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3:1-Sieg in Leverkusen
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Werder holt „Big Points“ für Europa

Jannik Sorgatz 17.03.2019 22 Kommentare

(dpa)

Florian Kohfeldts Argumentation klang schlüssig. „Endspiel“ wollte er das Duell mit Bayer 04 Leverkusen vorab nicht nennen, weil danach noch acht weitere in dieser Bundesligasaison folgen würden. Und darüber hinaus tue er sich schwer, Leverkusen überhaupt als „direkten Konkurrenten“ zu bezeichnen, weil er die „Werkself“ am Ende auf den Champions-League-Plätzen sehe. Dennoch forderte Kohfeldt: „Wir müssen auch mal Big Points holen.“

Dass eine Mannschaft derart gehorcht, wünscht sich jeder Trainer: Zweimal Max Kruse und Milot Rashica erzielten die Tore beim 3:1-Erfolg, Leon Bailey gelang im zweiten Durchgang lediglich der zwischenzeitliche Anschlusstreffer. „Die erste Halbzeit war taktisch und fußballerisch überragend, die zweite war purer Wille. Am Ende hatten wir den Sieg verdient“, sagte Kohfeldt. Statt sechs Punkten sind es nur noch drei Punkte Rückstand auf Bayer 04, das damit erst einmal in den Rückspiegel schauen muss. Zwischen Leverkusen (42 Punkte) und Bremen (39) liegt in der Tabelle noch der VfL Wolfsburg (42).

Werder legt stark los

In den vergangenen Wochen hatte sich Werder mit Comeback-Qualitäten einen Namen gemacht: Viermal in Folge das 0:1 kassiert, nie verloren. Doch die Bilanz nach Führungen kann sich ebenfalls sehen lassen, weshalb Bremen aus nachvollziehbaren Gründen diesmal den leichteren Weg zu drei Punkten anstrebte. Keine vier Minuten waren gespielt, als Johannes Eggestein den ersten gefährlichen Schuss abgab. Bayer-Torwart Lukas Hradecky musste sich anstrengen, war dann aber in der 13. Minute geschlagen.

Über wenige Stationen kombinierten sich die Gäste aus dem eigenen Strafraum nach vorne. Johannes Eggestein und Maximilian Eggestein spielten brüderlich Max Kruse frei. Der Kapitän untermauerte mit einem präzisen Schuss neben den Pfosten, ohne den Kopf zu heben, die Phrase, dass er weiß, wo das Tor steht. Mit dem 27. Spiel in Folge mit einem eigenen Treffer stellte Werder seinen Vereinsrekord aus dem Jahr 2005 ein.

Die Stürmer laufen viel

Bayer musste sich nach dem Rückstand erst einmal sammeln. Die Gastgeber hatten in der Startelf auf Shootingstar Kai Havertz verzichten müssen, der nach einer Magenverstimmung zunächst auf der Bank saß. Auf Bremer Seite bewirkten die beiden Ausfälle von Milos Veljkovic (Gelbsperre) und Philipp Bargfrede (Muskelprobleme) einen Linksruck: Marco Friedl und Nuri Sahin sorgten dafür, dass Werder mit fünf Linksfüßern in die Partie ging.

Die meiste Laufarbeit in der ersten halben Stunde verrichteten Milot Rashica und Johannes Eggestein, womit noch eine Phrase bestätigt wurde: Die Verteidigung beginnt im Angriff. An klaren Möglichkeiten mangelte es den Leverkusenern, obwohl sie zwei Drittel der Zeit am Ball waren. In der 34. Minute spielte der gebürtige Bremer Julian Brandt mal Leon Bailey frei, dessen Schuss von Friedl abgewehrt wurde. Die zweite große Chance folgte sofort: Kevin Volland entwischte bei einer Flanke von Karim Bellarabi, dem zweiten Bremer in Bayers Startelf, seinen Bewachern und setzte den Ball per Kopf nur knapp am linken vorbei.

Seltenes 2:0-Gefühl

Wer nun meinte, dass Werder dauerhaft unter Beschuss geraten würde, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Wieder begann der torbringende Angriff tief in der eigenen Hälfte, diesmal mit einer guten Bewegung von Friedl. Erneut kam die Vorlage zur Vorlage von Johannes Eggestein, der dabei böse von Lars Bender umgesenst wurde. Kruse bediente Rashica per Querpass und der Kosovare setzte mit seinem siebten Pflichtspieltor in der Rückrunde seinen Lauf fort. Werder gehörte vor dem Spiel zu einem Kreis von fünf Mannschaften, die in dieser Saison nach einer Führung noch nicht verloren haben. Ein 2:0 erlebten die Grün-Weißen überhaupt erst zum vierten Mal, was immer eine Sieggarantie bedeutete. Bis zur Pause waren sie dem dritten Tor sogar näher als Bayer dem Anschlusstreffer.

Trainer Peter Bosz reagierte: Zur zweiten Hälfte kamen Havertz und Paulinho für Bellarabi und Charles Aránguiz. Los ging es mit einer Schrecksekunde für Werder. Friedl blieb bei einer Rettungsaktion im Rasen hängen, sodass es jedem bange werden musste um die Bänder des jungen Österreichers. Doch er konnte weitermachen. In der 54. Minute folgte eine weitere Schrecksekunde mit gutem Ausgang für Werder, als Havertz den Ball nach einer Ecke ins Tor schoss. Doch Schiedsrichter Deniz Aytekin nahm den Treffer korrekterweise wegen eines Handspiels zurück, bevor der Video-Assistent sich überhaupt räuspern konnte. Es dauerte, bis Werder mal wieder ein Zeichen setzte in einem guten Fußballspiel. Nach einer knappen Stunde drehte Sahin einen Freistoß von rechts direkt aufs Tor – gegen die Latte.

Bailey sorgt für enge Schlussphase

Mit jeder Minute, die verstrich, kamen die Bremer dem wichtigen Erfolg näher. Mitunter verteidigten sie die Null allerdings mit etwas Glück. Pavlenka konnte Lars Benders abgefälschten Weitschuss noch über die Latte lenken. Jeder wusste: Mit dem Anschlusstreffer würde es sofort brenzlig werden. Entlastung brachten vor allem Konter, weshalb Martin Harnik den müder werdenden Rashica ablöste, der bis dahin am zweitmeisten gelaufen war. In der 71. Minute verschaffte Sahin seinem Trainer etwas Planungssicherheit fürs nächste Spiel: Der Sechser sah seine fünfte Gelbe Karte, weshalb Kohfeldt gegen den FSV Mainz 05 auf dieser Position wieder umbauen muss.

Eine Viertelstunde vor dem Ende sorgte Bailey mit einem sehenswerten Freistoßtor zum 1:2 für kurzfristige Planungssicherheit. Denn Werder konnte sich auf eine heikle Schlussphase gefasst machen. Für noch mehr Geschwindigkeit im Gegenangriff kam Fin Bartels für Johannes Eggestein. Die Bremer Beine wirkten schwer. In der 83. Minute wehrte Niklas Moisander einen Schuss von Havertz zur Ecke ab. Bailey scheiterte am Außenpfosten.

Mit Sebastian Langkamp wechselte Kohfeldt für die letzten Minuten einen weiteren Verteidiger ein. Die Nachspielzeit überstand Werder vergleichsweise souverän, Kruse nutzte einen Konter sogar noch zum umjubelten 3:1.


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