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Zurückgeblättert: 18. Juni 1984
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„Völler rettete das DFB-Jubiläum“

(mw) 21.06.2019 0 Kommentare

(Archiv Weser-Kurier)

Am 18. Juni 1984 schrieb der WESER-KURIER:

Der Europameister lebt wieder! Mit einem 2:1 (1:0) über Rumänien wahrte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gestern in Lens im zweiten Gruppenspiel ihre Chance auf die erfolgreiche Titelverteidigung bei der Europameisterschaft in Frankreich und feierte zugleich ein siegreiches Jubiläum: Die Begegnung war das 500. Länderspiel des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) seit der mit 3:5 verlorenen Premiere am 5. April 1908 in Basel gegen die Schweiz. Der Bremer Rudi Völler wurde mit seinen Länderspieltoren Nummer zehn und elf (25./66. Minute) vor 35 000 Zuschauern zum umjubelten Spielgewinner.

Die Elf von Bundestrainer Jupp Derwall, die bei 20 000 deutschen Schlachtenbummlern praktisch ein Heimspiel hatte, war gegenüber dem enttäuschenden 0:0 gegen Portugal zum EM-Auftakt am Donnerstag kaum wiederzuerkennen. Von Beginn an bewährten sich die Umstellungen in der deutschen Mannschaft. Der aggressive Matthäus, für Buchwald ins Spiel gekommen, und der für Rolff eingesetzte offensive Meier sorgten für eine Verstärkung im zuvor schwachen Mittelfeld, das teilweise schöne Ansätze für ein Kombinationsspiel zeigte. Der verbesserte Gesamteindruck wurde vor allem dadurch getrübt, daß die Mannschaft nach dem überraschenden Ausgleich durch Coras (46.) lange Zeit die zuvor gezeigten guten Ansätze vergaß. Der deutschen Mannschaft kam vor der Pause zugute, daß die Rumänen erheblich offensiver spielten als Portugal. Allerdings klappte erneut das geplante frühe Stören nur selten. Nach anfänglicher Nervosität, als die Spieler zuviel auf eigene Faust versuchten, fand sich der Europameister und kam zu guten Chancen durch Allofs (10.) und Rummenigge (22.). Ein mustergültiger Einsatz von Matthäus ging der deutschen Führung voraus. Der Ball kam dann über Allofs zu Meier, dessen Flanke Völler per Kopf zum 1:0 verwandelte. Danach hatten Meier (30.), Brehme (32.), Briegel (37.), Völler (44.) und zweimal Allofs (45.) die Chance, auf 2:0 zu erhöhen. DFB-Präsident Hermann Neuberger meinte dann auch zur Pause: „Das ist eine deutliche Leistungssteigerung, Aber wir hätten mindestens ein Tor mehr schießen müssen."

Es schien, als habe Neuberger geahnt, daß die Deutschen nicht voll wach aus der Kabine kämen. Nur 23 Sekunden nach dem Wiederanpfiff stand es 1:1. Stielike tummelte sich im Mittelfeld, Matthäus stand plötzlich allein gegen zwei Rumänen, die ihn geschickt ausspielten: Coras ließ Schumacher, der in seinem 50. Länderspiel von den Zuschauern bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen wurde, keine Chance. Das Gegentor wirkte wie ein Schock. Die Mannschaft war wieder verunsichert, was vor der Pause geklappt hätte, ging nun zunächst daneben. Die Rumänen verstärkten den Druck und wurden offensiver und hatten in der 64. Minute die größte Chance, selbst in Führung zu gehen: Coras scheiterte aber an Schumacher. Zwei Minuten später durfte der Europameister wieder jubeln: Eine Kombination der drei Sturmspitzen Allofs, Rummenigge und Völler schloß der Bremer mit dem 2:1 ab. Danach drängte zunächst die deutsche Mannschaft auf das dritte Tor und hatte auch bessere Chancen als die Rumänen, die bei einer geschlossenen Mannschaftsleistung im Angriff doch nicht so gefährlich waren. Die größte Chance zum 3:1 bot sich Kapitän Rummenigge, der erneut enttäuschte, nach 74 Minuten: Sein Schuß verfehlte das Tor aber knapp. So wurden die letzten Minuten noch zur Abwehrschlacht, bei der Schumacher in der 90. Minute mit einer Glanzparade nach einem Bölöni-Schuß den Sieg rettete.

In der deutschen Mannschaft bewährte sich der Mut Jupp Derwalls zum Risiko, der nicht nur zwei neue Spieler gegenüber dem Portugal-Spiel von Beginn an einsetzte, sondern beim Stand von 1:1 mit dem Kölner Littbarski auch noch einen vierten Stürmer (für den angeschlagenen Meier) brachte. Als Manko bleibt zu verzeichnen, daß die Abstimmung in der Abwehr nicht besonders gut klappte, was vor allem daran lag, daß Stielike nicht überzeugen konnte. Auch Bernd Förster sollte nach zwei schwachen Spielen am Mittwoch in Paris gegen Spanien zuschauen. Beste deutsche Spieler waren Matthäus in seinem 25. Länderspiel und Karlheinz Förster, der in seinem 60. Länderspiel wegen einer Verletzung nach 79 Minuten von Buchwald ersetzt wurde.

Fazit: Der Sieg war äußerst wichtig für die Sicherheit der deutschen Mannschaft in den nächsten Spielen. Soll der Titel verteidigt und zunächst Spanien im letzten Gruppenspiel bezwungen werden, ist aber eine weitere erhebliche Leistungssteigerung nötig.

Das hochauflösende PDF der originalen Zeitungsseite von damals gibt es hier (bei iOS den Link länger gedrückt halten).


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