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Trotz der Ausfälle will Werder mutig sein
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Vorfreude auf die Topspiele

Jean-Julien Beer 18.09.2019 2 Kommentare

(nordphoto)

Es war ein heißer Mai in Bremen. Die Sonne knallte kräftig vom Himmel, die Bürgerschaftswahl hielt die Stadt in Atem, und Werder spielte einen so berauschenden Fußball, dass die Fans bis zum letzten Spieltag von Europa träumten. Daran konnte auch der Spielplan nichts ändern, der es nicht wirklich gut meinte mit Werder in den entscheidenden letzten Wochen der Saison. Dortmund, Hoffenheim und Leipzig hießen die Gegner an den Spieltagen 32 bis 34. Auf den ersten Blick ein hartes Restprogramm. Doch Werder verlor keines dieser drei Spiele, holte hier stattdessen sieben Punkte und beendete die Saison denkbar knapp hinter den Europacuplätzen auf dem achten Platz. „Unsere 53 Punkte am Saisonende waren eine Sensation“, schwärmte Trainer Florian Kohfeldt damals und verbeugte sich „voller Stolz“ vor seinem Team.

Inzwischen ist der Herbst in Bremen eingezogen, und eine Sensation wäre es nun, wenn Werder mit elf gestandenen Bundesligaspielern auflaufen könnte. Die nächsten Gegner heißen nun wieder Leipzig und Dortmund. Die beiden Champions-League-Starter führen gerade die Tabelle der Bundesliga an. Bessere Mannschaften gibt es aktuell in Deutschland nicht, doch ausgerechnet jetzt gibt es in der Bundesliga nirgends mehr verletzte Spieler als in Bremen. Ein sportlicher Vergleich zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt also? Kommt drauf an, wie man es nimmt.

Sowieso in der Außenseiter-Rolle

Viele Fans nehmen es inzwischen mit einer gesunden Portion Galgenhumor. Im Internet kursieren zum Beispiel Bilder, die einen kleinen Smart in den Werder-Farben zeigen – als neuer Bremer Mannschaftsbus. Auch Frank Baumann kann über derlei schmunzeln. Werders Sportchef ist vor Spielen ohnehin noch nie durch Jammern aufgefallen. Als langjähriger Bundesliga-Kapitän und Nationalspieler hat er genug erlebt, er weiß, dass im Fußball an manchen Tagen schlichtweg alles passieren kann. Eben auch ein Sieg oder ein Punktgewinn einer arg dezimierten Bremer Mannschaft gegen Leipzig und Dortmund. „Wir gehen es mit viel Vorfreude an, dass wir uns als Mannschaft mit den besten Spielern der Bundesliga messen können“, sagt Baumann deshalb vor den beiden großen Duellen, „dass es keine einfachen und keine leichten Spiele werden gegen Leipzig und Dortmund, das wissen wir auch. Das wäre aber auch so, wenn bei uns alle fit wären. Dann wären wir in diesen Spielen auch der Außenseiter gewesen.“

Werder begegnet der Wucht von Leipzig am Sonnabend (18.30 Uhr) mit einem vollen Weserstadion, und auch mit Milot Rashica, der am Dienstag erstmals wieder mit der Mannschaft trainierte. Seit dem ersten Spieltag war der schnelle Angreifer wegen einer Adduktorenverletzung ausgefallen; Werder konnte diesen Schlüsselspieler auf der linken Außenbahn nicht gleichwertig ersetzen. Sein letztes Bundesligator schoss Rashica übrigens – richtig, gegen Leipzig. Es war sein Elfmetertor zu frühen Führung, dass Werder an jenem 34. Spieltag den Weg zum Sieg ebnete. Schaut man bei dieser Begegnung etwas genauer hin, reduzieren sich die Argumente pro Werder auf ein Minimum. Während die Leipziger damals kurz vor ihrem Pokalfinale nur mit einer B-Elf in Bremen antraten, standen bei Werder sechs Feldspieler in der Startelf, die am Sonnabend alle fehlen dürften: Nuri Sahin ist nach seiner Gelb-Roten Karte aus dem Spiel bei Union gesperrt, Kevin Möhwald und Ludwig Augustinsson wurden am Knie operiert, Milos Veljkovic steckt seit Monaten in der Reha, Abwehrchef Niklas Moisander (Faserriss in der Wade) fehlt ebenfalls und Maximilian Eggestein (Rückenprobleme) konnte auch am Dienstag noch nicht wieder voll trainieren. So wirkt die Partie ein wenig wie David gegen Goliath, vielleicht auch deshalb füllt Baumann schon mal verbal die Steinschleuder: „Es zeichnet uns aus, dass wir auch in solchen Phasen jede Herausforderung annehmen und mutig spielen.“

Sechs Punkte nehmen den Druck

Mut wird Werder zweifellos brauchen, auch etwas Glück. Erst gegen Leipzig, dann eine Woche später vor 80.000 Schwarz-Gelben in Dortmund. Mut und Glück, gepaart mit ganz viel Können: das ergibt einen Claudio Pizarro. Werders Sturmlegende war es nämlich, der im Mai gegen Leipzig (2:1) und Dortmund (2:2) jeweils wichtige Tore schoss. Seither wartet er auf den nächsten Treffer, es wäre der 197. seiner Bundesliga-Karriere. Pizarros Optimismus ist bekannt: „Wir haben gegen große Mannschaften oft genug gezeigt, dass wir mithalten und sie auch schlagen können.“

Immerhin ist nach dem Fehlstart in diese Saison der große Ergebnisdruck erst einmal raus. Das Fachmagazin „kicker“ bezeichnete Werders Auftreten bei Union zwar als „Abstiegskampf“, unterm Strich wurden die beiden Auftaktniederlagen gegen Düsseldorf und Hoffenheim nun aber durch zwei Siege gegen Augsburg und Union ausgeglichen. Diese sechs Punkte kann Werder keiner mehr nehmen, selbst wenn in den nächsten Wochen keine mehr dazu kommen sollten. „Jetzt sechs Punkte auf dem Konto zu haben, ist natürlich besser aus drei“, sagt auch Baumann, „gerade in unserer Personalsituation. Mit nur einem Sieg aus den ersten vier Spielen wäre es eine andere Situation gewesen, dann steigt der Druck irgendwann, das ist einfach so. Und du kannst ja nicht davon ausgehen, dass du gegen Leipzig und Dortmund auf jeden Fall gewinnst, das kann in dieser Liga keiner.“

Versuchen werden es die Bremer trotzdem. Wie immer unter Kohfeldt. Mit den Fans und dem Bremer Flutlicht im Rücken, dürfte das gegen Leipzig einfacher werden als eine Woche später in Dortmund. Werders Programm bleibt auch danach happig. Die nächsten Gegner heißen dann Eintracht Frankfurt (auswärts), Hertha BSC (daheim) und Bayer Leverkusen (auswärts).


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