmel verursachte einen Stimmungsumschwung bei Kohfeldt. Denn nach einem schweren Gewitter und nur 50 von 100 geplanten Minuten wurde das erste Testspiel im Trainingslager abgebrochen. Johannes Eggestein hatte nach einer Hereingabe von Josh Sargent in der 43. Minute das einzige Tor erzielt.

„Trotz des sportlichen Ehrgeizes geht die Gesundheit vor“, betonte Kohfeldt, dass er an dem Abbruch nichts zu bemängeln hatte. Diese Selbstverständlichkeit rettete ihm jedoch auch nicht den Sonntag. Nicht einmal das, was er in 2x25 Spielminuten auf dem Rasen gesehen hatte, konnte ihn erfreuen, wozu der Rasen selbst seinen Teil dazu beitrug. „Er war in keinster Weise eben und brutal hart“, erklärte Kohfeldt. „Es ist ein Muster ohne Wert, weil die Art und Weise, wie wir Fußballspielen wollen, auf dem Platz nicht möglich war. Das ist das Einzige, wo ich die Jungs in Schutz nehme.“ Doch ihm habe auch der Mut gefehlt, in bestimmte Räume zu spielen. Zu wenig Freilaufen, zu wenig Intensität - das waren zwei Kritikpunkte des Trainers.

Sondereinheit im Hotel

Am Sonntagabend musste Kohfeldt zunächst einmal den Wegfall von Spielminuten für die Hälfte seines Kaders managen. Als das Gewitter über Soccer City, wie das Stadion früher hieß, hereinbrach, bereitete sich gerade die zweite Elf vor, die sich unter Wettkampfbedingungen beweisen sollte. Für diese Profis - darunter Claudio Pizarro, Martin Harnik, Nuri Sahin und Davy Klaassen - wurde eine Sondereinheit im Hotel angesetzt, so dass Kohfeldt wenigstens konstatieren konnte: „Athletisch entsteht kein Problem.“ Noch am Vortag hatte der Trainer erklärt, warum zumindest ein paar Testspiele wichtig seien in der Vorbereitung. Kohfeldt hat seiner Mannschaft alleine in fünf Einheiten und mehreren Sitzungen in Johannesburg so viel mit an die Hand gegeben, dass der Stoff gegen Gegenspieler, die die Inhalte nicht kennen, verfestigt werden soll.

Kohfeldt bemühte sich sichtlich, seinen Ärger, der ihm deutlich anzumerken war, in geordnete Bahnen zu lenken. Der 36-Jährige redet über nichts lieber als über Fußball, und diesmal hatten ihn äußere Umstände um Gesprächsinhalt gebracht. „Ich bin super sauer, dass wir das Spiel nicht durchziehen konnten und keine sportlichen Ergebnisse bekommen“, sagte er, um im nächsten Satz klarzustellen: „Es ist kein Drama für die Vorbereitung in der Summe.“ Allerdings sorgt der misslungene Test gegen die Kaizer Chiefs dafür, dass am kommenden Freitag gegen Bidvest Wits alles reibungslos über die Bühne gehen muss. „Wenn nicht“, sagte Kohfeldt und überlegte kurz, wie dramatisch er sich ausdrücken will, „dann haben wir sportlich keine optimale Situation.“

Langkamp vor Veljkovic

Die Gefahr, dass noch ein Gewitter den Werderanern einen Strich durch die Rechnung macht, ist da. Vor vier Jahren wurde ein Spiel der TSG Hoffenheim, die damals ebenfalls in Randburg weilte, schon nach 30 Minuten abgebrochen. Und dann wäre da noch der Trainingsplatz, den Kohfeldt und sein Team in den ersten Einheiten geschont hatten nach schweren Regenfällen rund um den Jahreswechsel und dem zuliebe die Partie gegen die Kaizer Chiefs kurzfristig ins FNB Stadium verlegt worden war. „Ich will das sehr differenziert sagen. Das Bemühen hier vor Ort ist überragend, auch die Kompromissbereitschaft“, betonte Kohfeldt. „Aber natürlich ist es aus sportlicher Sicht nicht gut, dass das Spiel nicht möglich war.“

Seine erste Elf hatte immerhin ein paar Einblicke in die personellen Gedankenspiele des Trainers gegeben. Wie schon in den vergangenen Trainingstagen bildeten Niklas Moisander und Sebastian Langkamp die Innenverteidigung, der bislang unantastbare Milos Veljkovic hätte später neben Marco Friedl auflaufen sollen. „Milos ist nicht raus, aber Basti hat das sehr gut gemacht. Mit Sicherheit ist das eine der Positionen, wo wir zum Rückrundenstart nicht ganz sicher sind, wer da spielt“, sagte Kohfeldt. Dazu spielten Kevin Möhwald und Johannes Eggestein auf der Acht, Max Kruse war meist die Spitze einer Raute und das Angriffsduo bestand aus Josh Sargent und Milot  Rashica. „Das ist in der Kombination das Offensivste, was wir haben“, sagte Kohfeldt. Unterm Strich, und da kam wieder der Ärger zum Vorschein, wäre es aber „albern, etwas Sportliches aus dem Spiel zu ziehen.“


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