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Taktik-Analyse zum Dortmund-Spiel
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Umschwung dank Impulsen von der Bank

Stefan Rommel 05.05.2019 0 Kommentare

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ert (nordphoto)

Werder-Trainer Florian Kohfeldt musste im Vergleich zum Spiel in Düsseldorf auf zwei Positionen umstellen. Für den gesperrten Niklas Moisander und den kurzfristig verletzten Theodor Gebre Selassie rückten Milos Veljkovic und Marco Friedl in die Mannschaft. In der Abwehr ordnete sich Werder mit Friedl, Veljkovic, Sebastian Langkamp und Ludwig Augustinsson (von rechts nach links) an, Nuri Sahin übernahm die Sechs, Maximilian Eggestein und Davy Klaassen wie immer die Halbpositionen. Max Kruse spielte eine Mischform aus Zehner und Mittelstürmer, Milot Rashica und Yuya Osakoa waren die beiden Angreifer.

Auch die Gäste mussten doppelt wechseln, für die beiden Gesperrten Marco Reus und Marius Wolf begannen Christian Pulisic und Paco Alcacer. Auch BVB-Coach Lucien Favre musste in der Abwehr etwas improvisieren und stellte Linksfuß Raphael Guerreiro auf die Position des rechten Außenverteidigers - wie auf der anderen Seite Kohfeldt, der Friedl auf Gebre Selassies Position ran ließ.

Wenig Platz für Bremer Angriffe

Werder erwartete den BVB in einem 4-4-2 mit Raute gegen den Ball und wollte die Gäste im tiefen Aufbau mit einer Art Manndeckung früh zustellen. Dabei orientierten sich die beiden Achter früh zu den Dortmunder Außenverteidigern, Kruse und die beiden Stürmer kümmerten sich um einen Sechser und beide Innenverteidiger. Sahin blieb als freier Spieler zur Absicherung dahinter auf seiner Position. So richtig ging der Plan aber nicht auf, weil der zweite Dortmunder Sechser sehr gut aushalf und die Patt-Situation aufbrechen konnte und weil die Gäste enorm ballsicher und flink auch aus engen Situationen herauskombinierten.

Die frühe Führung nach einer von Werder schlecht abgesicherten Umschaltaktion auf einen Ballgewinn im Mittelfeld ließ den BVB selbst gegen den Ball etwas tiefer als gewohnt agieren. Im flachen 4-4-2 lag der Fokus auf zwei eng aneinanderstehenden Viererketten, sodass Werder sowohl vertikal in den Halbräumen als auch horizontal in den Zwischenräumen kaum Platz angeboten wurde.

Umstellung auf zwei Zehner gegen den Ball

Nach zehn Minuten passte Werder seine Anordnung gegen den Ball etwas an und stellte in der ersten Linie auf zwei Zehner und einen Angreifer um. Osako störte ganz vorne zwischen den beiden Innenverteidigern, Kruse und Rashica blieben im Dunstkreis von Dortmunds Sechsern Axel Witsel und Thomas Delaney. Wirklich griffiger wurde die Bremer Defensive dadurch aber auch nicht. Dortmund legte sich andere Routen ins letzte Drittel zurecht, spielte nun über die Innenverteidiger auch mal schnell in die Spitze auf den zurückfallenden Alcacer, der dann den Ball sofort auf einen der Sechser klatschen ließ.

Das große Problem im Übergangsdrittel waren aber nicht die Sechser, Alcacer oder die gut nachschiebenden Dortmunder Außenverteidiger, sondern Mario Götze. In Dortmunds erwartbarem 4-2-3-1 war Götze an sich auf der Reus-Position, also auf der Zehn, aufgestellt. Nur tauchte der Spieler dort allenfalls sporadisch auf. Wie Kruse bei Werder fiel Götze die Rolle des Überladers zu, der sich immer wieder auf die Flügel oder in die Halbräume bewegte, um dort kurzzeitig Überzahlsituationen zu schaffen und Dortmunds (technische) Überlegenheit am Ball noch zu verstärken.

Götze in veränderter Rolle

Besonders über die linke Seite schaffte der BVB es immer wieder, Unordnung bei Werder zu erzeugen und den wendigen Pulisic in direkte Duelle mit Friedl zu schicken, der gehörige Probleme hatte. Werder hatte phasenweise überhaupt keinen Zugriff auf die sicheren Ballstafetten der Gäste, die nach einer halben Stunde schon höher als nur 1:0 hätten führen können. In den Minuten vor der Pause schaffte es Werder erstmals, sich länger in der gegnerischen Hälfte festzusetzen und mutiger auf die zweiten Bälle nachzurücken. Mitten hinein in diese erste kleine Druckphase fing sich Werder den nächsten Konter, der zum Ausgangspunkt für das 0:2 wurde.

Nach der Pause überließ der BVB Werder etwas mehr den Ball, ohne aber die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Bei Werder machten sich aber in der Phase einige kleinere Umstellungen schon bemerkbar. Klaassen rückte in den linken Halbraum, Eggestein nach rechts - in der ersten Halbzeit spielten die beiden oft noch seitenverkehrt, Augustinsson rückte höher auf. Trotzdem blieb der BVB gefährlicher vor dem gegnerischen Tor. Erst mit den Einwechslungen von Claudio Pizarro und Kevin Möhwald und den entsprechenden Umstellungen kippte die Partie zu Gunsten der Bremer.

Werders Wechsel und Umstellung greifen perfekt

Eggestein ging auf sie Sechs, Möhwald in den linken Halbraum, Klaassen wechselte nach rechts. Im Dreieck Möhwald, Rashica und Augustinsson fand der Schwede - abgesichert und angetrieben von Eggestein, der auch auf Ballverluste aggressiver durchschob - immer wieder den Weg in die Tiefe. Nach einer schnellen Spielverlagerung entstand der Anschlusstreffer, der zwar durch einen groben Fehler von Roman Bürki begünstigt wurde, in seiner Entstehung aber geplant war. Dortmund zeigte nun sein anderes Gesicht, verlor nicht zum ersten Mal in dieser Saison fast komplett den Faden.

Pizarro stellte im Zentrum eine ständige Bedrohung dar, versuchte es immer wieder mit kurzen Ablagen in die Tiefe auf die einlaufenden Mitspieler. Der BVB musste sich enorm zusammenziehen, sobald Pizarro am Ball war und gab dann auch wieder Räume auf den Flügeln preis. Einer dieser Durchbruchversuche durchs Zentrum lieferte die Basis für den Ausgleich, wieder begünstigt durch einen schweren individuellen Fehler der Gäste. In den Minuten nach dem Tor wurde Werder noch aktiver, verteidigte stark nach vorne und sicherte fast jeden zweiten Ball. Die Folge war eine Druckphase der Gastgeber, der Favre erst sehr spät mit einem Doppelwechsel versuchte entgegen zu wirken.

Werder blieb im Risiko, auch der BVB versuchte mit dem offensiveren Mo Dahoud wieder mehr nach vorne zu investieren. Es entwickelte sich in den letzten Minuten teilweise ein Schlagabtausch, weil beide Mannschaften gewinnen wollten oder sogar mussten und ihre bis dato übliche Absicherung etwas aufgaben. Werder hatte noch zwei richtig gute Chancen und mit der letzten Aktion des Spiels einen Konter in deutlicher Überzahl, den Kruse aber mit einem schlampigen Pass ungenutzt ließ.

Eine Stunde lang beherrschte Dortmund die Bremer, Kohfeldts Umstellungen und die Wechsel gepaart mit einem dicken individuellen Fehler von Bürki ließen die Partie aber kippen. Werder war am Ende nicht nur spielerisch absolut auf Augenhöhe mit dem BVB, sondern zeigte einmal mehr eine erstaunliche Mentalität und Willensstärke - die dem Favoriten in der letzten halben Stunde nahezu komplett abging.

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