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„Vieles nutzt sich ab“

mw 02.06.2019 0 Kommentare

(Archiv Weser-Kurier)

Am 6. Juni 2014 schrieb der WESER-KURIER:

Seit 1999 ist Götz Dimanski als Mannschaftsarzt für die Profifußballer von Werder verantwortlich gewesen. Nun wurde bekannt, dass sein Arbeitgeber ihm in der vergangenen Woche gekündigt hat. Die Gründe dafür bleiben vorerst unklar.

Die Pressemitteilung, die Werder Bremen am Donnerstag um 16.01 Uhr verschickte, las sich fast wie eine Liebeserklärung. Der Fußball-Bundesligist betont darin, er danke seinem Mannschaftsarzt Götz Dimanski für eine „überzeugende und erfolgreiche sportmedizinische Betreuung“. In den 23 Jahren, die Werder und Dimanski nun zusammengearbeitet haben, habe auch die Arbeit des Doktors „zu den sportlichen Erfolgen des SV Werder Bremen beigetragen“. Nur war es mit dieser Pressemitteilung so, wie es meistens mit Pressemitteilungen ist: Wer darin zu heftig gelobt wird, ist gerade entlassen. Bereits in der vergangenen Woche hat Werder die Zusammenarbeit mit Dimanski mit sofortiger Wirkung gekündigt – und dabei dem Vernehmen nach von einem vertraglich vereinbarten Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Als diese überraschende Personalie gestern durchsickerte, reagierte Werder mit der offiziellen Information. Auf Nachfrage begründete Geschäftsführer Thomas Eichin die Trennung von Dimanski so: „Vieles nutzt sich ab. Da ist mal was Belebendes nötig. Wenn ich der Meinung bin, dass man mal was Neues machen muss, dann machen wir das auch.“ Zu Details wollte Eichin sich nicht äußern. Dimanski machte am Telefon einen betroffenen Eindruck, was wenig verwunderlich ist, wenn einem von seinem langjährigen Arbeitgeber so plötzlich gekündigt wird. Sprechen wollte der Arzt aber ebenfalls nicht. Er verwies auf die mit ihm abgestimmte Pressemitteilung des Vereins.

So bleibt für den Moment die Frage offen, was der Grund für die plötzliche Trennung ist. Hat sie damit zu tun, dass Werder sparen muss? Hängt sie damit zusammen, dass Geschäftsführer Eichin vieles im Verein neu sortiert und dass er dabei auch Personal austauscht, das eng mit der Ära des Managers Klaus Allofs und des Trainers Thomas Schaaf verbunden ist? Dimanski war 1999 vom stellvertretenden zum verantwortlichen Mannschaftsarzt von Werder befördert worden – just in jenem Jahr, in dem Allofs und Schaaf ihre lange Zeit erfolgreiche Arbeit begannen.

In die Schlagzeilen geriet Dimanski 2008. Damals verklagte der ehemalige Werder-Stürmer Ivan Klasnic ihn und Manju Guha, seine Kollegin bei Werder, auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Klasnic warf den Medizinern vor, sie hätten seine Nierenerkrankung nicht rechtzeitig erkannt. Er lebt seit März 2007 mit einer Spenderniere. Der Rechtsstreit ist auch heute, nach sechs Jahren, noch immer nicht beigelegt. Vor einer Woche hob nun die 3. Zivilkammer des Bremer Landgerichts einen für den 20. Juni angesetzten Verhandlungstermin auf. Dies hatten beide Streitparteien beantragt. Sie wollen weitere Versuche unternehmen, sich außergerichtlich zu einigen, heißt es. Werders Geschäftsführer Eichin betonte allerdings, die Trennung von Dimanski habe „nichts mit dem Fall Klasnic zu tun“.

Dimanskis Nachfolger hat Werder auf dem kurzen Dienstweg gefunden: im eigenen Verein. Philip Heitmann und Dominik Schwarz, bisher für die medizinische Betreuung der U23-Mannschaft zuständig, sind künftig auch für die Bundesliga-Profis verantwortlich. Werder teilte mit, man arbeite „bereits seit zehn Jahren mit beiden Ärzten im Leistungszentrum eng zusammen“. Schwarz ist Facharzt für Orthopädie und Unfall-chirurgie und arbeitet an der Klinik Lilienthal. Heitmann ist selbstständiger Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Unfall-Chirurgie und auf Sportmedizin spezialisiert. Er arbeitet in Schwachhausen in einer Gemeinschaftspraxis mit Immo Fischer, dem Sohn von Werders Präsident Klaus-Dieter Fischer. Der Klubchef zieht sich zum Jahresende von allen Werder-Ämtern zurück.

Und Dimanski? Werder teilte mit, er werde sich nun „verstärkt seiner Tätigkeit als ärztlicher Geschäftsführer des Reha-Zentrums Bremen widmen“. Das Reha-Zentrum ist ein Tochterunternehmen des Klinikums Links der Weser, an dem Werder beteiligt ist. Götz Dimanski ist dort Chefarzt und hat eine eigene Praxis.

Das hochauflösende PDF von der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).


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