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Keine Einigung, keine Verhandlungen
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Stillstand im Gregoritsch-Poker

Christoph Sonnenberg 10.07.2019 11 Kommentare

(dpa)

Es ist nicht ganz einfach, im Fall Michael Gregoritsch den Überblick zu behalten. Seit Wochen ist bekannt, dass Gregoritsch die Bremer Wunschlösung für die Nachfolge Max Kruses ist. Weil der Österreicher, wie Kruse auch, für ungewöhnliche, unkonventionelle und kreative Lösungen auf dem Platz steht. Es gab mehrere Gespräche, Florian Kohfeldt hat sich persönlich mit Gregoritsch ausgetauscht, wie es die Art des Trainers ist, wenn er einen Spieler unbedingt nach Bremen holen möchte. Es sollen gute Gespräche gewesen sein, beide Seiten, der 25-Jährige und Werder, würden gerne zusammen kommen.

Aber da sind, auch das ist bekannt, die Ablöseforderungen des FC Augsburg. Rund 15 Millionen soll Manager Stefan Reuter aufrufen, Gregoritsch' Vertrag läuft bis 2022. Ein dicker Brocken für Werder, eindeutig zu dick. Reuter, Verteidiger der Weltmeistermannschaft von 1990, ist als zäher Verhandlungspartner bekannt. Menschen, die in Verhandlungen mit ihm auf der anderen Seite des Tisches gesessen haben, beschreiben ihn als beinhart und unnachgiebig. Als Typ, der aussitzen kann, was er nicht möchte. 

Am Montagnachmittag vermeldete „Sky„ als Transfer-News: „Werder mit Gregoritsch als Kruse-Nachfolger einig.“ Kurz darauf verbreitete auch „Bild„, dass es nur noch um die Ablöse gehe, Werder sich mit dem Spieler über die Rahmendaten eines Vertrags verständigt habe. Frank Baumann wurde zitiert, dass er sich „zu Gerüchten“ nicht äußern werde. Der Transfer, das legte die Meldung nahe, werde nun Fahrt aufnehmen.

Aber das wird er nicht. Nach Informationen des WESER-KURIER gibt es keine Einigung zwischen Werder und Gregoritsch. Über Zahlen wurde grob gesprochen, mehr nicht. Es gib kein ausgearbeitetes Vertragswerk, und es gibt auch keine konkreten Gespräche mit dem FC Augsburg. Es herrscht Stillstand im Poker um Gregoritsch. Stand jetzt ist es sehr unwahrscheinlich, dass der Wechsel bis zum Ende der Transferperiode am 2. September überhaupt zustande kommt. Auch wenn Gregoritsch offenbar versucht, den Prozess zu beschleunigen.

Gregoritsch liked Sky-Meldung

Es ist ein bekanntes, aber ebenso riskantes Spiel, das dort gespielt wird. Dass Profis oder deren Berater über Medien Geschichten lancieren, ist nichts Neues. Als die „Sky"-Meldung der angeblichen Einigung in den sozialen Netzwerken verbreitete wurde, kommentierte Gregoritsch sie bei Instagram mit einem Like. Das ist dann doch ziemlich ungewöhnlich, dass ein Spieler persönlich eine solche Meldung positiv bewertet. Auf Augsburg und seine Fans dürfte das befremdlich wirken.

Es soll offenbar Druck aufgebaut, der angestrebte Wechsel forciert werden. Denn was will ein Verein mit einem Spieler, der lieber für einen anderen Klub auflaufen will? Manchmal geht das Kalkül auf, manchmal aber auch nicht. Dann muss der Spieler am Ende bleiben, obwohl er es nicht will. Und den umgekehrt auch Teile der Fans nicht mehr wollen, weil er sich zuvor gegen den Verein ihres Herzen entschieden hat. Gregoritsch riskiert also, es sich mit den Anhängern zu verscherzen, die ihn kommende Saison unterstützen sollen, wenn er am Ende in Augsburg bleiben muss. 

Im Fall Gregoritsch ist das ein durchaus realistisches Szenario. Eine Einigung zwischen dem Österreicher und Werder dürfte dabei kaum das Problem werden, auch wenn sie bisher nicht erzielt wurde. Die Bremer wissen, welche Gehaltsvorstellungen Gregoritsch hat, und die sind durchaus akzeptabel. Verhandlungen über konkrete Gehaltszahlen aber hat es noch nicht gegeben. Schon gar nicht liegt ein ausgearbeiteter Vertrag vor, der zu einer Einigung gehört. Es geht um Laufzeit, Prämien und alle möglichen Klauseln, die heutzutage Bestandteil eines Vertragswerks sind, diese Punkte wurden nicht besprochen.

Wechsel ist eher unwahrscheinlich

Dazu kommen die Äußerungen des FC Augsburg, die verdeutlichen, wie kompliziert der Stand ist. "Wir verhandeln nicht mit Werder Bremen", wurde Manager Reuter Anfang des Monates in der "Augsburger Allgemeinen" zitiert. Ein Satz, der nach Informationen des WESER-KURIER bis heute Gültigkeit hat. Die Ablöseforderungen der Augsburger passen in keinen Rahmen, so ist es bei Werder zu hören. Die Vorstellungen beider Parteien scheinen so weit auseinander zu liegen, dass Trainer Martin Schmidt vor einigen Tagen zu Gregoritsch zu Protokoll gab: „Da gibt es kein Angebot, nichts. Michael ist total motiviert."

Auch wenn Kohfeldt den Spieler unbedingt haben möchte, ist ein Wechsel eher unwahrscheinlich. Was zum einen daran liegt, dass Werder bisher nahezu keine Transfereinnahmen erzielt hat. Und da kein Stammspieler verkauft werden soll, wohl auch keine nennenswerten mehr erzielen wird. Zum anderen, und das ist wohl der entscheidende Grund, gibt es wichtigere Baustellen.

Geholt werden soll ein defensiver Mittelfeldspieler. Die Wunschlösung, Marko Grujic vom FC Liverpool zu leihen, konnte nicht umgesetzt werden. Die Suche geht also weiter. In der internen Prioritätenliste steht nach Informationen des WESER-KURIER auch ein Außenverteidiger vor Gregoritsch, in der Defensive sind die Bremer nicht üppig besetzt. Anders sieht es in der Offensive aus. Aktuell stehen mit Milot Rashica, Niclas Füllkrug, Martin Harnik, Claudio Pizarro, Josh Sargent, Johannes Eggestein und Fin Bartels ganze sieben Stürmer im Kader. Gregoritsch wäre die Nummer acht. 


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