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4:2-Heimerfolg gegen Schalke 04
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Torfestival bei Bartels-Comeback

Malte Bürger 09.03.2019 5 Kommentare

(nordphoto)

Wenn es bislang um die Aufstellung von Claudio Pizarro ging, dann fiel nicht selten das Wort „Effekt“. Genau diesen hatte sich Trainer Florian Kohfeldt durch die Einwechslung des Peruaners meist erhofft, wenn Werder zurücklag oder sonst dringend ein Tor brauchte. Nun sollte die Bremer Sturm-Legende mal wieder von Beginn an für seine ganz speziellen Pizarro-Momente sorgen, zum dritten Mal in dieser Saison. Es sollte ein Zeichen gegen die erwartete Schalker Leidenschaft und ein Mittel gegen eine womöglich tiefstehende Abwehr sein. Johannes Eggestein rückte dafür auf die Bank, ansonsten ersetzte im Vergleich zur Vorwoche nur noch Milos Veljkovic den verletzten Sebastian Langkamp in der Innenverteidigung.

Die Gastgeber starteten eigentlich verheißungsvoll in die Begegnung - auch weil ihnen etwas unerwartet recht viel Raum zum Kombinieren gewährt wurde. Nach fünf Minuten setzte Maximilian Eggestein mit einem Fernschuss ein erstes Zeichen. Und dennoch fehlte nicht viel und Werder hätte früh zurückgelegen. Nach einem bösen Patzer von Ludwig Augustinsson kam Breel Embolo an den Ball, der blendend auf Guido Burgstaller ablegte. Jiri Pavlenka verhinderte in allerhöchster Not mit einer Topreaktion das 0:1 (6.). Kurz darauf musste der Tscheche einen Freistoß von Daniel Caligiuri entschärfen (12.), dann war ein starker Reflex gegen einen Schuss von Matija Nastasic nötig (20.).

Lichtblick Milot Rashica

Die kriselnde Elf aus Gelsenkirchen hatte fraglos die besseren Chancen in der Anfangsphase. Werder mühte sich zwar redlich um die Spielkontrolle, allzu ansehnlich war das allerdings nicht. Raum hin, Raum her. Stattdessen kam, was kommen musste. Die Bremer verteidigten viel zu stümperhaft, Embolo rannte Augustinsson davon und traf zur verdienten Führung (26.). Fast hätte Steven Skrzybski sogar im Eilverfahren nachgelegt, doch sein Schuss ging knapp vorbei (30.). Es passte ins Gesamtbild, dass Veljkovic auch noch die fünfte Gelbe Karte sah und somit in der kommenden Woche in Leverkusen fehlen wird. Gerade jetzt, wo die Alternativen in der Innenverteidigung dürftig sind.

Im Vorfeld der Partie war viel über die Mentalität der abstiegsbedrohten Gäste gesprochen worden. Je länger die erste Hälfte dauerte, desto mehr drängte sich die Frage auf, wie es eigentlich um die Einstellung der Heimmannschaft bestellt ist. Werder enttäuschte mittlerweile - und zwar maßlos. Kaum zu glauben, dass trotzdem der Ausgleich gelang. Wie aus dem Nichts brachte Milot Rashica den Ball nach einer Flanke mit einer sehenswerten Direktabnahme im gegnerischen Tor unter (31.). Kurz vor der Pause zischte noch ein Fernschuss von Philipp Bargfrede am Schalker Kasten vorbei (43.), ansonsten hatte Abschnitt eins nicht mehr allzu viel zu bieten. Nein, wirklich schön war es nicht, was Werder bis dahin gezeigt hatte.

Werder hilft der VAR

Es musste mehr kommen - und es ging gleich kurios los. Bei einem Bremer Angriff wurde ein Schuss von Davy Klaassen gerade noch auf der Linie geklärt, den zweiten Versuch setzte Maximilian Eggestein vorbei. Doch damit nicht genug. Während der Entstehung dieser Szene war Max Kruse im Strafraum zu Fall gekommen, Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) schaute sich die Szene nach Hinweis des Video-Assistenten noch einmal auf dem Monitor an. Und er entschied tatsächlich auf Strafstoß, den Kruse gewohnt souverän zum 2:1 verwandelte (52.).

Werder hatte es tatsächlich geschafft und ein Spiel gedreht, in dem es nicht allzu viele Anzeichen dafür gegeben hatte. Es begann eine Phase, in der die Bremer für klare Verhältnisse hätten sorgen können. Wieder gab es viel Platz, wieder fehlte aber die Präzision bei der Gestaltung der Offensivaktionen. Und so musste plötzlich erneut Pavlenka parieren, als Skrzybski ihn aus rund 15 Metern prüfte (62.).

Unauffälliger Pizarro

Und was war eigentlich mit dem Pizarro-Effekt? Antwort: Er verpuffte. Der Peruaner mühte sich redlich, aber das Spiel lief an diesem Abend dann doch an ihm vorbei. Die richtig großen Szenen blieben aus - wohl auch, weil der FC Schalke 04 eben nicht so defensiv spielte wie es das Bremer Trainerteam womöglich erwartet hatte. Nach 67 Minuten war Pizarros Auftritt schließlich beendet, Martin Harnik kehrte erstmals nach seiner überstandenen Hüftverletzung auf den Bundesliga-Rasen zurück.

Der Österreicher war dann auch unmittelbar an der Entstehung des dritten Werder-Treffers beteiligt, wobei in dieser Szene vor allem Maximilian Eggestein glänzte. Der Mittelfeldakteur setzte erst zum Dribbling an und bediente kurz darauf noch herrlich Milot Rashica. Der Kosovare entledigte sich mit einer Körpertäuschung seiner Gegenspieler und traf zum zweiten Mal (73.). Max Kruse hatte wenig später das 4:1 auf dem Fuß, doch er scheiterte am gut reagierenden Gäste-Keeper Alexander Nübel (79.).

Comeback von Bartels

In der Schlussphase erhob sich das Publikum dann von den Plätzen - und dieses Mal war nicht Claudio Pizarro daran beteiligt. Einerseits wurde Matchwinner Rashica gebührend verabschiedet, andererseits war es Zeit für das Comeback von Fin Bartels. Der Angreifer hatte aufgrund eines Achillessehnenrisses 454 Tage bei den Profis gefehlt und durfte nun noch ein paar Minuten ran. Er kam gerade rechtzeitig, um den Anschlusstreffer der Gäste mitzuerleben: Embolo markierte nach einem weiteren Augustinsson-Fehler ebenfalls seinen zweiten Treffer (85.).

Sollte Werder also wirklich noch einmal ins Wanken geraten? Schalke versuchte es mit hohen Bällen und sorgte so für ein wenig Zittern im Bremer Lager, auf der Gegenseite köpfte Harnik knapp vorbei (90.). In der vierten Minute der Nachspielzeit machte der Rückkehrer dann aber alles klar mit dem Treffer zum 4:2. Und dann war es tatsächlich geschafft. Ohne Glanz, aber mit drei eminent wichtigen Punkten. „Das war heute ein wichtiger Schritt“, sagte Florian Kohfeldt. „Wir sind weiterhin in der Außenseiterrolle, aber wir werden bis zum Schluss für unser Ziel kämpfen.“


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Bremen ohne Werder - das ist unvorstellbar! Und das Profiteam, das in der Bundesliga um Punkte und Tore kämpft, ist das Herzstück des Vereins. Auf dieser Seite gibt es News, Fotos und Videos rund um die Werder-Profis.